Burg Kalsmunt
| Reichsburg Kalsmunt | ||
|---|---|---|
(c) Brego, CC BY-SA 3.0 Reste der Reichsburg Kalsmunt | ||
| Alternativname(n) | Carols Mons, Carlmund oder Carlmont | |
| Staat | Deutschland | |
| Ort | Wetzlar | |
| Entstehungszeit | event. schon frührömischer Ursprung oder um 785, Karl der Große; ausgebaut durch Friedrich Barbarossa um 1180 | |
| Burgentyp | Höhenburg | |
| Erhaltungszustand | Bergfried, Reste von Torturm und Wohngebäuden | |
| Ständische Stellung | Kaiser, Könige, Adlige | |
| Bauweise | Mauerstärke des Bergfrieds bis zu 3 Meter | |
| Geographische Lage | 50° 33′ N, 8° 30′ O | |
| Höhenlage | 256 m ü. NN | |
Die Ruine der Höhenburg Kalsmunt, einer alten Reichsburg, ist noch heute auf einem 256 m hohen Basaltkegel über der Stadt Wetzlar in Hessen zu sehen.
Lage
Auf einer Basaltkuppe, etwa 850 m südwestlich der Wetzlarer Altstadt, die markant auf einer ursprünglich unbewaldeten, (inzwischen verbuschten) Anhöhe (241 m ü. NN) hervorsticht, befindet sich der Standort der Burgruine. Die Höhendifferenz zum Schillerplatz in der Altstadt beträgt 90 m.[1]
Geschichte

Mittelalter
Ursprünge und Baugeschichte der alten Reichsburg Kalsmunt sind unbestimmt; hier besteht noch erheblicher Forschungsbedarf: Nach Karl Metz[2] soll diese Burg/Schloss bereits eine frühe römische Gründung sein. Zedler ist dagegen der Ansicht,[3] dass Karl der Große die Anlage um das Jahr 785 erbauen ließ, um die demnach bereits bestehende Stadt dadurch besser im Zaume halten zu können. Zedler beruft sich dabei auf den Wetzlarer Stadtschreiber Johann Daniel Chelius (1610–1683), der dies in seiner 1664 verfassten «Beschreibung der Stadt Wetzlar» niedergeschrieben hatte.[4] Die Burg soll demnach von Karl dem Großen Carols Mons (Carlmund oder Carlmont) genannt worden sein. Auf der Reichsburg Kalsmunt wurden die kaiserlichen Münzen für Wetzlar geprägt.

Die Reichsburg wurde um 1180 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa über Wetzlar ausgebaut, um die Stadt und die Stellung der Reichsvogtei zu schützen und um die umliegende Wetterau als Reichsland zu sichern.
Der Kalsmunt war Reichsmünzstätte, doch ist kein Prägejahr bekannt. Ein unter Friedrich Barbarossa geschlagener Denar zeigt einen auf einem Faltstuhl thronenden Gekrönten mit einem Lilienszepter und Palmzweig und der Umschrift: Calsmund. Die Münzstätte lag wohl kaum auf dem Kalsmunt, sondern in der Handelsstadt Wetzlar, und ihr Entstehen kann auf etwa 1160 angesetzt werden; ein Arnoldus monetarius (→Münzmeister) ist in Wetzlar seit 1241 nachweisbar.
1226 wird erstmals mit einem Winterus von Kalsmunt auch eine Person erwähnt, die den Namen trägt.
1252 wird die Burg zur Befestigung ausgebaut. Eine Reihe von Burgmannen wird urkundlich genannt. Im Jahr 1257 wird die Stadtbefestigung Wetzlars urkundlich bestätigt.
Im Jahr 1284 tritt Tile Kolup als Kaiser Friedrich II. auf. Die Bevölkerung glaubt ihm zunächst, aber bald siegt das Misstrauen und er wird auf dem Kalsmunt zunächst inhaftiert und verhört. Am 7. Juli 1285 wird er schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Am 28. Juni 1285 wird eine Vereinbarung zwischen den Burgleuten und der Stadt Wetzlar getroffen, keine Feinde der Stadt in der Burg aufzunehmen. Hintergrund der Vereinbarung ist der Streit der Stadt mit dem römisch-deutschen König, in welchem sich die Burg unparteiisch hält. Die Burg wird nie angegriffen.
