Bob-Weltmeisterschaft 1939

8. Bob-Weltmeisterschaft 1939 FIBT.svg
MännerFrauen
Sieger
ZweierbobBelgien René Lunden
Jean Kuffer
ViererbobSchweiz Fritz Feierabend
Heinz Cattani
Alphonse Hörning
Joseph Beerli
Wettbewerbe
AustragungsorteSchweiz Natureisbahn St. Moritz (Zweierbob)
Italien 1861 Natureisbahn Cortina d’Ampezzo (Viererbob)
1938
1947

Die 8. Bob-Weltmeisterschaft wurde vom 28. und 31. Januar 1939 zunächst im Viererbob auf der Natureisbahn im italienischen Wintersportort Cortina d’Ampezzo und am 8. und 9. Februar 1939 im Zweierbob auf der Olympia-Eisbahn im schweizerischen St. Moritz ausgetragen. Weltmeister wurden der Zweierbob mit dem belgischen Steuermann René Lunden und dem Luxemburger Bremser Jean Kuffer sowie der Schweizer Viererbob mit Fritz Feierabend, Heinz Cattani, Alphonse Hörning und Joseph Beerli.

Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren es bis 1947 die vorerst letzten Bob-Weltmeisterschaften.

Viererbob

Die Austragung der Viererbob-WM war von Beginn an mit Schwierigkeiten behaftet. So drohte zunächst Tauwetter eine Ausführung gänzlich unmöglich zu machen. Am 27. Januar 1939 fegte ein Schneesturm durch das Wintersportgebiet, der Neuschnee von bis zu 30 cm brachte. Ein Training war daraufhin nicht möglich. Um die weiterhin recht weiche Bahn nicht zu überstrapazieren, entschied die Jury, nur einen Lauf pro Tag zuzulassen, so dass sich die Weltmeisterschaft auf vier Tage erstreckte. Insgesamt nahmen 11 Bobs aus Italien, Frankreich, der Schweiz, Belgien, Großbritannien, Deutschland und den Vereinigten Staaten teil. Infolge des Anschlusses Österreichs an das deutsche Reich im März 1938 nahmen keine Bobs aus dem Alpenland mehr teil. Durch die Anwesenheit der Medaillengewinner der letztjährigen Weltmeisterschaft inklusive des Titelverteidigers McEvoy war sportliche Klasse vorhanden, hinzu kam mit dem zweifachen Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele von Garmisch, Fritz Feierabend aus der Schweiz, ein weiterer namhafter Konkurrent.

Feierabend fuhr an den ersten beiden Wettkampftagen jeweils Laufbestzeit und lag mit reichlich anderthalb Sekunden vor Titelverteidiger McEvoy und den beiden deutschen Bobs in Führung.[1] Nach dem dritten Lauf war insofern eine Vorentscheidung gefallen, als dass nur noch Feierabend und McEvoy um Gold kämpften, zu groß war der Abstand der beiden deutschen Bobs. Zwischen Fischer und Kilian betrug der Abstand allerdings nur drei Hundertstel, so dass der Kampf um die Bronzemedaille völlig offen war.[2]

Am letzten Wettkampftag verbesserten die beiden Spitzenteams nochmals den Bahnrekord, erneut war McEvoy wie am dritten Tag der Wettkampfbeste. Da Feierabend an den ersten beiden Tagen jedoch genügend Vorsprung herausgefahren hatte, reichte es am Ende für den Schweizer zu seinem ersten Weltmeistertitel mit einem Vorsprung von 1,24 Sekunden vor dem Briten McEvoy. Beim Kampf um die Bronzemedaille vergab Gerhard Fischer durch die nur sechstschnellste Zeit die Chance auf die Bronzemedaille, mit reichlich einer halben Sekunde Rückstand belegte er den undankbaren vierten Platz, während Hanns Kilian seine insgesamt sechste WM-Medaille erringen konnte.[3]

