Bundesministerium für Bildung und Forschung

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Staatliche EbeneBund
Stellungoberste Bundesbehörde
Gründung20. Oktober 1955 als Bundesministerium für Atomfragen[1]
HauptsitzBonn,
Nordrhein-WestfalenNordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
BehördenleitungAnja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung
Bediensteteca. 1.000
Haushaltsvolumen18,27 Mrd. EUR (2019)[2]
Netzauftrittbmbf.de
Anja Karliczek (CDU), Bundesministerin für Bildung und Forschung, im Jahr 2014

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (kurz: BMBF)[3] ist eine oberste Bundesbehörde der Bundesrepublik Deutschland. Der Hauptsitz bzw. erste Dienstsitz des Bundesministeriums befindet sich in den sogenannten Kreuzbauten in der Bundesstadt Bonn, der zweite Dienstsitz in Berlin.

Geschichte

Die Ursprünge des Bundesministeriums für Bildung und Forschung reichen bis zum 20. Oktober 1955 zurück, als unter dem damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer das Bundesministerium für Atomfragen gegründet wurde. Zu dessen erstem Minister wurde Franz Josef Strauß ernannt.

Das Bundesministerium für Atomfragen hatte zur Aufgabe, die friedliche Nutzung der Kernenergie voranzutreiben und war in dem zum Bürogebäude umgebauten, ehemaligen Hotel Godesberger Hof in Bad Godesberg ansässig.[4] 1957 wurde es in Bundesministerium für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft und 1961 in Bundesministerium für Atomkernenergie umbenannt. Mit der Umbenennung 1962 in Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung wurde es nun auch für die allgemeine Wissenschaftsförderung und für die Förderung der Raumfahrtforschung zuständig. Mit einer Grundgesetzänderung 1969 wurden die Kompetenzen des Bundes in der Bildungsplanung und der Forschungsförderung erweitert, das Ministerium erhielt daher den neuen Namen Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft (BMBW), den es bis 1994 behielt.

1972 wurde das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) gegründet, um die Grundlagenforschung, die angewandte Forschung und die technologische Entwicklung zu fördern. Mehr als zwei Jahrzehnte blieb es bei der Trennung der beiden Ministerien. Nach der Bundestagswahl 1994 wurden beide Ministerien zusammengelegt, das neue Ministerium erhielt die Bezeichnung Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF). Nach dem Regierungswechsel im Jahr 1998 musste das BMBF die Abteilung Technologiepolitik an das Wirtschaftsministerium abgeben und wurde daher in Bundesministerium für Bildung und Forschung umbenannt, die Bezeichnung, die es bis heute trägt.

Zwischen 1999 und 2014 war der Berliner Dienstsitz des Ministeriums im früheren Gebäude der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR untergebracht, bevor er im November 2014 sein Gebäude am Kapelle-Ufer eröffnete.[5] Dieser bietet ausreichend Platz zur Konzentration des gesamten Ministeriums auf diesen Standort.[6]

Aufbau

Hauptsitz des BMBF in den sogenannten Kreuzbauten in Bonn
Bonn Hochkreuz, Kreuzbauten aus südöstlicher Richtung
(c) Ansgar Koreng / CC BY 3.0 (DE)
Berliner Dienstsitz des BMBF am Kapelle-Ufer

Das BMBF besteht aus acht Abteilungen (Stand: Februar 2018).[7] Das sind neben der Zentralabteilung, die für Verwaltungsaufgaben zuständig ist:

  • Abteilung 1: Grundsatzfragen; Strategie; Digitaler Wandel
  • Abteilung 2: Europäische und internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung
  • Abteilung 3: Berufliche Bildung; Lebenslanges Lernen
  • Abteilung 4: Wissenschaftssystem
  • Abteilung 5: Schlüsseltechnologien – Forschung für Innovationen
  • Abteilung 6: Lebenswissenschaften – Forschung für Gesundheit
  • Abteilung 7: Zukunftsvorsorge – Forschung für Grundlagen und Nachhaltigkeit.

