Bulle Ogier

Bulle Ogier (2008)

Bulle Ogier (eigentlich Marie-France Thielland; * 9. August 1939 in Boulogne-Billancourt) ist eine französische Theater- und Filmschauspielerin.

Leben

Schauspielerin

Nachdem sie zuvor einige Monate für das Modehaus von Coco Chanel gearbeitet hatte, wurde Bulle Ogier Anfang der 1960er Jahre von einem Freund zu Proben der Schauspielgruppe um den Regisseur Marc’O am damaligen Standort des Pariser American Center am Boulevard Raspail eingeladen. Bald wurde sie Ensemblemitglied und begegnete dort jungen Schauspielkollegen, mit denen sie auch später wiederholt zusammenarbeiten sollte: Jean-Pierre Kalfon, Pierre Clémenti, Michèle Moretti und Élisabeth Wiener.[1] In den Jahren 1963 bis 1967 wirkte sie in mehreren Stücken dieser Gruppe mit, deren Aufführungen in kleinen Pariser Theatern oder dem Café-Théâtre in der Grande Séverine[2] von Maurice Girodias stattfanden.

Geboren als Marie-France Thielland, nahm sie den Namen Bulle Ogier unmittelbar nach ihren ersten Auftritten an. „Bulle“ (deutsch: die Schaum- oder die Seifenblase) wurde sie schon seit ihrer Kindheit gerufen. Als ihr Vater, der sich kurz nach ihrer Geburt von der Familie getrennt hatte, sich empörte, als er auf dem Plakat zu einer Aufführung den Namen Bulle Thielland las, nahm sie den Familiennamen ihrer Mutter an und wurde zu Bulle Ogier.[3]

Eines der Stücke, die Marc’O selbst geschrieben hatte, wurde 1967 auch unter seiner Regie verfilmt: Les Idoles (Unsere Idole).[4] Für Bulle Ogier war es eine ihrer ersten Filmrollen, deren Zahl inzwischen auf annähernd 100 angewachsen ist. Bisher zuletzt (Stand: November 2025) war sie in Claire Denis’ Film aus dem Jahr 2022 Avec amour et acharnement (Mit Liebe und Entschlossenheit) zu sehen.

Zu einem ersten kommerziellen Erfolg wurde der Film La Salamandre (Der Salamander) von Alain Tanner aus dem Jahr 1971. Der Film, in dem Bulle Ogier die Hauptrolle spielt, wurde zur Eröffnung eines Kinos im Pariser Quartier Latin gezeigt, lief dort exklusiv ein Jahr lang und erreichte annähernd 200.000 Zuschauer.[5]

Zu weiteren bekannten Filmen, in denen Bulle Ogier mitwirkte, gehören Der diskrete Charme der Bourgeoisie von Luis Buñuel (1972), Schöne Venus von Tonie Marshall (1999) sowie Maîtresse von Barbet Schroeder (1976), in dem sie an der Seite von Gérard Depardieu eine Domina verkörperte. Am häufigsten, insgesamt sieben Mal, spielte sie in Filmen des Regisseurs Jacques Rivette.

Während Bulle Ogier – auch durch ihre Mitwirkung in Filmen von Rainer Werner Fassbinder, Werner Schroeter und Daniel Schmid – im deutschsprachigen Raum vor allem als Filmschauspielerin bekannt ist, besitzt sie in Frankreich ein ebenso hohes Renommee als Theaterschauspielerin.[6] Durch Rollen in mehreren Inszenierungen von Stücken Botho Strauß’ hatte sie ihren Anteil daran, dessen Werk in Frankreich bekannt zu machen:

Privatleben

1971 gehörte Bulle Ogier zu den Unterzeichnerinnen des Manifests der 343, das zur Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen in Frankreich aufrief.[12]

Die 1984 verstorbene Schauspielerin Pascale Ogier war ihre Tochter. Den Vater hatte sie während der Schwangerschaft geheiratet; die Ehe wurde jedoch bereits ein Jahr später geschieden.[13]

Inzwischen ist sie seit vielen Jahren verheiratet mit dem Filmregisseur Barbet Schroeder.

Filmografie (Auswahl)