König Rudolf von Habsburg bestellte Graf Adolf von Nassau im Jahr 1286 zum Burghauptmann auf der Burg Kalsmunt. Adolf behielt das Amt, bis er selbst zum König des Römisch-Deutschen Reiches gewählt wurde. Bereits 1292 übertrug er das Amt des Burghauptmann an Gottfried von Merenberg.[5]
Die Herren von Merenberg waren im Gebiet um Burg Gleiberg reich begütert. Nach dem Tod Hartrad VI. von Merenberg kam die Herrschaft Merenberg, und mit ihr die Burghauptmannschaft des Kalsmunt, an das Haus Nassau-Weilburg. Diese setzten die Burghauptmannschaft mehrfach als Pfandobjekt ein.
Neuzeit
Um 1500 hat die Burg keine militärische Bedeutung mehr, als Reichslehen ist die Befestigung völlig im Besitz der Herren von Nassau-Weilburg. Graf Philipp III. von Nassau-Weilburg übergab die Vogtei Wetzlar und die Burg Kalsmunt 1536 an Landgraf Philipp den Großmütigen. Der Landgraf von Hessen wurde Burghauptmann der Burg. Dieses war Teil eines umfangreichen Gebietstausches.[6]
1609 lässt der Landgraf von Hessen den Bestand der Ruine aufnehmen und vermessen. Der älteste Grundriss des Kalsmunt wird gezeichnet.
Im Jahr 1740 erlebt die Burg noch einmal eine Renaissance, da ein Ausbau zur Festung geplant wird. Dieser scheitert dann aber aus Kostengründen.
Seit 1803 ist die Burg im Besitz der Stadt Wetzlar.
1836 ließ der „Wetzlarische Verein für Geschichte und Altertumskunde“ unter seinem Vorsitzenden Paul Wigand den ebenerdigen Eingang in die drei Meter dicke Mauer des Bergfrieds brechen. Der Zugang erfolgte zuvor im ersten Stock über ein Turmaufgangsgebäude.
Das Stadtbauamt Wetzlar veranlasst 1928 Grabungen, über die Carl Metz in Lieb Heimatland, 1928, Nr. 27 und 28 berichtet.
Zweiter Weltkrieg
Wetzlar wurde während des Zweiten Weltkrieges aufgrund seiner Industriebetriebe zum Ziel des alliierten Bombenkrieges. Nur 300 Meter vom Kalsmunt entfernt befanden sich zentral in der Stadt die Optischen Werke Ernst Leitz GmbH. Zum Schutz des Betriebes wurde auf dem Burgturm B11 des Kalsmunt ein 2-cm-Flakgeschütz installiert. Das mittelalterliche Mauerwerk wurde dafür mit Zement stabilisiert, mit dem Einzug einer Betondecke versehen und in der südwestlichen Hälfte aufgemauert, worauf dann Unterstände und die Flugabwehrkanone mit entsprechender Bewehrung positioniert wurde. Die heutige Aussichtsplattform auf dem Burgturm beruht noch immer auf diesen Strukturen. Militärisch hatte die 2-cm-Flak auf dem Kalsmunt bestenfalls eine marginale Bedeutung, da sie mit einer Schusshöhe von 2000 m den in 5000 bis 6000 m Höhe fliegenden anglo-amerikanischen Bomberverbänden nicht gefährlich werden konnte. Einzig tieffliegende Jagdflieger und Jagdbomber waren mit einer derartigen Flugabwehr wirkungsvoll zu bekämpfen. Dies und die Erfahrung, dass Luftminen gegen Flakstellungen auf Gebäuden mit verheerender Wirkung eingesetzt werden konnten, dürfte in Wetzlar im Laufe des Jahres 1944 dazu geführt haben, dass die 2-cm-Flakgeschütze in Erdstellungen verlegt wurden. Erstmals wurde Wetzlar am 20. Juli 1944 bombardiert. Dabei wurde auch der Kalsmunt getroffen.[7]
