Breitenfurt bei Wien

Marktgemeinde
Breitenfurt bei Wien
WappenÖsterreichkarte
Wappen von Breitenfurt bei Wien
Breitenfurt bei Wien (Österreich)
Basisdaten
Staat:Österreich
Bundesland:Niederösterreich
Politischer Bezirk:Mödling
Kfz-Kennzeichen:MD
Fläche:27,00 km²
Koordinaten:48° 8′ N, 16° 9′ O
Höhe:295 m ü. A.
Einwohner:6.010 (1. Jän. 2023)
Bevölkerungsdichte:223 Einw. pro km²
Postleitzahl:2384
Vorwahl:02239
Gemeindekennziffer:3 17 03
Adresse der
Gemeinde­verwaltung:
Hirschentanzstraße 3
2384 Breitenfurt bei Wien
Website:www.gemeinde-breitenfurt.at
Politik
Bürgermeister:Wolfgang Schredl (ÖVP)
Gemeinderat: (Wahljahr: 2020)
(29 Mitglieder)
Insgesamt 29 Sitze
Lage von Breitenfurt bei Wien im Bezirk Mödling
Lage der Gemeinde Breitenfurt bei Wien im Bezirk Mödling (anklickbare Karte)AchauBiedermannsdorfBreitenfurt bei WienBrunn am GebirgeGaadenGießhüblGumpoldskirchenGuntramsdorfHennersdorfHinterbrühlKaltenleutgebenLaab im WaldeLaxenburgMaria EnzersdorfMödlingMünchendorfPerchtoldsdorfVösendorfWiener NeudorfWienerwaldNiederösterreich
Lage der Gemeinde Breitenfurt bei Wien im Bezirk Mödling (anklickbare Karte)
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Amtshaus Marktgemeinde Breitenfurt
(c) Ailura, CC BY-SA 3.0 AT

Amtshaus Marktgemeinde Breitenfurt
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Breitenfurt bei Wien ist eine Marktgemeinde mit 6010 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2023) südwestlich Wiens im Bezirk Mödling in Niederösterreich.

Geographie

Blick auf Breitenfurt-Ost von der Josefswarte in Perchtoldsdorf
Breitenfurt (unten) und Umgebung um 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Breitenfurt liegt direkt an der Grenze der Großstadt Wien, im Wienerwald im Tal der Reichen Liesing und umfasst deren Quellengebiet. Geologisch befindet es sich am Südrand der Laaber Decke in der Flyschzone und grenzt an das Kalksteinmassiv Kaltenleutgebens an. Die Gemeinde ist flächenmäßig die zweitgrößte im Bezirk und hat große Höhenunterschiede und liegt zwischen 252 und 567 m ü. A.[1]

Besonders der Ortsteil Breitenfurt-Ost stellt in stadtgeographischer Hinsicht eine „Zwischenstadt“ dar, die weder als städtisch noch als ländlich anzusprechen ist. Sie liegt räumlich im Übergangsbereich vom urbanen Raum der Großstadt Wien zum ruralen Gebiet und befindet sich auch zeitlich in einem Transformationsprozess. Der Ortsteil ist gekennzeichnet durch städtische Merkmale wie hoher Bevölkerungsdichte und kompakte Verbauung, aber auch geprägt von großzügiger Durchgrünung, zahlreichen Freizeitflächen und starkem Bezug zum Landschaftsraum.[2]

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die beiden Katastralgemeinden Breitenfurt und Hochroterd.

Breitenfurt ist eine Streusiedlung, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus 12 isolierten Einzelsiedlungen bestand.[3] Lt. Ortsverzeichnis Niederösterreich existierten vor 2001 neben dem Hauptort Breitenfurt-Ost die Rotten Großhöniggraben, Hochroterd, Linker Graben und Rechter Graben, die Siedlungen Hirschentanz, Breitenfurt-West, Eigenheimsiedlung, Kleiner Semmering und Ostende sowie mehrere Einzelgehöfte. 2001 bestand die Gemeinde nur aus einer Ortschaft „Breitenfurt bei Wien“.[4]

Strukturell ist die Gemeinde viergeteilt mit Breitenfurt-Ostende direkt an Wien-Kalksburg grenzend, Breitenfurt-Ost und Breitenfurt-West, von wo man über den Kleinen Semmering nach Wolfsgraben gelangt, sowie Hochroterd (mit Großhöniggraben) in äußersten Südwesten.