  • 1968: Pierre und Paul (Pierre et Paul)
  • 1969: Amour Fou (L’amour fou)
  • 1969: Bäumchen, Bäumchen, wechsle dich (Quarante-huit heures d’amour)
  • 1971/90: Out 1: Noli me tangere
  • 1971: Rendezvous in Bray (Rendez-vous à Bray)
  • 1971: Paulina haut ab (Paulina s’en va)
  • 1971: Der Salamander (La salamandre)
  • 1972: Der diskrete Charme der Bourgeoisie (Le charme discret de la bourgeoisie)
  • 1972: La Vallée
  • 1972: Out 1: Spectre
  • 1973: Flucht im Kreis (Le gang des otages)
  • 1973: Privat-Vorstellung (Projection privée)
  • 1974: La Paloma
  • 1974: Céline und Julie fahren Boot (Céline et Julie vont en bateau)
  • 1974: Eine Ehe (Mariage)
  • 1975: Nie mehr immer (Jamais plus toujours)
  • 1975/76: Goldflocken (Flocons d’or)
  • 1976: Ganze Tage in den Bäumen (Des journées entières dans les arbres)
  • 1976: Maîtresse
  • 1976: Unsterbliches Duell (Duelle)
  • 1979: Die dritte Generation
  • 1981: Seuls
  • 1981: Notre Dame de la Croisette
  • 1982: An der Nordbrücke (Le Pont du Nord)
  • 1984: Die Spieler (Tricheurs)
  • 1985: Das weiße Geheimnis (L’énigme blanche)
  • 1986: Das weite Land (La terre étrangère)
  • 1986: Mein Fall (Mon cas)
  • 1988: Candy Mountain
  • 1988: Inspektor Lavardin: Der Teufel in der Stadt (Les dossiers de L’Inspecteur Lavardin: Le diable en ville)
  • 1989: Erlesene Kreise (Les grandes familles)
  • 1989: Die Viererbande (La Bande des quatre)
  • 1990: La grande dune
  • 1993: Überdreht und durchgeknallt; auch: Niemand liebt mich (Personne ne m’aime)
  • 1993: Wenn Männer fallen (Regarde les hommes tomber)
  • 1995: Vergiß nicht, daß du sterben mußt (N’oublie pas que tu vas mourir)
  • 1996: Irma Vep
  • 1999: Schöne Venus (Venus beauté (institut))
  • 1999: Die Farbe der Lüge (Au cœur du mensonge)
  • 2002: All die schönen Versprechungen (Toutes ces belles promesses)
  • 2002: Bord de mer
  • 2006: Belle toujours
  • 2007: Die Herzogin von Langeais (Ne touchez pas la hache)
  • 2007: Faut que ça danse!
  • 2008: Passe-passe
  • 2008: Un autre homme
  • 2008: Diese Nacht (Nuit de chien)
  • 2010: La grande villa
  • 2010: Chantrapas
  • 2010: Les petits ruisseaux
  • 2010: Vital désir (TV)
  • 2012: Rêve d’automne (TV)
  • 2012: Un peu plus (Kurzfilm)
  • 2013: Gestrandet (Les Déferlantes, TV)
  • 2015: Imagine
  • 2015: Boomerang
  • 2016: Encore heureux
  • 2016: Falsche Vertraulichkeiten (Les fausses confidences, TV)
  • 2022: Mit Liebe und Entschlossenheit (Avec amour et acharnement)

Auszeichnungen

  • 1972: Étoile de Cristal für Der Salamander (Beste Darstellerin)
  • 1972: 3. Platz bei der Vergabe des National Society of Film Critics Award für Der Salamander und L’amour fou
  • 1992: Nominierung für den Europäischen Filmpreis für Nord (Beste Nebendarstellerin)
  • 1994: Spezialpreis des Internationalen Filmfestivals von Locarno für Überdreht und durchgeknallt
  • 2000: César-Nominierung für Schöne Venus (Beste Nebendarstellerin)
  • 2006: Grand Prix Special des Amériques des World Film Festival von Montreal
  • 2008: César-Nominierung für Faut que ça danse! (Beste Nebendarstellerin)
  • 2015: Lifetime Achievement Award des Internationalen Filmfestivals von Locarno

Ehrungen

Literatur

  • Bulle Ogier mit Anne Diatkine: J’ai oublié. Seuil, Paris 2019, ISBN 978-2-02-141722-7 (Memoiren; französisch; ausgezeichnet mit dem Prix Médicis essai).
Commons: Bulle Ogier – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bulle Ogier mit Anne Diatkine: J’ai oublié (s. Literatur), S. 16–18 und 21–23.
  2. Die von Marc’O inszenierten Stücke im Café-théâtre de la Grande Séverine bei Les Archives du Spectacle (französisch; abgerufen am 15. November 2025).
  3. Bulle Ogier mit Anne Diatkine: J’ai oublié (s. Literatur), S. 34.
  4. Unsere Idole. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 15. November 2025.
  5. Anne Diatkine: «La Salamandre», bien dans sa Bulle. In: Libération. 7. Mai 2019, abgerufen am 15. November 2025 (französisch).
  6. Die von „Les Archives du Spectacle“ aufgestellte (allerdings unvollständige) Liste (französisch; abgerufen am 15. November 2025) verzeichnet 29 ihrer Bühnenrollen.
  7. »Groß und klein« in Paris. In: Der Spiegel. 21. November 1982, abgerufen am 15. November 2025 (französisch).
  8. Aufführungsdaten bei: „Les Archives du Spectacle“ (französisch; abgerufen am 15. November 2025).
  9. Aufführungsdaten bei: „Les Archives du Spectacle“ (französisch; abgerufen am 15. November 2025).
  10. Aufführungsdaten bei: „Les Archives du Spectacle“ (französisch; abgerufen am 15. November 2025).
  11. Aufführungsdaten bei: „Les Archives du Spectacle“ (französisch; abgerufen am 15. November 2025).
  12. Mouna El Mokhtari: « Manifeste des 343, dans les coulisses d’un scandale », sur Histoire TV : interruption volontaire d’un tabou. In: Le Monde. 6. März 2024, abgerufen am 15. November 2025 (französisch, enthält Abbildung des „Appel des 343 femmes“ aus dem Nouvel Observateur vom 5. April 1971).
  13. Bulle Ogier mit Anne Diatkine: J’ai oublié (s. Literatur), S. 15 und 24–25.
  14. Légion d'honneur : promotion du Nouvel an (6e partie). In: Le Figaro. 1. Januar 2009, abgerufen am 15. November 2025 (französisch).
  15. Décret du 24 novembre 2021 portant promotion et nomination dans l'ordre national du Mérite. Légifrance, 25. November 2021, abgerufen am 15. November 2025 (französisch).
  16. Schweizer Filmpreis 2025: Ehrenpreis für das Ehepaar Bulle Ogier und Barbet Schroeder. In: admin.ch. 25. Februar 2025, abgerufen am 26. Februar 2025.

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Autor/Urheber: Thierry Caro, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Bulle Ogier à l'avant-première de Passe-passe diffusée à l'UGC Ciné Cité Les Halles, à Paris.
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Audioaufzeichnung der Aussprache eines Begriffs.