Ceran

Ceran

InhaberSchott AG
Einführungsjahr1971
ProdukteKochfelder
Märkteweltweit
Websitewww.schott-ceran.com
Typisches Ceran-Kochfeld mit integrierten Sensortasten

Ceran ist eine Marke der Schott AG für Glaskeramik.[1] Das temperaturwechselbeständige Material wird in Kochfeldern eingesetzt, insbesondere bei den Heizarten Infrarot und Induktion.

Obwohl Ceran eine geschützte Marke ist, wird „Ceranfeld“ umgangssprachlich häufig als Sammelbezeichnung für Glaskeramikkochfelder verwendet.[2]

Geschichte

Ende der 1960er Jahre entwickelte Schott mit Zerodur ein glaskeramisches Material für Teleskopspiegel, das im Auftrag des Max-Planck-Instituts für Astronomie entstand. Aufgrund seiner geringen Wärmeausdehnung wurde das Material anschließend auch für Anwendungen in Haushaltsgeräten untersucht.[3]

Ceran-Kochfeld, vorgestellt 1971 auf der Fachmesse Domotechnika

Gemeinsam mit dem Hausgerätehersteller Imperial (heute Teil von Miele) entwickelte Schott daraus die erste schwarze glaskeramische Kochfläche.[4][5] Diese wurde 1971 zunächst in Kleinserie gefertigt und auf der Messe Domotechnica vorgestellt. Die Serienproduktion begann 1973, und innerhalb der ersten zwei Jahre wurden 7.000 Ceran-Kochflächen verkauft.[6][7]

In den folgenden Jahren entwickelte sich Ceran zum Marktführer bei Glaskeramik-Kochflächen. Bis 1980 produzierte Schott eine Million Ceran-Kochflächen.[8] Mitte der 1990er Jahre war das Produkt in 30 Ländern erhältlich und erreichte in Europa einen Marktanteil von 90 %.[9][10]

Seit 2009 stellte Schott als erstes Unternehmen der Branche glaskeramische Kochflächen ohne den Einsatz giftiger Schwermetalle wie Arsen und Antimon her.[11]

2010 erreichte die Gesamtproduktion 100 Millionen Stück,[12] 2021 wurde die 200-millionste Ceran-Kochfläche hergestellt.[13]

2025 schloss das Unternehmen ein Pilotprojekt ab, in dessen Rahmen 50 Tonnen Glaskeramik-Kochfelder verschiedener Hersteller erfolgreich recycelt wurden.[14]

Materialeigenschaften

Unter dem Markennamen Ceran werden Glaskeramiken gehandelt, welche eine hohe Durchlässigkeit für Wärmestrahlung, eine geringe Wärmeleitfähigkeit sowie eine hohe Temperaturwechselbeständigkeit aufgrund des geringen Ausdehnungskoeffizienten aufweisen. Die häufigsten Waren sind Kochfelder.

Platten aus Glaskeramik haben eine hohe Durchlässigkeit für Wärmestrahlung (das heißt: Glaskeramik hat wie Glas eine geringe Dämpfungskonstante für Teile des infraroten Spektrums) und praktisch keine Wärmeausdehnung. Sie besitzen eine glatte, porenfreie Oberfläche. Der größte Teil der Wärmeübertragung geschieht bei Glaskeramik-Kochfeldern daher durch Wärmestrahlung anstelle von Wärmeleitung (wie bei Stahl- oder Eisen-Herdplatten). Die Wärmeleitfähigkeit ist mit 1,46 W/(m·K) sehr gering, was dazu führt, dass der Bereich neben der Kochstelle kalt bleibt. Stahl- oder Eisen-Herdplatten nutzen dagegen für den Wärmetransport ausschließlich ihre hohe Wärmeleitfähigkeit.

Glaskeramik ist ein teilkristalliner Werkstoff, der durch unvollständige Kristallisation („Keramisierung“) geeigneter Gläser entsteht. Bei der Herstellung entstehen in der Glas-Matrix Bereiche mit einer geordneten Kristallstruktur. Diese Glaskeramik hat bei entsprechender chemischer Zusammensetzung einen negativen Wärmeausdehnungskoeffizienten, zieht sich also bei Erwärmung zusammen. Wird das Verhältnis von Glas- zu Kristallphase geeignet eingestellt, entsteht ein Material, das sich bei Erwärmung so gut wie nicht ausdehnt. Hauptbestandteile der Glaskeramik für Ceran-Kochflächen sind Lithium-, Aluminium- und Siliziumoxid (sogenannte „LAS-Glaskeramik“).