Die Gemeinde weist in der siedlungsmorphologischen Kartierung aus dem Jahr 2018,[5] in der das Siedlungsgebiet aufgrund ihrer baulichen, verkehrlichen und freiraumplanerischen Struktur klassifiziert wurde, folgende Ortsteile aus: Breitenfurt Ost, Breitenfurt West, Eigenheim, Gernbergstraße, Großhöniggraben, Hammerlwiese, Hirschentanz, Hochroterd, Kleiner Semmering, Königsbühel, Linker Graben, Ostende, Pölleritzerwiese, Rechter Graben und Sperrberg.

Nachbargemeinden

Neben der Landesgrenze zu Wien verläuft eine Bezirksgrenze zwischen den Bezirken Mödling und St. Pölten an der nordwestlichen Gemeindegrenze zur Gemeinde Wolfsgraben. Außerdem besitzt Breitenfurt gemeinsame Gemeindegrenzen mit den Gemeinden Laab im Walde, Wienerwald und Kaltenleutgeben innerhalb des Bezirkes Mödling.

WolfsgrabenLaab im Walde
Kompassrose, die auf Nachbargemeinden zeigtWien
WienerwaldKaltenleutgeben

Geschichte

Aufgrund der örtlichen Lage wird zur Diskussion gestellt, dass die ehemalige römische Wasserleitung zum Legionslager Vindobona u. a. aus Quellen oder Wasserfassungen am Oberlauf der Liesing gespeist worden sein könnte[6] und damit ihren Ursprung in Breitenfurt haben könnte. Konkrete Funde oder andere Belege gibt es dafür jedoch nicht.

Breitenfurt wurde verhältnismäßig spät gegründet und taucht in Urkunden erstmals 1622 als besiedeltes Gebiet auf, während bis dahin Breitenfurt nur als Flurname in Gebrauch war. Bis zum Türkensturm 1683 befand sich auf dem heutigen Gemeindegebiet ein kaiserliches Jagdschloss, welches als Ruine heute noch das Wappen des Ortes ziert. Nach der Türkenbelagerung standen in Breitenfurt noch 20 Häuser. Die Umgebung wurde jedoch bald mit Siedlern aus Salzburg, Bayern und der Steiermark bevölkert. Die Bewohner waren vor allem Holzarbeiter, die 1721 in bereits 42 Häusern wohnten. Weitere 32 Häuser standen in weiteren Ortsteilen der heutigen Gemeinde. In den Jahren von 1714 bis 1732 ließ der Buchhalter und Ministerial Banko Deputation Gregor Wilhelm von Kirchner im Ort ein Barockschloss errichten, welches bereits 1796 fast völlig abgerissen wurde und von dem heute nur noch die Pfarrkirche (ehemalige Schlosskapelle) zeugt.

1848 wurde Breitenfurt selbstständige Gemeinde und wählte 1850 den ersten Bürgermeister. In der Folge entwickelte sich der Ort zu einem beliebten Ausflugsziel der nahen Stadtbevölkerung Wiens, so dass u. a. das Gastgewerbe florierte. Unter anderem damit verbunden, bestand 1898 das Vorhaben, von Liesing über Kalksburg nach Breitenfurt eine elektrische Bahn zu errichten. Nach anfänglicher Begeisterung betroffener bzw. interessierter Gemeinden dürfte insbesondere die weitere Kostenfrage das Projekt vereitelt haben.[7]

