Caroline Bonaparte

Élisabeth Vigée-Lebrun: Caroline als 25-jährige Großherzogin von Berg mit ihrer Tochter, der Prinzessin Laetitia, 1807
Giuseppe Cammarano: Königin Caroline in Neapel, 1813

Caroline Murat geb. Bonaparte (* 25. März 1782 in Ajaccio, Korsika; † 18. Mai 1839 in Florenz), eigentlich Maria Annunziata Carolina Buonaparte war Königin von Neapel und die jüngste Schwester von Napoléon Bonaparte.[1]

Kindheit und Jugend

Caroline Bonaparte wurde als siebtes Kind von Carlo Buonaparte und Laetitia Ramolino von insgesamt acht Kindern geboren. Die Familie gehörte zum korsischen Kleinadel und seit dem 16. Jahrhundert auf der Insel Korsika ansässig. Die acht Bonaparte Geschwister wuchsen auf Korsika unter französischer Besatzung auf. 1793 floh die Familie nach Frankreich. Napoleon konnte mittlerweile auf seine erfolgreiche Karriere in der französischen Armee blicken. Seine Familie kehrte auf dem französischen Festland nun an seine Seite. Vorerst ließ die Familie sich in Marseille nieder.

Immer wieder besuchen die Geschwister Napoleon auf seinen Feldzügen bzw. Hauptquartieren. So kommt es das Caroline 1797 in Napoleons Quartier in Mombello General Joachim Murat kennen lernt. Die beiden verlieben sich ineinander, doch Napoleon, der nach dem Tod des Vaters, die Rolle des Familienoberhauptes eingenommen hatte, verbot die Eheschließung der beiden.[2] Als Napoleon als General nach Paris umsiedelte, folgte ihm seine Familie. Caroline wurde auf die Mädchenschule St.Germain geschickt, wo sie von Mme Campan ausgebildet wurde. 1799 änderte sie offiziell, wie all ihre anderen Geschwister ihren Vornamen. Aus Maria Annunziata Carolina Buonaparte wurde Caroline Bonaparte.[2]

Ehe

Trotz der räumlichen Trennung (Joachim Murat begleitete Napoleon auf seinen Feldzügen) war Caroline immer noch in Murat verliebt. Erst nach dem Staatstreich des 18. Brumaire, bei dem sich Murat in Napoleons Augen hervor getan hatte, und durch die Fürsprache von Josephine Bonaparte, gab das Familienoberhaupt den beiden die Zustimmung zur Eheschließung. Am 20. Januar 1800 heirateten Caroline und Joachim auf Schloss Mortefontaine. Zwei Jahre darauf holte sich das Ehepaar den kirchlichen Segen.[3]

Joachim Murat stieg an der Seite Napoleons auf der Karriereleiter immer weiter nach oben. Dies hatte er vor allem seiner Frau zu verdanken, die es schaffte ihre Interessen bei Napoleon durchzusetzen. Joachim war dadurch oft abwesend. Caroline hingegen blieb immer in Paris an der Seite Napoleons. Insgesamt bekam das Paar vier Kinder und Caroline erhofft sich, dass eines der Kinder die Nachfolge des kinderlosen Napoleon antreten würde.[4] Als Napoleon 1804 im Zuge seiner Kaiserkrönung seine beiden anderen Schwestern Elisa und Pauline zu Prinzessinnen ernannte und Caroline anfangs keinen neuen Titel erhielt, war sie sehr verärgert. Napoleon holte dies allerdings bald darauf nach. Joachim wurde zu einem Marshall von Frankreich erhoben.[4]

Talleyrand urteilte über Carolines Ehrgeiz: „Ein Kopf wie Cromwell auf dem Körper einer schönen Frau.“[1]

Sowohl Caroline als auch Joachim Murat pflegten Affären mit unterschiedlichen Partnern. Caroline hatte u. a. eine Affäre mit Metternich, der zu diesem Zeitpunkt österreichischer Botschafter in Paris war. Von dieser Affäre erhoffte sich Caroline vor allem politische Vorteile.[5]