Während des Endkampfes 1945 rückte der Kalsmunt abermals in den Mittelpunkt militärischen Agierens. In einem unterirdischen Bunker innerhalb des Berges richtete der Kampfkommandant von Wetzlar, Major Schimpff, seinen Befehlsstand ein, der bis Kriegsende als Schaltzentrale der politischen und militärischen Führung Wetzlars fungierte. Wie bereits bei Errichtung des Flakturmes wurden hier die fortifikatorischen Vorteile der Erhebung ausgenutzt, die bereits den Erbauern der Burg im 12. Jahrhundert vor Augen gestanden haben dürften. Ein Bombentrichter und archäologische Funde zahlreicher deutscher und amerikanischer Patronen- und Patronenhülsen zeugen von den Feuergefechten am Kalsmunt, die sich während der Einnahme Wetzlars durch US-amerikanische Streitkräfte ereigneten.[8]
Jüngste Forschungen
Seit 2013 laufen umfangreiche archäologische Forschungsarbeiten rund um den Kalmunt in Kooperation des Fördervereins Kalsmunt e. V. mit dem Vorgeschichtlichen Seminar der Philipps-Universität Marburg.[9]
Namensherkunft
Die heutige Benennung wird folgendermaßen gedeutet: Kals- = Karls und -munt = Vasall, d. h. ein Lehensmann des Fränkischen Hofes. Zedler schreibt: Karl der Große nannte es Carols Mons, Carlmund oder Carlmont. Andere Quellen halten den Namen für vorgermanisch oder keltisch wie: The name Kalsmunt is of Celtic origin and means “barren hill”, mit der Bedeutung nutzlos/fruchtlos/unfruchtbarer Hügel. Der mit dem altdeutschen Wort munt = Vasall oder Schutz zusammengesetzte Name lässt wohl als ursprüngliche Aufgabe der Burg den Schutz des Wetzlarer Königsgutes vermuten.
Geschlecht Kalsmunt
Auch Calsmunt, Calsmund und Marburg-Kalsmunt.
1226 wird erstmals ein Winterus von Kalsmunt erwähnt. Der Ort Obbornhofen wird am 10. Juli 1238 zur Hälfte als münzenbergisches Lehen an den Ritter Winter von Kalsmunt durch Ulrich I. von Münzenberg vergeben.[10] Conrad von Calsmunt wurde als Sohn des Winters von Calsmunt, Burggraf zu Friedberg und der Mathildis von Krüfftel auf Burg Calsmunt geboren. Er gehörte von 1250 bis 1300 zur Ritterschaft des silbernen Kreuzes.
Marburg-Kalsmunt: Ihr Sitz war die Reichsburg in/bei Wetzlar, dem Domberg gegenüber, heute Ruine. Schon um 1200 hatte ein v. Marburg-Kalsmunt eine Merenberg zur Frau. Zeitweise waren die v. K. Fulder Lehnsleute. 1318 hatten sie einen Burgsitz in Marburg. 1280 in Ginseldorf Güter und die Fischerei und 1325 den Zehnten.
Wappen: Dasselbe wie die Herren von Bicken, mit denen sie eines Stammes waren.
Literatur
- Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste ... Von Johann Heinrich Zedler, Johann Peter von Ludewig und Carl Günther Ludovici. S. 1451–1478.
- Karl Metz: Der Kalsmunt, Früh- und spätrömische Forschung über die Aliso - Halisin - Solisin und den Ursprung der Stadt Wetzlar. Druck und Verlag: Schnitzlersche Buchdruckerei und Buchhandlung, 1940 Wetzlar.
- Herbert Flender: Die Reichsburg Kalsmunt, in: Leitz objektiv. Werkzeitung für die Mitarbeiter der Ernst-Leitz Wetzlar GmbH, Jahrgang 1980, Heft 3/4, wiederabgedruckt in: Flender, Herbert, Vom historischen Erbe der Stadt Wetzlar, Wetzlar, 2¸1993, S. 137–146. (= Schriften zur Stadtgeschichte, Sonderheft).
- Friederun Friedrichs: Burgen und Städte als politisch-wirtschaftliche Kristallisationspunkte der staufischen Wetterau, in: Wetterauer Geschichtsblätter 16, 1967, S. 19–49.
- Wolfgang Hess: Städtegründungen und Anfänge der Münzprägung in der staufischen Wetterau, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 117, 1981, S. 97–111 (= Der Reichstag von Gelnhausen. Ein Markstein in der deutschen Geschichte 1180–1980, hg. von Hans Patze, Marburg/Köln 1981, S. 97–111).