Baustelle einer Reihenhaussiedlung in Breitenfurt 1976, Beispiel für die stetig wachsende Einwohnerzahl seit den 1970ern

Mit der wachsenden Einwohnerzahl um die Jahrhundertwende eröffneten auch immer mehr Gewerbetreibende Läden im Ort, der 1930 schließlich das Marktrecht verliehen bekam. Laut Adressbuch von Österreich waren im Jahr 1938 in der Marktgemeinde Breitenfurt bei Wien ein Arzt, ein Taxiunternehmer, ein Bäcker, eine Bierniederlage der Brauerei Liesing, vier Fleischer, zwei Friseure, drei Fuhrwerker, fünf Gastwirte, elf Gemischtwarenhändler, neun Holzhändler, ein Landesproduktehändler, ein Maurermeister, drei Milchhändler, ein Schmied, ein Schneider, drei Schuster, ein Spengler, drei Tischler, ein Viktualienhändler, zwei Wagner und einige Landwirte mit Direktvertrieb ansässig. Weiters gab es im Ort eine Sparkasse und einen Steinbruch.[8] Bis 1938 gehörte Breitenfurt zum Bezirk Hietzing-Umgebung, bevor nach Machtübernahme der Nationalsozialisten der Ort wie viele Orte Niederösterreichs in die Stadt Wien eingemeindet und Bestandteil des 25. Bezirks Groß-Wiens wurde. Erst 1954 wurde Breitenfurt wieder eigenständig und fiel an Niederösterreich zurück, wo es dem Bezirk Mödling zugeordnet wurde. Ein heute noch sichtbares Relikt von Groß-Wien ist der Gemeindebau an der Adresse Laaber Straße 17–19 mit der Aufschrift „Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, errichtet in den Jahren 1952 - 1953“.

Bevölkerungsentwicklung

Die Einwohnerzahlen steigen seit Beginn der Bevölkerungserhebungen prozentual stärker als die Landesbevölkerung. Nach Zuwächsen von über 30 % in den Zeiträumen 1971–1981 sowie 1981–1991 war im Zeitraum 1991–2001 ein Anstieg von 11,4 % zu verzeichnen.[9]


Religionen

Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 65,7 % der Einwohner römisch-katholisch und 5,3 % evangelisch. 1,1 % sind Muslime, 0,9 % gehören orthodoxen Kirchen an. 21,8 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.

Politik

Der Gemeinderat hat seit 2005 29 Mitglieder.

Bürgermeister
  • 1985–2012 Ernst Herzig (ÖVP)[15]
  • 2012–2019 Ernst Morgenbesser (ÖVP)
  • seit 29. August 2019 Wolfgang Schredl (ÖVP)

Öffentliche Einrichtungen

In Breitenfurt befinden sich drei Kindergärten[16] und eine Volksschule mit Mehrzweckhalle.[17] Auf dem Gelände des Sportplatzes finden sich neben Fußballplätzen auch ein Beachvolleyballplatz und ein Skatepark. In Breitenfurt West befindet sich der 465 m lange Skilift Breitenfurt.[18]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Pfarrkirche Breitenfurt bei Wien-St. Johann Nepomuk
Pfarrkirche Breitenfurt bei Wien-St. Bonifaz

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde
  • Leopold Grabner (1802–1864), Forstwissenschaftler
  • Georg Sigl (1811–1887), Techniker und Unternehmer
  • Adolf Schmidt (1845–1905), Musikpädagoge, Chorleiter und Komponist
  • Gerda Maurus (1903–1968), Schauspielerin
  • Gerhard Zadrobilek (* 1961), ehemaliger Radprofi
  • Georg Miks (* 1969), Bildhauer
  • Franziska Weisz (* 1980), Schauspielerin
  • Mario Hochgerner (* 1984), Radiomoderator