Herzogin

1805 gewann Napoleon im Feldzug gegen Österreich und Russland das Großherzogtum Cleve und Berg und übertrug es 1806 dem Ehepaar Murat. Zu dieser Zeit hat das Großherzogtum, mit der Hauptstadt Düsseldorf, 320.000 Einwohner, durch eine Gebietsvergrößerung ein Jahr später stieg die Zahl auf fast eine Million. Während seiner zweijährigen Regierung als Herzog war Joachim insgesamt nur vier Monate vor Ort anwesend. Caroline war mit dem neuen Titel nicht zufrieden, da einige ihrer Geschwister mittlerweile von Napoleon bereits die Königswürde verliehen bekommen hatten.[6] Während des Spanienfeldzuges hofften Joachim und Caroline auf die spanische Königskrone, da Joachim der Oberbefehlshaber der Truppen in Madrid war. Allerdings verlieh Napoleon die spanische Krone an seinen älteren Bruder Joseph, der dafür sein Königreich Neapel abgeben musste. Dieses bekamen nun 1808 Caroline und Joachim überreicht.[7]

Königin von Neapel

Wappen der Caroline Murat geb. Bonaparte

Als Königin von Neapel musste Caroline ihren Titel als Herzogin sowie die dazugehörigen Besitztümer abgeben. Als Königin hatte sie dennoch keine entscheidende Machtposition, sondern wurde nur als Thronfolgerin installiert. Erst als Joachim 1812 am Russlandfeldzug teilnahm, wurde sie zur Regentin erhoben.[8] Zwischen den Murats und Napoleon kam es in dieser Zeit immer wieder zu Konflikten, da Joachim nicht die Rolle eines eigenständigen Souverän ausübte, sondern für Napoleon als Statthalter funktionieren sollte. Aufgrund dessen war Caroline viel in Paris, um zwischen den Fronten zu vermitteln.[9] Das neue Königspaar erwies sich als gut für den Staat. Durch ihre Minister und gute Beratung konnten die Staatsschulden behoben und die Infrastruktur ausgebaut werden. Caroline entwickelte sich zu einer Mäzenin der Künste, vor allem der Archäologie. Ihrer finanziellen Unterstützung ist es zu verdanken, dass die Ausgrabungen von Pompeji vorangebracht wurden.[10]

Im Kaiserreich übernahm Caroline häufig wichtige Aufgaben, so bekam sie 1810 die Aufgabe übertragen, Marie-Louise, Napoleons zukünftige zweite Ehefrau, von Österreich nach Frankreich zu begleiten.[11]

Die Geburt von Napoleon II. zerstörte ihre Hoffnung, dass ihr ältester Sohn Napoléon Achille Murat ihrem Bruder nachfolgen könnte. So verbündete sie sich mit Napoleons Feind, Clemens von Metternich, der nach der Herrschaft der hundert Tage vergeblich versuchte, Murats Thron zu retten.

Das Verhältnis zwischen Joachim Murat und Napoleon spitzte sich in den laufenden Jahren immer mehr zu. Vor allem der Russlandfeldzug führte zu stärkeren Konflikten. Murat nahm nach dem desaströsen Feldzug Kontakt zum Wiener Hof auf, um mit Franz II. über den Schutz seines Königreiches zu verhandeln. Ob Caroline von diesen Verhandlungen wusste, ist nicht überliefert. Allerdings nahm sie 1813 selbst Kontakt zum Wiener Hof auf, um selbige Situation zu klären. Der Wiener Hof forderte von den Murats, dass sie sich nicht nur neutral in den europäischen politischen Konflikten verhalten, sondern sich gegen Napoleon wenden und zu den Alliierten übertreten. 1814 reiste der österreichische Gesandte Graf Adam Albert von Neipperg nach Neapel, um dem Königspaar ein Ultimatum zu stellen. Sollten sie nicht in ein Bündnis mit den Alliierten eintreten, rücke Österreich mit seiner Italienarmee in das Königreich Neapel ein. Fouché war ebenfalls in Neapel und versuchte den Seitenwechsel zu verhindern, aber von einer Lossagung von Frankreich zu überreden. Caroline setzte sich schließlich durch und das Bündnis mit Österreich wurde am 11. Januar 1814 offiziell gemacht. Joachim Murat erklärte daraufhin Frankreich den Krieg und schickte Truppen in einem Scheinkrieg gegen Eugène de Beauharnais’, Napoleons Stiefsohns aus erster Ehe, Italienarmee.[12] Der Verrat der Murats stieß auf große Kritik, viele waren enttäuscht und wandten sich von ihnen ab. Die Ächtung war vor allem auf Caroline ausgerichtet. Dennoch hatten sie, wie der Historiker Stefan Gläser betont, richtig gehandelt, um ihr Königreich zu schützen.[13]

