Centre national de la recherche scientifique

Centre national de la recherche scientifique
(CNRS)
Logo
RechtsformÉtablissement public à caractère scientifique et technologique
Gründung19. Oktober 1939
SitzParis, Frankreich
ZweckAngewandte und Grundlagenforschung
VorsitzAntoine Petit (Präsident)
Beschäftigte32.000
Websitewww.cnrs.fr

Das Centre national de la recherche scientifique (CNRS; franz.; dt. „Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung“) ist als nationale französische Forschungsorganisation dem Forschungsministerium unterstellt und widmet sich der Grundlagenforschung, betreibt insbesondere am Institut national de physique nucléaire et de physique des particules aber auch Angewandte Forschung. Das CNRS ist im Bereich der Grundlagenforschung vergleichbar mit der deutschen Max-Planck-Gesellschaft, allerdings größer und weniger eng fokussiert. Das CNRS bildet mit einem Etat von 3,4 Milliarden Euro und 32.000 Beschäftigten (2017) die zweitgrößte Forschungsorganisation in Europa[1] nach der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren[2].

Geschichte

Die Gründung erfolgte am 19. Oktober 1939 durch ein Dekret des französischen Präsidenten Albert Lebrun. Vorgängergesellschaften waren die 1936 auf Initiative von Jean Perrin gegründete Caisse nationale de la recherche scientifique und das Office national des recherches scientifiques et des inventions, die bereits 1938 fusioniert worden waren. 1966 wurden zwei spezialisierte Institute gegründet, das heutige Institut national des sciences de l’univers (INSU) und das Institut national de physique nucléaire et de physique des particules (IN2P3).

Sitz der Verwaltung ist Paris, die Forschungsstätten sind über ganz Frankreich verteilt. Die Forschungsorganisation besitzt Auslandsvertretungen in Brüssel (Europäische Union), Pretoria, Moskau, Peking, Rio de Janeiro, Tokio, Malta, Washington, D.C., Singapur und Delhi.[3] Im Jahr 2004 gab es 26.000 Mitarbeiter, davon 11.600 Wissenschaftler bei einem Budget von 2,2 Mrd. Euro. Diese forschten an den zwei nationalen Instituten für Kern- und Teilchenphysik und für Meereskunde und Astronomie oder sind einer der übrigen acht wissenschaftlichen Abteilungen (départements scientifiques) zugeordnet.

2016/17 waren es 32.000 Mitarbeiter in 8 wissenschaftlichen Abteilungen bzw. Instituten. Die lokalen Forschungsinstitutionen sind über ganz Frankreich verteilt und häufig mit Universitäten verbunden.

Forschungs- und Funktionsbereiche

Die Forschungs- und Funktionsbereiche (Branche d'activité professionnelle – BAP) sind:

  • BAP A – Lebenswissenschaften
  • BAP B – Chemie
  • BAP C – Ingenieurwissenschaften
  • BAP D – Geistes- und Sozialwissenschaften
  • BAP E – Informatik, Statistik und Mathematik
  • BAP F – Kultur-, Kommunikations- und Informationswissenschaften und Wissensmanagement
  • BAP G – Logistik, Gebäudenutzung und Sicherheit
  • BAP J – Leitung

Institute und Einrichtungen

Institute

Folgende Institute sind Teil des CNRS:

  • Institut de chimie (INC)
  • Institut de physique (INP)
  • Institut des sciences biologiques (INSB)
  • Institut des sciences humaines et sociales (INSHS)
  • Institut des sciences informatiques et de leurs interactions (INS2I)
  • Institut des sciences de l’ingénierie et des systèmes (INSIS)
  • Institut Écologie et environnement (INEE)
  • Institut Jacques Monod (IJM)[4]
  • Institut national de physique nucléaire et de physique des particules (IN2P3)
  • Institut national des sciences mathématiques et de leurs interactions (INSMI)
  • Institut national des sciences de l’univers (INSU)
  • Analyse et traitement informatique de la langue française (ATILF)

Très grandes infrastructures de recherche (TGIR)

Zu den Einrichtungen der CNRS zählen auch sehr große Forschungsinfrastrukturen (Très Grandes Infrastructures de Recherche) wie das Canada-France-Hawaii Telescope, die Flotte océanographique Français und das Cherenkov Telescope Array. Das CNRS ist auch an weiteren großen Forschungsinfrastrukturen wie dem CERN und dem Grand Accélérateur National d'Ions Lourds beteiligt.

