Breuilh

Breuilh
Breuilh (Frankreich)
StaatFrankreich
RegionNouvelle-Aquitaine
DépartementDordogne
ArrondissementPérigueux
GemeindeSanilhac
Koordinaten45° 3′ N, 0° 45′ O
Postleitzahl24380
Ehemaliger INSEE-Code24065
Eingemeindung1. Januar 2017
StatusCommune déléguée

Blick auf Breuilh

Breuilh (Aussprache [bʁœj], okzitanisch Bruelh) ist ein Ort und ehemalige französische Gemeinde mit 274 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2022) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehörte zum Arrondissement Périgueux. Die Einwohner werden Breuilhois und Breuilhoises genannt.

Der Erlass der Präfektin vom 26. September 2016 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2017 die Eingliederung von Breuilh als Commune déléguée zusammen mit den früheren Gemeinden Marsaneix und Notre-Dame-de-Sanilhac zur Commune nouvelle Sanilhac fest.[1]

Geografie

Karte von Breuilh

Breuilh liegt etwa 14 Kilometer südsüdöstlich von Périgueux, etwa 41 Kilometer nordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 31 Kilometer nordöstlich von Bergerac in der Région naturelle des Périgord central im touristisch benannten Landesteil des Périgord blanc. Der Ort befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne, wird aber nur von einigen trockenfallenden oder endorheischen Wasserläufen entwässert.

Das Relief des Gebiets von Breuilh zeigt eine hügelige, bewaldete Landschaft, die von Trockentälern markant eingeschnitten wird. Der topografisch höchste Punkt des Ortes liegt mit 246 m Höhe im äußersten Nordwesten, der tiefste mit 144 m Höhe in einem Trockental im äußersten Süden des Ortsgebiets. Das Ortszentrum liegt auf einer Höhe von etwa 216 m.

Umgeben wird Breuilh von drei Nachbargemeinden und einer Commune déléguée von Sanilhac:

Église-Neuve-de-VergtMarsaneix (Sanilhac)
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigt
VergtSalon

Etymologie und Geschichte

Das kleine Dorf hat keine Spuren aus dem Mittelalter behalten trotz seiner Erwähnung ab dem 13. Jahrhundert in der Schreibweise Brulh und ebenfalls in der latinisierten Form Brolium (1276). Breuilh steht für das okzitanische bruèlh (oder bruòlh), das im Altfranzösischen breuil entspricht. Alle Wörter bezeichnen einen kleinen Wald, einen Strauß von Bäumen und stammen aus dem ursprünglich gallischen Wort °brogilu ab, das vor allem bei sumpfigen Wäldern angewandt wurde.[2] Auf der Karte von Cassini ist das Dorf als Breuill eingetragen, die Gemeinde wurde 1793 unter dem Namen Breuil geführt, ab 1801 unter dem aktuellen Namen.[3]

Das Dorf Breuilh geht auf die gallorömische Zeit zurück. Nach den Einfällen der Wisigoten im römischen Gallien im 5. Jahrhundert wurde Aquitanien 418 zur westgotischen Provinz erklärt. 507 wurde es dem Frankenreich angegliedert, nachdem Chlodwig I. die Schlacht von Vouillé gegen Alarich II. gewonnen hatte. Die Dordogne-Region erklärte jedoch ihre Unabhängigkeit, und zu Beginn des 8. Jahrhunderts wurden blutige Raubzüge unternommen, um die Bewohner des Gebiets zu unterwerfen.

Später brachte Eleonore von Aquitanien die Provinz im 12. Jahrhundert als Mitgift an Heinrich II., König von England, ein. Während des Hundertjährigen Krieges (1337–1453) kämpften die beiden Königreiche um das Gebiet. 1453 wurde Aquitanien schließlich von Frankreich angegliedert.

Die Dordogne-Region begrüßte im 16. Jahrhundert die lutherische Reformation, doch die Hugenottenkriege zwischen Katholiken und Protestanten verwüsteten die Region bis 1598. Im 17. Jahrhundert spaltete der von Pierre Grellety angeführte Rebellion der Croquants das Land bis 1642.

Breuilh entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einem Zentrum der höheren Justiz. Die folgenden Jahrhunderte verliefen relativ friedlich für die Region. Während des Zweiten Weltkriegs entdeckte die Dordogne jedoch ihre Tradition des Widerstands wieder. Damals beherbergte sie mehrere Lager der französischen Résistance, insbesondere in Breuilh.[4]