Jede Abteilung besteht aus ein oder zwei Unterabteilungen und zwischen 10 und 15 Referaten. Der größere Teil der Unterabteilungen befindet sich am Dienstsitz Bonn, der kleinere Teil am Dienstsitz Berlin. Insgesamt beschäftigt das BMBF etwa 1.000 Personen. Daneben gehören zwei parlamentarische und zwei beamtete Staatssekretäre zum Leitungsstab.

Aufgaben

Die Aufgaben des BMBF sind vielfältig. Zum einen ist das BMBF maßgeblich für die Gesetzgebung in verschiedenen Bereichen verantwortlich. Dazu gehört primär der Bereich der außerschulischen beruflichen Bildung und Weiterbildung und der Ausbildungsförderung. Zum anderen fördert das BMBF durch finanzielle Mittel Forschung in allen Bereichen der Wissenschaft. Daneben werden der wissenschaftliche Nachwuchs sowie der internationale Austausch in der Ausbildung, Weiterbildung oder dem Studium gefördert. Nicht zuletzt finanziert das BMBF das BAföG seit 2015 alleine (ohne die Länder).[8] Das Budget des BMBF (Einzelplan 30) beträgt im Jahr 2014 etwa 14 Milliarden Euro.[9] Der Etat ist der viertgrößte aller Bundesministerien. Er ist etwa doppelt so groß wie der des Entwicklungsministeriums und umfasst etwa zwei Fünftel des Etats für Verteidigung.[10] Davon sind 10 % für das BAföG vorgesehen, der Verwaltungsanteil beträgt etwa 2 %.

Wissenschaftsjahr

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung richtet seit dem Jahr 2000 die Wissenschaftsjahre aus. In jedem Wissenschaftsjahr steht eine Wissenschaftsdisziplin oder ein aktuelles Wissenschaftsthema im Mittelpunkt. Die Wissenschaftsjahre dienen dazu, gesellschaftliche Debatten über Entwicklungen in Wissenschaft und Forschung anzustoßen. Das Wissenschaftsjahr 2016*2017 unter dem Motto „Meere und Ozeane: Entdecken, Nutzen, Schützen“ wird vom Referat „System Erde“ mitgestaltet, welches im BMBF für die Küsten-, Meeres- und Polarforschung zuständig ist.[11] Themenschwerpunkte sind unter anderem Rohstoffe aus dem Meer, Mikroplastik, Ozeanversauerung und die Auswirkungen des Klimawandels auf die Ozeane.

Bildungsinitiativen

Förderung von Forschungsprojekten

Das BMBF stellt zunächst die Grundfinanzierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft, sowie einen Teil der Grundfinanzierung der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft sicher. Daneben fördert es im Rahmen von Förderprogrammen Forschungsprojekte, auf die sich Antragsteller bewerben müssen. Beispiele für solche Förderprogramme sind:

  • das Forschungsrahmenprogramm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA)“[12]
  • die „IKT2020“ mit dem Zukunftsprojekt Industrie 4.0[13] innerhalb der „Hightech-Strategie“ der Bundesregierung
  • der Spitzencluster-Wettbewerb
  • der Schwerpunkt IT-Sicherheitsforschung[14]
  • die „Forschung für die Produktion von morgen“[15]
  • der Schwerpunkt „Religion, kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft“[16]
  • die „Kopernikus-Projekte für die Energiewende“[17]

Mit der fachlichen und administrativen Betreuung der Forschungsprojekte betraut das BMBF sogenannte Projektträger, so zum Beispiel den DLR Projektträger, den Projektträger Jülich oder den Projektträger VDI/VDE Innovation + Technik. Begleitend zu solchen Förderprogrammen werden Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit finanziert. Ein Beispiel hierfür ist der nanoTruck, der die breite Öffentlichkeit über die Nanotechnologie informieren soll. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Gesundheit verantwortet das BMBF unter anderem das Gesundheitsforschungsprogramm der Bundesregierung Deutschlands.

