Chemische Formel

Eine Chemische Formel beschreibt in Formelsprache Stoffteilchen, die in ihrer Gesamtheit eine Stoffportion eines chemischen Stoffes ergeben. Dieser Stoff kann im einfachen Fall ein Reinstoff, also sowohl ein chemisches Element als auch eine Verbindung sein.
Die Elementsymbole sind die Basis der chemischen Formelsprache. Beispielsweise steht H für ein Wasserstoffatom, O für ein Sauerstoffatom, Mg für ein Magnesiumatom, N für ein Stickstoffatom und C für ein Kohlenstoffatom.
Chemische Formeln von Elementen
Für alle Metalle und die Edelgase ist das Elementsymbol des Periodensystems der Elemente gleichbedeutend mit seiner chemischen Formel, weil die Stoffteilchen der Metalle und Edelgase immer nur aus einem Atom bestehen: Fe für Eisen bzw. He für Helium.
Sind jedoch die Stoffteilchen eines Elementes aus zwei oder mehr Atomen der gleichen Atomsorte aufgebaut, wird das durch eine andere chemische Formel gekennzeichnet. Häufig ist dies bei Nichtmetallen der Fall. So steht unter anderem H2 für ein Wasserstoffmolekül, bestehend aus zwei Wasserstoffatomen in einer Stoffportion Wasserstoff, S8 für ein Schwefelmolekül bestehend aus acht Schwefelatomen in einer Stoffportion gelben Schwefels, O2 für ein Sauerstoffmolekül bestehend aus zwei Sauerstoffatomen in einer Stoffportion Sauerstoff und O3 für ein Ozonmolekül bestehend aus drei Sauerstoffatomen in einer Stoffportion Ozon. Der Zahlenwert des Index, also die Indexzahl, benennt dabei die Anzahl der Atome dieser Atomsorte im Stoffteilchen. Bei den in diesem Abschnitt genannten Beispielen handelt es sich ausnahmslos um Moleküle und solche chemischen Formeln heißen daher genauer Molekülformeln.
Chemische Formeln von Verbindungen
Befinden sich in den Stoffteilchen einer Verbindung zwei oder mehrere Atome verschiedener Nichtmetallelemente, kann eine chemische Formel wie folgt aufgebaut sein: H2O für ein Wassermolekül bestehend aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom in einer Stoffportion Wasser, H2O2 für ein Wasserstoffperoxidmolekül bestehend aus zwei Wasserstoffatomen und zwei Sauerstoffatom in einer Stoffportion Wasserstoffperoxid sowie CO2 für ein Kohlenstoffdioxidmolekül bestehend aus einem Kohlenstoffatom und zwei Sauerstoffatomen in einer Stoffportion Kohlenstoffdioxid.
Befinden sich in den Stoffteilchen einer Verbindung scheinbar zwei oder mehrere Atome eines Metalls und eines Nichtmetalls, dann kann seine chemische Formel wie folgt aufgebaut sein: Fe2O3 steht dann allerdings für eine Eisen(III)oxidionengruppe bestehend aus zwei Eisenkationen und drei Sauerstoffanionen einer Stoffportion Eisen(III)oxid. Bei der Entstehung dieser Verbindung findet eine Redoxreaktion statt bei der durch Elektronenübertragung aus den Atomen Ionen werden.
Verwendung chemischer Formeln
Chemische Formeln werden auch zum Aufstellen von Reaktionsgleichungen benötigt, wobei jeder an einer Reaktion teilnehmende Reinstoff in seine chemische Formel „übersetzt“ und abschließend stöchiometrisch passend mit Vorzahlen versehen wird.
Bekannte Formelschreibweisen
Es werden verschiedene Schreibweisen von chemischen Formeln unterschieden. Die bekanntesten sind unter anderem:
- Verhältnisformel: Sie setzt sich aus Elementsymbolen und kleinen, tiefgestellten Zahlen (Indizes) zusammen und gibt lediglich das Verhältnis wieder, in dem die einzelnen chemischen Elemente in einer chemischen Verbindung enthalten sind. Dabei werden ganzzahlige Verhältniszahlen verwendet.
- Beispiel: Die Verhältnisformel für Benzol ist C1H1, die Verhältnisformel von Aluminiumsulfat ist Al2O12S3.
- Summenformel: Die Summenformel gibt jeweils die Anzahl der Atome der chemischen Elemente an, die in den Stoffteilchen einer Verbindung enthalten sind. Bei Molekülen wird damit auch die tatsächliche Häufigkeit der Atome verschiedener Elemente im Molekül angegeben. Die Summenformeln von Salzen entsprechen in der Regel ihren Verhältnisformeln, werden jedoch meist in Form von Formeleinheiten angegeben, die der Stöchiometrie der Verbindung genügen.