Nach Napoleons Abdankung 1814 und seinem Exil auf Elba wurde das Königreich Neapel zum Treffpunkt französischer Exilanten. Während der 100 Tage Herrschaft von Napoleon kämpfte Joachim Murat wieder an der Seite von Napoleon. Caroline übernahm währenddessen erneut die Regentschaft. Joachims Rückkehr an Napoleons Seite bedeutet den Bruch für das Bündnis mit Österreich. Dies war vor allem für Carolines Zukunft verehrend.[14] Trotz dem Bündnisbruch suchte Caroline 1815, als Neapel geplündert wurde, Schutz in Österreich. Dort wurde ihr von der Regierung erlaubt, sich in Triest als Gräfin von Lipona (Anagramm von Napoli)[15] niederzulassen. In Triest wartete sie auf ihren Ehemann, der selbst im Königreich Neapel-Sizilien einen gescheiterten Restaurationsversuch unternahm und am 13. Oktober 1815 in Pizzo in Kalabrien auf Anordnung des Bourbonenkönigs Ferdinand IV. standrechtlich erschossen wurde.[14]

Leben im Exil

Als Witwe ist Caroline gezwungen ihre wenigen Gegenstände, die sie bei ihrer Flucht aus Neapel mitgenommen hat, aus Geldnöten zu verkaufen. Vor allem die prunkvollen Uniformen ihres Ehemannes erweisen sich als Geldquelle. Für ein paar Goldborten erhält sie 250.000 Francs.[16] Auf dem Wiener Kongress wird bestimmt, dass die Mitglieder der Familie Bonaparte ihre Titel und Besitztümer zurückgeben müssen. Außerdem wurde festgelegt, dass sie das französische Staatsgebiet verlassen und von da an im Exil leben müssen. Für Caroline bedeutet dies, dass sie nicht zurück nach Neapel oder Frankreich, insbesondere Paris kann. Sie lebt von nun in Österreich. Dort erwirbt sie das Schloss Frohsdorf, bei Wien. In den nächsten fünf Jahren residiert sie dort mit ihrem neuen Geliebten General Francesco Macdonald (1777–1837), der 1814/15 Kriegsminister Murats in Neapel gewesen war, den sie 1830 heiratete. 1820 kommt es in Neapel zu Unruhen, wofür Caroline vom König Ferdinand IV. verantwortlich gemacht wird. Darauf ist regelmäßige Durchsuchungen ausgesetzt und die Regelungen werden verstärkt. Auch der Tod Napoleons 1821 bringen für Caroline keine Verbesserung ihres Exils.[16] Erst die Intervention von Metternich, ihrem ehemaligen Liebhaber, bringen Lockerungen in ihr Leben. Auf sein Wirken hin, darf sie sich in Triest niederlassen. Weiterhin kämpft Caroline um die Rückgabe ihrer ehemaligen Besitzungen und Vermögenswerte, welche ihr von Frankreich und Neapel verweigert wird. Denn sie lebt immer noch in bescheidenen Verhältnissen. Durch einen Anteil am Erbe ihrer Schwester Pauline verbessert sich ihre Lage.

Der Thronwechsel 1830 in Frankreich bringt der Familie Bonaparte deutliche Verbesserungen, Louis-Philippes lockert die Sanktionen. Der bonapartistischen Strömungen dieser Zeit entgegensetzend, will der Monarch, die Familie nicht zu Märtyrern erheben. Für Caroline erreicht der König am Wiener Hof, dass sie sich in Florenz niederlassen darf, wo sich auch ein Teil ihrer Familie aufhält. Trotzdem hat sie wenig Kontakt zu ihren Geschwistern, mit der Familie von Jérôme ist sie verstritten.[17] 1838 darf Caroline endlich wieder nach Frankreich einreisen. In Paris versucht sie erneut die Herausgabe ihrer Güter zu bewirken, welches ihr die französische Regierung weiterhin verwehrt. Dennoch zahlt die Regierung ihr eine jährliche Rente von 100.000 Francs. In Paris kann sie der Beerdigung ihrer Schwägerin Hortense beiwohnen. Das einstige angespannte, zerstrittene Verhältnis zwischen den beiden Frauen hat sich in den letzten Jahren zu einem guten verbessert. Während ihrer Abwesenheit ist in Florenz ihr zweiter Ehemann verstorben. Lange überlebt sie ihren zweiten Ehemann nicht. In Paris hat sie durch Ärzte erfahren, dass sie an Magenkrebs erkrankt ist. Wie ihr Vater und ihr Bruder Napoleon stirbt sie an der Krankheit am 18. Mai 1839 mit 57 Jahren in Florenz.[18] Mit ihrem Bruder Jérôme hat sie sich vor ihrem Tod wieder versöhnt. Caroline ist in der Ognissanti-Kirche in Florenz begraben.[18]

