Christine Eder

Christine Eder (Nestroy 2015)

Christine Eder (geboren 1976 in Linz) ist eine österreichische Theaterregisseurin und Kuratorin. Sie inszeniert regelmäßig an bedeutenden deutschsprachigen Bühnen und realisiert internationale Theater- und Kunstprojekte.

Leben und Werk

Christine Eder wuchs als Tochter einer Hausfrau und eines Forschers in der Nähe von Linz auf. Sie studierte seit 1996 Theaterwissenschaft, Politikwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien und arbeitete als Produktions- und Regieassistentin u.a. am Theater Phönix und am Schauspielhaus Wien unter der Leitung von Hans Gratzer, sowie beim Ars Electronica-Festival in Linz.

Ab 2001 Studium der Theaterregie am Institut für Theater, Musiktheater und Film der Universität Hamburg, es folgten erste Regiearbeiten am Thalia Theater Hamburg unter der Intendanz von Ulrich Khuon (u. a. Antigone von Sophokles, 2004) und Engagements am Münchner Volkstheater unter Christian Stückl und am Theaterhaus Jena. Enge Arbeitsbeziehungen aus dieser Zeit verbinden sie mit Musikschaffenden der Hamburger Schule, u. a. mit Bernadette la Hengst, Knarf Rellöm und der School of Zuversicht. Sie ist auch langjähriges Mitglied a. D. des Hamburger Agit-Prop-Kollektivs Schwabinggrad Ballett

Seit der Spielzeit 2007/08 inszenierte Eder regelmäßig im Schauspielhaus Graz. Am Haus von Anna Badora entstanden ihre ersten eigenen Stückentwicklungen und Dokumentartheaterprojekte, etwa die Arbeit Boatpeople zur EU-Migrationspolitik, mit intensiven Recherchen auf der Insel Lampedusa. Es folgten Engagements etwa am Stadttheater Bremen, am Theater Osnabrück oder am Theater Konstanz wo sie die Uraufführung von 'Die Vorläufigen von Ivna Žic realisierte.

Seit ihrer Rückkehr nach Österreich 2009 arbeitet Eder sowohl in der freien Szene als auch an institutionellen Theaterhäusern, etwa am Volkstheater und am Schauspielhaus Wien unter Andreas Beck, sowie am Werk X Wien, wo sie im Jänner 2015 eine Neuinterpretation der Proletenpassion der Schmetterlinge zeigte. Die „Proletenpassion 2015ff“ entstand in Zusammenarbeit mit der Musikerin Gustav und wurde mit dem Nestroy-Preis für die beste Off-Produktion ausgezeichnet.[1]

Christine Eder war 2006, 2007 und 2010 zum Regie-Nachwuchs-Festival Radikal jung in München nominiert. 2010 erhielt ihre Inszenierung Eros nach dem Roman von Helmut Krausser den Preis für die beste Ensembleleistung und den Publikumspreis der Bayerischen Theatertage.[2] 2017 wurde sie für die beste Regie mit dem Dorothea-Neff-Preis für Alles Walzer, alles brennt! ausgezeichnet. Ihr Doku-Stück Verteidigung der Demokratie über Hans Kelsen und die österreichische Bundesverfassung war 2019 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.[3]

Abseits ihrer Theaterarbeit ist Christine Eder im Bereich der bildenden Kunst aktiv. Im Kunstraum Memphis Linz kuratiert sie Ausstellungen und performative Projekte. Daneben unterrichtet sie als Gastdozentin an der ABP Linz und an der Universität Mozarteum Salzburg und lehrt an der Schule des Theaters Wien. 2025 war sie Jurymitglied beim Bundeswettbewerb deutschsprachiger Schauspielschulen in Salzburg.

Arbeit und Stil

Eder ist für dokumentarische, musikalische und gesellschaftspolitische Stücke bekannt, die häufig mit Musik und popkulturellen Elementen arbeiten. Zentrale Themen ihrer Eigenarbeiten sind Demokratie, Geschichte, soziale Gerechtigkeit und ökologische Transformation.

Ihr künstlerischer Zugang verbindet politische Fragestellungen auf humorvolle Weise mit Recherche, Textentwicklung und künstlerisch-politischer Intervention. Sie arbeitet auch interdisziplinär und kollaboriert dabei in unterschiedlichen Zusammenhängen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Musikschaffenden, Performern, bildend Kunstschaffenden und Laien. Im Juni 2025 erstürmten bei Der Aufstand - 500 Jahre Salzburger Bauernkrieg unter ihrer Leitung dreihundert Bürgerinnen die Burg Hohenwerfen bei Salzburg. [4]

Inszenierungen Theater (Auswahl)

Seit 2004 zahlreiche Theaterarbeiten u. a. am Thalia Theater Hamburg, Volkstheater München, Volkstheater Wien, Schauspielhaus Wien, Theater am Werk Wien, Staatstheater Nürnberg, Stadttheater Bremen, Theater Konstanz und Theater Osnabrück.

Kuratierung und Veranstaltung (Auswahl)

Christine Eder ist seit 2022 Teil des Leitungsteams des Kunstraum Memphis in Linz und kuratiert Ausstellungen, Performances und Kunstprojekte

  • Flick the system! – Gruppenausstellung zu Protest, Widerstand und gesellschaftlicher Transformation (Kunstraum Memphis, 2026)
  • Re: FUTURE (draft) – Ausstellung zum Post-Futurismus (2024)
  • Democratic Exercises – Kampfkunst-Performance und Ausstellung (Memphis / Belvedere 21, Wien 2023)
  • Kongress der Wissenden – 2-tägige Tagungsveranstaltung im öffentlichen Raum (Lentos Linz, 2022)
  • Aggressive Peace – Ausstellung zur Friedensbewegung (Kunstraum Memphis, 2022)

Auszeichnungen (Auswahl)

Commons: Christine Eder – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Beste Off-Produktion Proletenpassion 2015ff beim Nestroy-Preis 2015, Veröffentlichung 2016, abgerufen am 16. November 2025
  2. Auszeichnungen bei den 28. Bayrischen Theatertagen de.wikipedia.org 2. Mai 2012, abgerufen am 18. November 2025
  3. Neff-Preise an Franzmeier, Eder, Locher und Sabitzer. Artikel vom 2. Juni 2017, abgerufen am 28. September 2018.
  4. 500 Jahre Bauernkrieg: Festung neuerlich gestürmt Artikel auf orf.at vom 25.Juni 2025, abgerufen am 20.11.2025
  5. Die Web-Page der "Klima" Biennale Wien. Abgerufen am 18. November 2025.

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Autor/Urheber: Manfred Werner - Tsui, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Christine Eder, Regisseurin der als beste Off-Produktion ausgezeichneten Inszenierung der Proletenpassion 2015 ff im Werk X, bei der Verleihung des Nestroy-Theaterpreises 2015 im Ronacher in Wien.