Deutsche Zentren der Gesundheitsforschung

Seit 2007 hat das BMBF eine Reihe von „Zentren der Gesundheitsforschung“ ins Leben gerufen, die durch Kollaborationen zwischen zahlreichen Forschungseinrichtungen Fortschritte bei wichtigen Volkskrankheiten erreichen sollen.[18] Diese sind:

Bundesminister seit 1955

Paul Krüger (CDU)Matthias WissmannHeinz RiesenhuberAndreas von BülowVolker HauffHans MatthöferHorst EhmkeAnja KarliczekJohanna WankaAnnette SchavanAnnette SchavanEdelgard BulmahnJürgen RüttgersKarl-Hans LaermannRainer OrtlebJürgen W. MöllemannDorothee WilmsBjörn EngholmJürgen SchmudeHelmut RohdeKlaus von DohnanyiHans LeussinkGerhard StoltenbergHans LenzSiegfried BalkeFranz Josef Strauß
Nr.NameLebensdatenParteiBeginn der AmtszeitEnde der AmtszeitKabinett(e)
Bundesminister für Atomfragen
01Franz Josef Strauß1915–1988CSU21. Oktober 195516. Oktober 1956Adenauer II
02Siegfried Balke1902–1984CSU16. Oktober 195629. Oktober 1957Adenauer II
Bundesminister für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft
02Siegfried Balke1902–1984CSU29. Oktober 195714. November 1961Adenauer III
Bundesminister für Atomkernenergie
02Siegfried Balke1902–1984CSU14. November 196113. Dezember 1962Adenauer IV
Bundesminister für wissenschaftliche Forschung
03Hans Lenz1907–1968FDP14. Dezember 196226. Oktober 1965Adenauer V
Erhard I
04Gerhard Stoltenberg1928–2001CDU26. Oktober 196521. Oktober 1969Erhard II
Kiesinger
Bundesminister für Bildung und Wissenschaft
05Hans Leussink1912–2008parteilos22. Oktober 196915. März 1972Brandt I
06Klaus von Dohnanyi* 1928SPD15. März 197216. Mai 1974Brandt I
Brandt II
07Helmut Rohde1925–2016SPD16. Mai 197416. Februar 1978Schmidt I
Schmidt II
08Jürgen Schmude* 1936SPD16. Februar 197828. Januar 1981Schmidt II
Schmidt III
09Björn Engholm* 1939SPD28. Januar 19811. Oktober 1982Schmidt III
10Dorothee Wilms* 1929CDU4. Oktober 198212. März 1987Kohl I
Kohl II
11Jürgen Möllemann1945–2003FDP12. März 198718. Januar 1991Kohl III
12Rainer Ortleb* 1944FDP18. Januar 19913. Februar 1994Kohl IV
13Karl-Hans Laermann* 1929FDP4. Februar 199417. November 1994Kohl IV
Bundesminister für Forschung und Technologie
01Horst Ehmke1927–2017SPD15. Dezember 197216. Mai 1974Brandt II
02Hans Matthöfer1925–2009SPD16. Mai 197416. Februar 1978Schmidt I
Schmidt II
03Volker Hauff* 1940SPD16. Februar 19784. November 1980Schmidt II
04Andreas von Bülow* 1937SPD6. November 19801. Oktober 1982Schmidt III
05Heinz Riesenhuber* 1935CDU4. Oktober 198221. Januar 1993Kohl II
Kohl II
Kohl III
Kohl IV
06Matthias Wissmann* 1949CDU21. Januar 199313. Mai 1993Kohl IV
07Paul Krüger* 1950CDU13. Mai 199317. November 1994Kohl IV
Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie
14/8Jürgen Rüttgers* 1951CDU17. November 199426. Oktober 1998Kohl V
Bundesminister für Bildung und Forschung
15/9Edelgard Bulmahn* 1951SPD26. Oktober 199822. November 2005Schröder I
Schröder II
16/10Annette Schavan* 1955CDU22. November 200514. Februar 2013Merkel I
Merkel II
17/11Johanna Wanka* 1951CDU14. Februar 201314. März 2018Merkel II
Merkel III
18/12Anja Karliczek* 1971CDU14. März 2018im AmtMerkel IV