Der Bürgermeister der Gemeinde, Marcel Jeammet, beteiligte sich zusammen mit Abbé Sigala, André Boissière und André Saigne an der Gründung der Widerstandsgruppe „Combat“. In dieser Zeit diente das Schloss Mondignéras vielen durchreisenden Widerstandskämpfern als Zuflucht, darunter auch dem Ehepaar Roux, das sich dort zeitweise versteckte. Damals beherbergte das Anwesen auch einen Teil des Archivs der Präfektur Périgueux. André Boissière wurde am 13. Mai 1944 verhaftet und zunächst nach Périgueux in die Kaserne des 35. Infanterieregiments gebracht, dann nach Limoges und schließlich nach Romainville verlegt. Er gehörte zu den 50 Geiseln, die am 2. Oktober 1943 vom Fort Romainville nach Mont-Valérien gebracht und dort hingerichtet wurden. André Saigne starb am 22. März 1944 im Konzentrationslager Buchenwald.[5]

Bevölkerungsentwicklung

Breuilh: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
  
323
1800
  
323
1806
  
332
1821
  
334
1831
  
399
1836
  
356
1841
  
430
1846
  
411
1851
  
420
1856
  
426
1861
  
369
1866
  
375
1872
  
370
1876
  
345
1881
  
353
1886
  
325
1891
  
311
1896
  
298
1901
  
251
1906
  
290
1911
  
282
1921
  
235
1926
  
216
1931
  
172
1936
  
178
1946
  
175
1954
  
152
1962
  
131
1968
  
125
1975
  
123
1982
  
123
1990
  
161
1999
  
199
2006
  
213
2013
  
263
2020
  
273
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[3] INSEE ab 2006[6][7][8]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Sehenswürdigkeiten

  • Die romanische Kirche Saint-André wurde im 17. Jahrhundert erbaut und integrierte die Kapelle des ehemaligen Schlosses Mondignéras. Diese Kapelle diente fortan als Pfarrkirche, doch ihr schlechter Zustand führte zu ihrer Aufgabe. 1672 schlug François Philibert Duchesne, Seigneur von Breuilh, den Wiederaufbau der Kapelle unter der Bedingung vor, dass ihm das Domkapitel von Périgueux die volle Gerichtsbarkeit übertrug, an der er damals nur einen Teil ausübte. Kanoniker Dufaux, Syndikus von Saint-Front, wurde am 12. Juli 1672 beauftragt, einen offiziellen Bericht über den Zustand der Kirche zu verfassen und stellte deren alarmierenden Verfall fest, dass ein Wiederaufbau von Grund auf unumgänglich war. Kurz darauf, am 18. August 1675, wurde die neue Kirche von Pierre Fayolles, Kanoniker von Périgueux, geweiht. Zwölf Tage später ratifizierte der Bischof von Périgueux, Guillaume VI. Le Roux, die zwischen dem Domkapitel und dem Seigneur von Breuilh getroffene Vereinbarung.[9]
  • Das auf einem Hügel thronende Schloss Mondignéras aus dem 17. Jahrhundert war bis ins 19. Jahrhundert als Schloss Breuilh bekannt. Es wurde für die Familie Duchesne erbaut, die die Lehen Montréal und Montaud besaß und deren Vermögen vermutlich auf den Handel im 15. Jahrhundert zurückging.[5]

Gemeindepartnerschaft

Mit der kanadischen Gemeinde Saint-Jacques in Québec besteht seit 1996 eine Partnerschaft.

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: Breuilh – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Recueil des actes administratifs N°24-2016-026. (PDF) Département Dordogne, 30. September 2016, S. 130–133, abgerufen am 5. November 2025 (französisch).
  2. Tanet, Hordé, Seite 72
  3. a b Notice Communale Breuilh. EHESS, abgerufen am 6. November 2025 (französisch).
  4. Breuilh (französisch) (Memento vom 9. September 2016 im Internet Archive)
  5. a b Château de Mondignéras à Breuilh. chateau-fort-manoir-chateau.eu, abgerufen am 6. November 2025 (französisch).
  6. Populations légales 2006 Commune de Breuilh (24065). INSEE, abgerufen am 6. November 2025 (französisch).
  7. Populations légales 2013 Commune de Breuilh (24065). INSEE, abgerufen am 6. November 2025 (französisch).
  8. Populations légales 2013. INSEE, abgerufen am 6. November 2025 (französisch).
  9. Église Saint-André. Observatoire du Patrimoine Religieux (OPR), abgerufen am 6. November 2025 (französisch).

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Legend
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• Shape files infrastructure: railway, highways, water: all originally by OpenStreetMap contributors. Status december 2011
• Label and Insee code commune: from Geofla (note that commune boundaries are also available under free license at geofla, but not near acceptable quality due to extreme simplification!)
• Data for exact commune* and department boundaries: derived via osm download geofabrik.de and osm2pgsql, OpenStreetMap contributors.
• Data for landuse: OSM / Corine land cover, 2006 ([1])
• Mentioned sources combined and exported for each commune using a script by Michiel1972

*note: shown commune boundaries are from OSM dump May 2012; at that time about 90% complete

, Lizenz: CC BY 2.0
Map commune FR insee code 24065.png