- Beispiel: Die Summenformel für Benzol ist C6H6, die Summenformel (Formeleinheit) von Aluminiumsulfat ist Al2(SO4)3.
- Strukturformel: Die Strukturformel gibt, neben der Anzahl der verschiedenen Atome in einem Molekül, auch deren Anordnung zueinander wieder, das heißt, sie gibt auch Auskunft über die Art der Atome und die Art ihrer chemischen Bindungen, gegebenenfalls auch über Bindungswinkel und Bindungslängen. Die Buchstaben stehen für einzelne Atome. Ein Strich entspricht einem Elektronenpaar, das in einer Elektronenwolke/Orbital vorliegt und entweder die Bindung zwischen Atomen ausmacht oder ein so genanntes freies Elektronenpaar ist. Zwei parallele Striche bedeuten entsprechend eine doppelte Bindung.
- Es gibt verschiedene Varianten der Strukturformel, zum Beispiel die Elektronenformel, die Valenzstrichformel, die Keilstrichformel und die Skelettformel.
- Kristallchemische Strukturformel: Sie ist eine spezielle Formelschreibweise, die in der Mineralogie für komplexere chemische Verbindungen verwendet wird. Die kristallchemische Strukturformel basiert auf der Summenformel, sortiert die Bestandteile jedoch nach Kationen und Anionen sowie der strukturellen Position der Anionen.
- Beispiel: Die Summenformel für Fluorapatit ist Ca5(PO4)3F, die kristallchemische Strukturformel dagegen Ca5[F|(PO4)3], da das Anion Fluor nicht mit dem Phosphatkomplex verbunden ist, sondern nur mit dem Kation Calcium. Fluor ist entsprechend vom restlichen Anionenverband abgetrennt und in die Nähe des Kations gerückt.
- Oxidformel: In der Mineralogie wird die chemische Zusammensetzung eines Minerals zudem oft als sogenannte Oxidformel angegeben, das heißt, die Summenformel wird in ihre Oxidkomponenten zerlegt. Beispielsweise kann die Zusammensetzung von Kalifeldspat (Orthoklas oder Mikroklin) mit der Summenformel KAlSi3O8 auch als Oxidformel in der Form K2O·3Al2O3·6SiO2 angegeben werden. Die Oxidformel erleichtert zum einen die Umrechnung von Gesteinsanalysen und zum anderen die Deutung von Mineralbildungsprozessen.[1]
Die Verwendung der Bezeichnungen der einzelnen Formeltypen ist nicht immer einheitlich geregelt und viele Bezeichnungen werden synonym verwendet. Strukturformeln werden hauptsächlich zur Beschreibung von Molekülen genutzt. Allerdings wird eine Strukturformel auch für die Beschreibung von Ionen in Kristallen verwendet, da die Ionen in den Ionenkristallen auch „strukturiert“ sind. Eine für salzartige Substanzen verwendete Formel sollte als Formeleinheit bezeichnet werden, nicht als Strukturformel oder Summenformel. Die tatsächliche Struktur einer salzartigen Verbindung wird erst durch dessen Kristallstruktur geklärt.
| Strukturformeln | andere Darstellungsweisen | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Elektronen- formel | Valenzstrich- formel | Keilstrich- formel | Skelett- formel | Konstitutions- formel | Summen- formel | Verhältnis- formel | |
| Methan | existiert nicht | CH4 | CH4 | CH4 | |||
| Propan | CH3–CH2–CH3 oder CH3 CH2 CH3 | C3H8 | C3H8 | ||||
| Essigsäure | CH3–COOH oder CH3 COOH | C2H4O2 | CH2O | ||||
| Wasser | existiert nicht | H–O–H oder H O H | H2O | H2O | |||
Weitere Darstellungsmöglichkeiten
- Fischer-Projektionsformel: für chirale Moleküle wie Aminosäuren oder Zucker
- Haworth-Projektion, für 5- bis 6-ringige Moleküle wie Zucker
- Newman-Projektionsformel: zur Darstellung der Konformation
- Strukturcodes: International Chemical Identifier, Simplified Molecular Input Line Entry Specification, Wiswesser Line Notation
Weblinks
- Die chemische Zeichensprache
- https://www.lernort-mint.de/chemie/allgemeine-chemie/bezeichnung-von-stoffen/chemische-formeln-schreibweise-und-wiedergabe/
Einzelnachweise
- ↑ Oxidformel. In: Lexikon der Geowissenschaften – Spektrum.de. Abgerufen am 22. Februar 2023.
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Struktur von Methan
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Wasser in der Elektronenschreibweise (Lewis-Schreibweise)
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Essigsäure in der Elektronenschreibweise (Lewis-Schreibweise)
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Verschiedene Representationen von Benzol
Essigsäure
Propane
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Methan in der Elektronenschreibweise (Lewis-Schreibweise)
Propan in der Elektronenschreibweise (Lewis-Schreibweise)