Cetinje

Cetinje
Цетиње
Wappen von Cetinje
Cetinje (Montenegro)
Basisdaten
Staat:Montenegro Montenegro
Gemeinde:Cetinje
Koordinaten:42° 24′ N, 18° 55′ O
Höhe:670 m. i. J.
Fläche:910 km²
Einwohner:13.918 (2011)
Bevölkerungsdichte:15 Einwohner je km²
Telefonvorwahl:(+382) 086
Postleitzahl:81250
Kfz-Kennzeichen:CT
Struktur und Verwaltung
Gemeindeart:Stadt
Webpräsenz:

Cetinje (montenegrinisch-kyrillisch Цетиње) ist eine Stadt in Montenegro zwischen Podgorica und Budva mit etwa 13.900 Einwohnern. Sie liegt 670 Meter über NN am Fuß des Lovćen-Massivs. Cetinje ist der Amtssitz des montenegrinischen Präsidenten und war bis 1918 die Hauptstadt des Landes.[1]

Bevölkerung

Zur Volkszählung von 2011 hatte die Stadt Cetinje 13.918 Einwohner, davon waren 12.705 (91,28 %) Montenegriner und 539 (3,87 %) Serben. Außerdem leben in der Stadt Angehörige weiterer Bevölkerungsgruppen.

Die gesamte Gemeinde zählte demnach 16.657 Einwohner, von denen sich 15.082 (90,54 %) als Montenegriner und 727 (4,36 %) als Serben bezeichneten.

Geschichte

Vlaška crkva, Serbisch-orthodoxe Kirche aus dem Jahr 1450 im Dorf Donji Kraj
Albanische Männer in Cetinje, 1906
Das Marienkloster auf einer montenegrinischen Briefmarke
Fußgängerzone in der Stadt

Die Gründung erfolgte 1482. Das älteste Gebäude der Stadt ist die Vlaška crkva (dt. Walachische Kirche). Sie wurde um 1450 von in der Gegend wohnenden Hirten erbaut, die wegen ihrer aromunischen Sprache Walachen genannt wurden. Ivan Crnojević, Fürst der Zeta 1465–1490, gilt als Gründer von Cetinje. Nachdem die Osmanen 1479 das venezianische Shkodra eingenommen hatten, verlegte Ivan seinen Regierungssitz vom gefährdeten Žabljak am Skutarisee in die Berge östlich des Lovćen. Hier gründete er 1482 ein der Gottesmutter geweihtes orthodoxes Kloster, das zur Keimzelle von Cetinje wurde. 1495 wurde dort eine Druckerei eingerichtet.

Vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1918 war Cetinje die Hauptstadt Montenegros. Hier residierten zuerst die Fürsten aus der Familie Crnojević und seit 1516 die Vladikas, die Fürstbischöfe, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts geistliches und weltliches Oberhaupt der Montenegriner waren. 1692 eroberten die Türken Cetinje und zerstörten das Kloster, das Sitz des Bischofs war. 1696–1701 errichtete Vladika Danilo Petrović fast an derselben Stelle ein neues Kloster.

Unter dem vorletzten Vladika Petar II. Petrović-Njegoš (1830–1851) begann die Modernisierung Cetinjes. Man befestigte Straßen und errichtete erste Häuser im westlichen Stil. 1838 ließ der Vladika eine neue Fürstenresidenz erbauen. Diese Villa hieß im Volksmund Biljarda, weil Petar II. dort einen Billardtisch aufstellen ließ, ein für das damalige Montenegro sehr ungewöhnliches Möbel.

Theater von Cetinje

Fürst Nikola (1860–1918) baute den kleinen Ort zur modernen Hauptstadt Montenegros aus, dessen Unabhängigkeit 1878 international anerkannt worden war. In dieser Zeit wurden Wasserleitungen verlegt, eine Straßenbeleuchtung eingerichtet sowie mehrere Schulen, ein Krankenhaus, ein Museum und ein Gebäude für das Staatsarchiv gebaut. Die europäischen Großmächte errichteten Botschaften, die das neue Stadtbild mitprägten.

Russische Botschaft
Französische Botschaft

Während des Ersten Weltkriegs war Cetinje von 1916 bis 1918 österreichisch besetzt (siehe Österreichisch-Ungarische Besetzung Montenegros 1916–1918). Nach dem Krieg, als Montenegro Teil des neuen jugoslawischen Staates wurde, verlor Cetinje seine Hauptstadtfunktion, gewann sie aber wieder im von 1941 bis 1944 existierenden unabhängigen Staat Montenegro. Als Montenegro 1946 als Teilrepublik Jugoslawiens konstituiert wurde, bekam jedoch Titograd (heute Podgorica) den Zuschlag als Hauptstadt.

1967 war Cetinje Austragungsort der Internationalen Mathematik-Olympiade.

Seit der Unabhängigkeit im Jahre 2006 ist Cetinje zwar Amtssitz des Präsidenten, nicht aber der Regierung. Cetinje gilt heute als national bedeutende historisch-kulturelle Stätte. Die Stadt beherbergt die Fakultäten für Kunst, Musik und Schauspiel der Universität Montenegro.

Am 12. August 2022 kam es in Cetinje zu einer Massenschießerei, bei der elf Menschen, darunter der Täter, starben und sechs weitere verletzt wurden.[2] Es war die bis dahin tödlichste Massenerschießung in Montenegro.[3]

Am 1. Januar 2025 kam es zu einem weiteren Schusswaffenangriff, bei dem dreizehn Menschen, darunter der Täter ums Leben kamen, was somit die zweite solche Tat in der Geschichte der Stadt war. Die montenegrinische Regierung rief am folgenden Tag eine dreitägige Staatstrauer aus.[4]

Sehenswürdigkeiten

Heute können einige relativ gut erhaltene frühere königliche und Regierungsbauten sowie ein Kloster besichtigt werden. Zwei der früheren Paläste sind in Museen umgewandelt worden. Architektonisch interessant sind auch die zahlreichen früheren Botschaftsgebäude ausländischer Staaten, wie die von Russland oder Österreich-Ungarn.