Rezeption

Die negative Rezeption zu ihrer Person ist bereits zu ihren Lebzeiten entstanden. Durch die Affäre mit Junot im frühen Kaiserreich, zieht sich Caroline den Unmut von Junots Ehefrau Laurette zu. Laurette zählt zu den Hauptverantwortlichen, die nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs ein negatives Bild von ihr verbreiten. In ihren Memoiren prägt sie das Bild von Caroline nachhaltig.[5]

Charakter und Äußerliches

Caroline war willensstark, ehrgeizig und durchsetzungsstark. Sie verstand es, wichtige Staatsmänner an sich zu binden; so zählten Junot, Talleyrand und Fouché zu ihren Freunden. Sie hat zahlreiche Affären, auch mit politisch unbedeutenden Männern, in denen sie erotische Abwechslung ausleben kann. Pauline soll als die schönste der Bonaparte Schwestern gegolten haben. Caroline war allerdings auch eine Attraktive Frau, wie die Äußerung ihrer Tochter Louise Murat beweist:

"Sie war eher klein als groß und ein wenig füllig. Ihre Haut war so blendend weiß, dass ihre Schultern in Abendkleidern aussahen, als wären sie in weißen Atlas gehüllt. Meine Mutter hatte weder die regelmäßigen Gesichtszüge noch die Makellosigkeit der Linien, die ihre ältere Schwester Pauline auszeichneten, mit der sie so oft verglichen worden ist.[...] aber meine Mutter gefiel, obwohl weniger vollkommen, ebenso, ja vielleicht noch mehr wegen ihrer natürlichen Anmut, ihrer Liebenswürdigkeit und ihrer Eleganz. Sie hatte mandelförmig geschnittene, samtige Augen und einen sanften, gütigen Blick. Ihre Hände und Füße waren klein und von seltener Fehlerlosigkeit, sie waren wirklich das schönste an ihr."[19]

Nachkommen

  • Napoléon Achille Murat (1801–1847), ⚭ 1826 Catherine Willis
  • Marie Laetitia Josephine Annonciade Murat (1802–1859), ⚭ 1823 Marchese Guido-Taddeo Pepoli
  • Napoléon Lucien Murat (1803–1878), ⚭ 1831 Caroline Georgina Fraser, mit der er fünf Kinder hatte
  • Louise Julie Murat (1805–1889), ⚭ Conte Giulio Rasponi

Literatur

  • Joseph Turquan: Caroline, in Camille Jullian, Michel Bourdet-Pléville, Turquan, Eric Feldt: Historische Anthologie (ohne Titel). Le Cercle historia, Paris 1965, S. 275–417 (Mit zahlreichen zeitgenössischen Abb., in frz. Sprache. Häufig als Einzeldruck erschienen; zuerst Tallandier, Paris 1954; zuletzt Les Soeurs de Napoleon; Les Princesses... Rarebooksclub, 2012 ISBN 1235055973. Auch als Amazon-Kindle-Ausgabe.)
  • Stefan Gläser: Caroline Murat (1782–1839). Ein weiblicher Machiavell, in: Derss. [Hrsg.]: Frauen um Napoleon, S. 84–109, München 2004, ISBN 3-492-23811-4.

In Film und Fernsehen

In der Miniserie Napoleon von Yves Simoneau wird Caroline Bonaparte von Marie Bäumer gespielt.

Weblinks

Commons: Caroline Bonaparte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 84.
  2. a b Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 85.
  3. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 86.
  4. a b Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 89.
  5. a b Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 92.
  6. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 91.
  7. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 95.
  8. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 95.
  9. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 97.
  10. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 99.
  11. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 101.
  12. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 103.
  13. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 104.
  14. a b Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 106.
  15. Lipona. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 10, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 818.
  16. a b Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 107.
  17. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 108.
  18. a b Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 109.
  19. Stefan Gläser: Frauen um Napoleon. München 2004, S. 93.

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