- August Schoenwerk: Die Reichsburg Kalsmunt bei Wetzlar und ihre Burgmannen (Hrsg. von Heinz F. Friederichs), Frankfurt am Main 1962 (= Forschungen z. hessischen Familien- u. Heimatkunde, 35).
- Christian Spielmann: Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg. Stadt Weilburg 1896 (Neuauflage 2005)
- Alexander Thon, Stefan Ulrich, Jens Friedhoff: „Mit starken eisernen Ketten und Riegeln beschlossen ...“. Burgen an der Lahn. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2000-0, S. 78–81.
- Felix Teichner (Hrsg.): Castrum Imperiale Calsmund. Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen zum Kalsmunt über Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis) (= Schriften aus dem Vorgeschichtlichen Seminar Marburg, 67), Marburg 2025, ISBN 978-3-818505776, 509 Seiten.
Weblinks
- Suche nach Burg Kalsmunt. In: Deutsche Digitale Bibliothek
- Suche nach Kalsmunt Wetzlar im Online-Katalog der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz [11]
- Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Der Kalsmunt. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen.
- Kalsmunt auf burgenwelt.de
- Förderverein Kalsmunt e. V.
- Archäologisches Projekt der Marburger Universität
- Hessenschau-Beitrag vom 08.08.18
- Interdisziplinäre Forschung
Einzelnachweise
- ↑ https://foerderverein-kalsmunt.de/der-kalsmunt/geschichte-der-burg/. Abgerufen am 18. April 2024.
- ↑ Karl Metz: Der Kalsmunt, Früh- und spätrömische Forschung über Aliso - Halisin _ Solisin und den Ursprung der Stadt Wetzlar; Stadt Wetzlar, 1940
- ↑ [1].(Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste ... Von Johann Heinrich Zedler, Johann Peter von Ludewig und Carl Günther Ludovici. S. 1451–1478, hier S. 1477)
- ↑ Alexander Thon, Stefan Ulrich, Jens Friedhoff: Mit starken eisernen Ketten und Riegeln beschlossen... Burgen an der Lahn. 1. Auflage. Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2000-0, S. 78.
- ↑ Spielmann: Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg; Stadt Weilburg, 1896 (Neuauflage 2005) S. 35–55
- ↑ Spielmann: Geschichte der Stadt und Herrschaft Weilburg; Stadt Weilburg, 1896 (Neuauflage 2005) S. 86
- ↑ Tobias Heuwinkel: Spuren des Zweiten Weltkriegs auf einer staufischen Burganlage? Die Burgruine Kalsmunt (Wetzlar) im Fokus der zeitgeschichtlichen Archäologie (»historical archaeology«). In: Felix Teichner (Hrsg.): Castrum Imperiale Calsmund. Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen zum Kalsmunt über Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis) (= Schriften aus dem Vorgeschichtlichen Seminar Marburg, Bd. 67), Marburg 2025, ISBN 978-3-818505776, S. 423–437.
- ↑ Tobias Heuwinkel: Spuren des Zweiten Weltkriegs auf einer staufischen Burganlage? Die Burgruine Kalsmunt (Wetzlar) im Fokus der zeitgeschichtlichen Archäologie (»historical archaeology«). In: Felix Teichner (Hrsg.): Castrum Imperiale Calsmund. Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen zum Kalsmunt über Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis) (= Schriften aus dem Vorgeschichtlichen Seminar Marburg, Bd. 67), Marburg 2025, ISBN 978-3-818505776, S. 423–437.
- ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2024. Suche im Internet Archive ) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
- ↑ Hans Heinrich Kaminsky, Die ersten Belege für Münzenberg als Stadt aus den Jahren 1238 und 1244. in: Petra und Uwe Müller, Münzenberg. Heimat im Schatten der Burg. 1975, S. 75f-80, S. 75–78.
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Burg Kalsmunt, Wetzlar
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Burgruine Kalsmunt, Innere Toranlage, Wetzlar
Ansicht von Wetzlar, mit Burgruine des Kalsmunt rechts. Kupferstich von Wilhelm Dilich aus dem Jahr 1605.
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Burg Kalsmunt, Wetzlar