Literatur

  • Franz Xaver Schweickhardt: Darstellung des Erzherzogthums Österreich unter der Ens, durch umfassende Beschreibung aller Burgen, Schlösser, Herrschaften, Städte, Märkte, Dörfer, Rotten etc. etc., topographisch-statistisch-genealogisch-historisch bearbeitet und nach den bestehenden vier Kreis-Vierteln [alphabetisch] gereiht. [Teil:] Viertel unterm Wienerwald. 7 von 34 Bänden. 1. Band: Achau bis Furth. Mechitaristen, Wien 1832, S. 118 (BreitenfurthInternet Archive – 2., ganz unveränderte Auflage).
  • Marktgemeinde Breitenfurt (Hrsg.): Breitenfurt und seine Geschichte. Breitenfurt, 1980

Weblinks

Commons: Breitenfurt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Breitenfurt bei Wien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. 252: Nordostspitz des Leopoldsdorfer Walds unterhalb eines verfallenen Steinbruchs auf Höhe Breitenfurter Straße 573; 567: höchster Punkt der Gemeindegrenze westlich der Drei Berge, südlich unterhalb des unbenannten Gipfels 578, nördlich des Ampfergrabens, gemessen aus Laserscan-Daten (Layer „Höhenangaben“) im NÖ-Atlas
  2. Generationenplan Breitenfurt 2018 auf breitenfurt.gv.at
  3. Marktgemeinde Breitenfurt (Hrsg.): Breitenfurt und seine Geschichte. 1980.
  4. Ortsverzeichnis 2001 Niederösterreich (PDF; 4,8 MB), Statistik Austria, Wien 2005, ISBN 3-902452-42-0, S. 242.
  5. Generationenplan Breitenfurt 2018, Übersicht Seite 44, auf breitenfurt.gv.at
  6. Heinz Gerstbach: Die Römische Wasserleitung durch Hietzing nach Vindobona. Siedlungen zur Römerzeit im Bezirk Hietzing und römische Straßen in seiner Umgebung. In: Fenster in die Vergangenheit. Lokalgeschichtliche Schriftenreihe des 13. Wiener Gemeindebezirkes – Hietzing. Ausgabe 10. Hrsg. Bezirksmuseum Hietzing, Wien 2022. ISSN 1560-7461 (falsche ISSN), ZDB-ID 2285373-X. S. 37.
  7. Breitenfurt. (Elektrische Bahn.) In: Badener Zeitung, 9. März 1898, S. 4, Mitte links
  8. Adressbuch von Österreich für Industrie, Handel, Gewerbe und Landwirtschaft, Herold Vereinigte Anzeigen-Gesellschaft, 12. Ausgabe, Wien 1938 PDF, Seite 216
  9. Statistik Austria: Ein Blick auf die Gemeinde Breitenfurt bei Wien (PDF-Datei; 36 kB)
  10. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2000 in Breitenfurt bei Wien. Amt der NÖ Landesregierung, 4. Februar 2005, abgerufen am 8. März 2019.
  11. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2005 in Breitenfurt bei Wien. Amt der NÖ Landesregierung, 4. März 2005, abgerufen am 8. März 2019.
  12. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2010 in Breitenfurt bei Wien. Amt der NÖ Landesregierung, 8. Oktober 2010, abgerufen am 8. März 2019.
  13. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2015 in Breitenfurt bei Wien. Amt der NÖ Landesregierung, 1. Dezember 2015, abgerufen am 8. März 2019.
  14. Wahlergebnis Gemeinderatswahl 2020 in Breitenfurt bei Wien. Amt der NÖ Landesregierung, 26. Januar 2020, abgerufen am 8. März 2019.
  15. Rücktritt im September: Ernst Herzig dankt ab. NÖN, 6. Juni 2012
  16. Kindergärten in NÖ. NÖ Landesregierung, abgerufen am 29. Oktober 2020.
  17. Schulensuche. In: Schulen online. Abgerufen am 2. Oktober 2020.
  18. https://www.bergfex.at/skilift-breitenfurt-brenneralm/

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Die Reihenhaussiedlung in der Königsbühelstraße im Jahre 1976.
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