Eine solche Glaskeramik übersteht unbeschadet abrupte Temperaturschocks bis 700 °C.[15]

Anwendungen

Ceran-Kochfelder mit den drei typischen Heizarten: Induktion, Gas und Infrarot (von links nach rechts)

Ceran-Glaskeramik-Kochfelder sind grundsätzlich mit allen gängigen Heizarten kompatibel und funktionieren mit Induktion, Gas und elektrischer Strahlungsbeheizung.[16]

Eine weite Verbreitung fand die Kochfläche nach ihrer Markteinführung in Verbindung mit der elektrischen Strahlungsbeheizung. Hier wird ein unterhalb der Glaskeramik angeordneter Heizwiderstand bis zur Rotglut aufgeheizt. Die von dem Heizelement ausgesandte infrarote Wärmestrahlung tritt durch die infrarotdurchlässige Glaskeramik und heizt den Boden des Topfes oder der Pfanne auf. Die Kochfläche lässt die Heizenergie fast ohne Wärmeverlust an das Kochgefäß und es wird kaum Wärme zu den Seiten abgeleitet.[16] So kann das zusammenhängende Kochfeld in mehrere einzeln schaltbare Zonen unterteilt werden, die sich kaum gegenseitig beeinflussen und an verschieden große Topfböden angepasst sind.

Umgangssprachlich wird daher oft „Ceran-Kochfeld“ als Synonym für ein Glaskeramik-Kochfeld mit Strahlungsbeheizung genutzt, obwohl auch Induktions-Kochfelder meist eine Oberfläche aus Glaskeramik haben.[17]

Seit den 2010er-Jahren wird der Großteil der verkauften Glaskeramik-Kochfelder als Induktionskochfeld ausgeliefert.[18] Beim Induktionskochfeld wird die Leistung in Form eines magnetischen Wechselfeldes durch die Ceran-Glaskeramik hindurch in den Boden des Kochgeschirrs (Eisenlegierung) übertragen und dort aufgrund von induzierten Wirbelströmen und Ummagnetisierungsverlusten in Wärme umgewandelt.

Neben der klassischen Ceran-Glaskeramik-Kochfläche, die in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben hergestellt wird, gibt es auch Grillgeräte aus Ceran und Kochmulden aus Glaskeramik zur Aufnahme eines Woks.[16][19] Oft sind auch die Frontscheiben von Kaminöfen aus Glaskeramik.

Einzelnachweise

  1. Auskunft zur Marke Ceran im Register des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
  2. Kochfeld reinigen: Drei Mittel sind sehr gut und umweltschonend. In: Stiftung Warentest (test.de). 12. Juli 2018, abgerufen am 4. März 2026.
  3. Hans Bach: Low Thermal Expansion Glass Ceramics. 2. Auflage. Springer, Berlin, Heidelberg 2005, ISBN 978-3-540-24111-9, S. 52–119.
  4. Das Kochen auf der ganzen Welt revolutioniert. In: Küchenplaner. Strobel Verlag GmbH, abgerufen am 20. April 2026.
  5. Florian Langenscheidt (Hrsg.): Deutsche Standards – Marken des Jahrhunderts 2022. Prestel, München 2021, ISBN 978-3-7913-8854-0.
  6. Andrea Wuerzburger: Meilensteine bei SCHOTT CERAN. 27. April 2010, abgerufen am 5. November 2010. (PDF; 48 kB)
  7. Rekordplatte zum Jubiläum. Seit 1971 hat Schott 50 Millionen Ceran-Kochflächen produziert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 91, 19. April 2002, S. 71.
  8. Peter Thomas: Glaskeramik: Entspannt beim Thermoschock. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. November 2012 (faz.net [abgerufen am 20. April 2026]).
  9. Stephan Knieps: Dieser Mittelständler will an den Fläschchen für Coronaimpfstoffe verdienen. In: Wirtschaftswoche. Handelsblatt GmbH, abgerufen am 20. April 2026.
  10. 20 Millionen Kochfelder aus Ceran verkauft / Schott Glaswerke expandieren auf den nordamerikanischen Markt. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 47, 25. Februar 1994, S. 19.
  11. Deutscher Innovationspreis: Feuerwerk an Ideen. In: Handelsblatt. Nr. 084, 3. Mai 2010, S. 35.
  12. 100 Millionen CERAN Kochflächen produziert. In: HiTec Magazin. Abgerufen am 20. April 2026.
  13. 200 Millionen Mal SCHOTT CERAN®. In: Küchenplaner. Strobel Verlag, abgerufen am 20. April 2026.
  14. Golo Schlenk: Meilenstein erreicht: Schott AG in Mainz recycelt Glaskeramik. In: SWR Aktuell. 4. November 2025, abgerufen am 20. April 2026.
  15. SCHOTT CERAN® – Technische Details. Abgerufen am 27. Januar 2025 (deutsch).
  16. a b c Vorteile des SCHOTT CERAN Glaskeramik-Kochfelds. Abgerufen am 21. März 2023.
  17. Lisa Ohl: Induktion oder Ceran: Welches Kochfeld passt zu mir? Tipps und Hinweise. In: Focus Online. 4. November 2021, abgerufen am 23. Dezember 2023.
  18. HEA-Fachwissen / Kochfelder - Marktdaten. Abgerufen am 21. März 2023.
  19. SCHOTT CERAN – ein Kochfeld, viele Möglichkeiten. Abgerufen am 21. März 2023.

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Autor/Urheber: Schott AG, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Glaskeramik-Kochfeld der Marke Ceran von Schott
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Autor/Urheber: SCHOTT AG, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Ceran Kochfelder mit den drei typischen Heizarten Induktion, Gas und Infrarot (von links nach rechts)