Parlamentarische Staatssekretäre

Beamtete Staatssekretäre

Literatur

  • Peter Weingart, Niels C. Taubert (Hrsg.): Das Wissensministerium. Ein halbes Jahrhundert Forschungs- und Bildungspolitik in Deutschland, Velbrück, Weilerswist (2006) ISBN 978-3-938808-18-4.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Bundesministerium für Bildung und Forschung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. https://www.bmbf.de/de/die-dienstsitze-in-bonn-und-berlin-185.html
  2. Bundeshaushalt.de: www.Bundeshaushalt.de. Abgerufen am 30. August 2019.
  3. Abkürzungsverzeichnis. (PDF; 49 kB) Abkürzungen für die Verfassungsorgane, die obersten Bundesbehörden und die obersten Gerichtshöfe des Bundes. In: bund.de. Bundesverwaltungsamt (BVA), abgerufen am 14. August 2016.
  4. Helmut Vogt: Wächter der Bonner Republik: Die Alliierten Hohen Kommissare 1949–1955, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-70139-8, S. 224.
  5. Pressemitteilung: BMBF-Neubau in Berlin offiziell eingeweiht BMBF, vom 26. November 2014
  6. In Berlin gibt es viel Platz Berliner Zeitung, 22. April 2014
  7. Organisationsplan des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (pdf; 664 kB) BMBF. S. 1. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  8. Pressemitteilung: BAföG-Reform schafft finanzielle Spielräume für die Länder BMBF, vom 20. August 2014
  9. BMBF: Budget. BMBF. Abgerufen am 26. November 2014.
  10. EInzelpläne des Bundeshaushaltsplans 2014. www.bundeshaushalt-info.de. Abgerufen am 26. November 2014.
  11. Pressemitteilung zum Wissenschaftsjahr der Meere und Ozeane
  12. Webseite des FONA-Rahmenprogramms des BMBF
  13. Zukunftsprojekt Industrie 4.0 auf der Website des BMBF
  14. Cybersicherheitsforschung für die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf der Website des BMBF
  15. Webseite des Rahmenkonzept Forschung für die Produktion von morgen des BMBF
  16. Schwerpunkt „Religion, kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft“ auf der Website des BMBF
  17. Kopernikus Projekte: Startseite. Abgerufen am 22. Dezember 2018.
  18. Umfangreiche Broschüre über die Zentren für Gesundheitsforschung, 2011 (Memento vom 16. Februar 2012 im Internet Archive) (PDF; 3,2 MB)
  19. https://www.bmbf.de/de/dr-georg-schuette-182.html

Koordinaten: 50° 42′ 12,3″ N, 7° 8′ 21″ O

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Berlin Bundesministerium für Bildung und Forschung.jpg
(c) Ansgar Koreng / CC BY 3.0 (DE)
Der Berliner Dienststitz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Kapelle-Ufer 1, Berlin. Das Gebäude wurde von Heinle, Wischer und Partner entworfen.
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Kreuzbauten in Bonn, Ortsteil Hochkreuz: Luftaufnahme aus südöstlicher Richtung
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Anja Karliczek (geborene Kerssen; * 29. April 1971 in Ibbenbüren) ist eine deutsche Kauffrau und Politikerin (CDU). Bei der Bundestagswahl 2013 errang sie im Wahlkreis Steinfurt III das Direktmandat.
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Bundesministerium für Bildung und Forschung in Bonn (Kreuzbauten): im Vordergrund das Streitkräfteamt (Heinemmanstraße 10), im Hintergrund der Turmbau des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Heinemannstraße 2)