Leitung des CNRS

Die Leitung des CNRS obliegt seit 1981 dem Präsidenten („Président du Centre national de la recherche scientifique“).

Président

  • Claude Fréjacques (1981–1989)
  • René Pellat (1989–1992)
  • Édouard Brézin (1992–2000)
  • Gérard Mégie (2000–2004)
  • Bernard Meunier (2004–2006)
  • Catherine Bréchignac (2006–2010)

Président directeur général

Seit dem 20. Januar 2010 wurde das CNRS von dem Chemiker Alain Fuchs geleitet. Als Fuchs am 24. Oktober 2014 die Präsidentschaft der neuen Université Paris Sciences et Lettres (PSL) antrat, wurde zu seiner geschäftsführenden Nachfolgerin beim CNRS die Biochemikerin Anne Peyroche ernannt.[5] Unmittelbar nach ihrer Ernennung wurden Vorwürfe gegen Peyroche laut, sie habe in mehreren Veröffentlichungen aus den Jahren 2001 bis 2012 Ergebnisse manipuliert. Am 18. Januar 2018 gab das Hochschulministerium bekannt, der bereits zuvor als Nachfolger Peyroches gehandelte Mathematiker Antoine Petit, bis dahin Präsident des Nationalen Forschungsinstituts für Informatik und Automatisierung (INRIA), übernehme mit sofortiger Wirkung die kommissarische Leitung des CNRS.[6] Wenige Tage später, am 24. Januar 2018, wurde Petit wie erwartet zum regulären Président-directeur général.[7] Am 9. Februar 2022 trat er eine zweite Amtsperiode an.[8]

Forschungspreise und Ehrungen

Sechs der bislang vierzehn (Stand 2020) an französische Wissenschaftler vergebenen Nobelpreise für Physik erhielten Mitarbeiter des CNRS, daneben wurden vier weitere Nobelpreise an Forscher des CNRS vergeben. Die Fields-Medaille „für herausragende Entdeckungen in der Mathematik“ wurde bislang an elf Mitarbeiter des CNRS vergeben.

Nobelpreise

Fields-Medaillen

Abelpreis

  • Jean-Pierre Serre, erster Preisträger, für seine Schlüsselrolle in der Gestaltung der modernen Form vieler Bereiche der Mathematik

Eigene Preisvergaben

Die Médaille d’or du CNRS (Goldmedaille des CNRS) wurde erstmals 1954 verliehen und ist die höchste Auszeichnung des CNRS und eine der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnungen in Frankreich. Sie wird seit 1954 jährlich verliehen. Daneben verleiht das CNRS auch mehrere Silber- und Bronzemedaillen in jedem Jahr.

Siehe auch

  • Kategorie:Person (Centre national de la recherche scientifique)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Declan Butler: France’s research agency splits up. In: Nature. 453, Nr. 7195, Mai 2008, S. 573, doi:10.1038/453573a, PMID 18509403.
  2. Helmholtz-Gemeinschaft, abgerufen am 12. Juli 2016
  3. Karte der Auslandsvertretungen auf der Seite des CNRS, abgerufen am 20. Januar 2015
  4. Institut Jacques Monod
  5. Anne Peyroche est nommée présidente du CNRS par intérim. In: cnrs.fr. 24. Oktober 2017, abgerufen am 12. März 2022 (französisch).
  6. Tristan Vey, Cyrille Vanlerberghe: Changement de présidence précipité à la tête du CNRS. In: lefigaro.fr. 18. Januar 2018, abgerufen am 12. März 2022 (französisch).
  7. Antoine Petit. In: cnrs.fr. Abgerufen am 12. März 2022 (französisch).
  8. Antoine Petit reconduit à la tête du CNRS pour un second mandat. In: cnrs.fr. 9. Februar 2022, abgerufen am 12. März 2022 (französisch).
  9. Presseerklärung: Nobelpreis von Luc Montagnier
  10. Laureates 2008 auf nobelprize.org

Koordinaten: 48° 50′ 51,7″ N, 2° 15′ 50,4″ O

Auf dieser Seite verwendete Medien

LogoCNRS.jpg
Autor/Urheber: « Sciences à l'École », Lizenz: CC BY-SA 4.0
Logo CNRS