Präsidentenpalast

Städtepartnerschaften

Cetinje listet folgende Partnerstädte auf:[5]

StadtLandseit
Alba Iulia Rumänien Transilvania, Rumänien2021
Bitola Nordmazedonien Pelagonien, Nordmazedonien
Charkiw Ukraine Ukraine2011
Dijon Frankreich Bourgogne-Franche-Comté, Frankreich
Dubrovnik Kroatien Dalmatien, Kroatien
Dytiki AchaiaGriechenland Dytikí Elláda, Griechenland
Gaeta Italien Latium, Italien
GaziantepTurkei Güneydoğu Anadolu, Türkei2013
Kostroma Russland Zentralny, Russland
LarnakaZypern Republik Zypern
Mali Iđoš Serbien Vojvodina, Serbien
Maribor Slowenien Štajerska, Slowenien
NafplioGriechenland Peloponnes, Griechenland
Nagykovácsi Ungarn Közép-Magyarország, Ungarn
Novo Sarajevo (Sarajevo) Bosnien und Herzegowina Federacija, Bosnien und Herzegowina
Nürnberg Deutschland Bayern, Deutschland
Pembroke Malta Malta
Rijeka Kroatien Primorje, Kroatien2010
Santa SeverinaItalien Kalabrien, Italien
Shkodra Albanien Albanien
Siena Italien Toskana, Italien
Sinaia Rumänien Muntenia, Rumänien2008
Split Kroatien Dalmatien, Kroatien
Spoleto Italien Umbrien, Italien
Velika Kladuša Bosnien und Herzegowina Federacija, Bosnien und Herzegowina
Visegrád Ungarn Közép-Magyarország, Ungarn
Vranje Serbien Pčinja, Serbien
Weliko Tarnowo Bulgarien Bulgarien2006

Söhne und Töchter der Stadt

  • Frédéric Rossif (1922–1990), Regisseur, Drehbuchautor, Fotograf und Dokumentarfilmer
  • Miodrag Djuric (Dado) (1933–2010), Maler
  • Milorad Knežević (1936–2005), Schachspieler
  • Branka Radović (1949–2023), Musikwissenschaftlerin, Musikkritikerin und Universitätsprofessorin
  • Veselin Vujović (* 1961), Handballspieler und -trainer
  • Nikola Adžić (* 1962), Handballspieler und -trainer
  • Veljko Uskoković (* 1971), Wasserballspieler
  • Petar Kapisoda (* 1976), Handballspieler und -funktionär
  • Zoran Roganović (* 1977), Handballspieler und -trainer
  • Draško Mrvaljević (* 1979), Handballspieler
  • Ivan Pavićević, Handballschiedsrichter
  • Miloš Ražnatović, Handballschiedsrichter
  • Žarko Marković (* 1986), montenegrinisch-katarischer Handballspieler
  • Aleksa Bečić (* 1987), Politiker
  • Vasko Ševaljević (* 1988), Handballspieler
  • Stevan Vujović (* 1990), Handballspieler
  • Darko Pešić (* 1992), Zehnkämpfer
  • Marija Vuković (* 1992), Hochspringerin
  • Vladan Lipovina (* 1993), Handballspieler
  • Dragan Pešić (* 1993), Leichtathlet
  • Nebojša Simović (* 1993), Handballspieler
  • Vuko Borozan (* 1994), Handballspieler
  • Andrijana Tatar (* 1995), Handballspielerin
  • Tatjana Brnović (* 1998), Handballspielerin
  • Vasilije Kaluđerović (* 1998), Handballspieler
  • Miljan Vujović (* 2000), slowenisch-montenegrinischer Handballtorwart

Literatur

  • Sergio Anselmi (Hrsg.): Sette citta jugo-slave tra Medioevo e Ottocento: Skoplje, Sarajevo, Belgrado, Zagabria, Cettigne, Lubiana, Zara. Senigallia 1991.
  • Dušan Martinović, Uroš Martinović: Cetinje. Spomenici arhitekture. Cetinje 1980.
  • Pavle Mijović: Cetinje kao feniks. Cetinje 1997, ISBN 86-7079-061-0 (Kultur und Stadtgeschichte).
  • Boro Radonjič: Cetinje und das montenegrinische Küstenland. Beograd 1955.
Commons: Cetinje – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Website der Gemeinde Cetinje (serbisch, englisch)
  • Marc Siskin: Cetinje 2005. In: edvista.com. (englisch, Bilder von Cetinje).
  • Elizabeth Roberts: Cetinje. In: Realm of the Black Mountain: A History of Montenegro. Januar 2007, S. 225–226, archiviert vom Original am 17. Oktober 2007; (englisch, wiedergegeben auf esiweb.org).

Fußnoten

  1. mit anderen Bezeichnungen
  2. Brđanin: Napadač prvo pucao na podstanare, ubijena deca od osam i 11 godina. In: N1 Info. 12. August 2022, abgerufen am 5. Januar 2025 (serbisch).
  3. Mass Shooting in Montenegro Leaves 11 Dead. In: Balkan Insight. 12. August 2022, abgerufen am 15. August 2022 (englisch).
  4. Zwölf Menschen in Montenegro erschossen. In: tagesschau.de. 2. Januar 2025, abgerufen am 2. Januar 2025.
  5. Partnerski gradovi. In: cetinje.me. Abgerufen am 2. Januar 2025 (montenegrinisch).

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