PlatzLandSportler1. Lauf[4]2. Lauf[5]3. Lauf[6]4. Lauf[7]Gesamt[3]
1Schweiz SUIFritz Feierabend
Heinz Cattani
Alphonse Hörning
Joseph Beerli
1:25,381:21,991:22,231:20,775:30,37
2Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich GBRFrederick McEvoy
Howard
Critchley
Charles Green
1:26,801:22,391:21,671:20,755:31,61
3NS-Staat GER IHanns Kilian
Werner Windhaus
Hans Schmidt
Franz Kemser
1:26,981:23,601:23,591:22,665:36,83
4NS-Staat GER IIGerhard Fischer
Lohfeld
H. Fischer
Rolf Thielecke
1:26,481:23,751:23,971:23,115:37,31
5Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USAJack Heaton
?
?
?
1:28,201:24,531:22,901:22,855:38,48
6Belgien BELRené Lunden
?
?
?
1:30,821:23,581:23,481:22,195:40,07
7Italien 1861 ITA IIFrancesco De Zanna
?
?
?
1:27,351:25,261:25,281:23,455:41,64
8Italien 1861 ITA IGilarduzzi
?
?
?
1:29,651:26,101:24,921:24,535:44,89
9FrankreichFrankreich FRA ILouis Balsan
?
?
?
1:29,301:27,191:24,981:24,205:45,55
10FrankreichFrankreich FRA IIRené Charlet
?
?
?
1:28,441:26,351:25,891:25,605:46,17
11Rumänien ROUMichail
?
?
?
1:33,891:28,091:27,141:26,725:55,64

Zweierbob

Nach dem Boblet Grand Prix am 3. und 4. Februar sowie dem Boblet Derby am 5. und 6. Februar 1939 bildete die Weltmeisterschaft im Zweierbob den Abschluss einer Woche im Zeichen des Bobsports, einen Winter vor der an gleicher Stelle geplanten Austragung der Olympische Winterspiele 1940.[8]

Tragödie um Reto Capadrutt

Am Nachmittag des 3. Februar verunglückte der Zweierbob-Weltmeister von 1935 und zweifache olympische Silbermedaillengewinner, der Schweizer Steuermann Reto Capadrutt bei einer Trainingsfahrt im Zweierbob tödlich, wohingegen der deutsche Bremser H. Gatzsch den Sturz in der Shamrock-Kurve unverletzt überstand.[9]

Wettbewerb

Kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft wurden mehrere Umbesetzungen vorgenommen. Nachdem der Luxemburger Bremser Henri Koch verletzungsbedingt ausgefallen war, ersetzte dessen Partner Jean Kuffer den ebenfalls ausgeschiedenen Bremser im belgischen Zweierbob von René Lunden.[10] Außerdem musste Hanns Kilian am zweiten Wettkampftag als Steuermann für den aus Berlin angeforderten Werner Zahn einspringen. Auf der 1.609 Meter langen Natureisbahn dominierten am ersten Tag (Mittwoch, 8. Februar) der favorisierte Zweierbob mit Gerhard Fischer und Rolf Thielecke sowie das gemischte Duo aus Lunden und Kuffer. Beide französischen Mannschaften, darunter der Bob Frankreich I mit Lévy und William Gayraud-Hirigoyen, schieden nach Stürzen aus dem Wettbewerb aus, ebenso der Bob Rumänien II mit Michail und Teodor Popescu am folgenden Tag. Begünstigt durch sehr gute Wetterverhältnisse am zweiten Tag (Donnerstag, 9. Februar) konnten Lunden und Kuffer den Bahnrekord im dritten Lauf um drei Zehntel auf 1:21,3 Minuten verbessern und damit den Grundstein für ihren Sieg vor den beiden deutschen Zweierbobs legen.[11][12][13]

PlatzLandSportler1. Lauf2. Lauf3. Lauf4. LaufGesamtzeit
1.Belgien Belgien IRené Lunden
Luxemburg Jean Kuffer
2:45,72:43,55:29,2 min
2.Deutsches Reich NS Deutschland IGerhard Fischer
Rolf Thielecke
2:45,72:44,45:30,1 min
3.Deutsches Reich NS Deutschland IIWerner Zahn/Hanns Kilian
Schlaffer
2:48,12:45,35:33,4 min
4.Schweiz Schweiz IFritz Feierabend
Joseph Beerli
2:48,42:46,15:34,5 min
5.England England IFrederick McEvoy
Paddy Green
2:48,32:46,75:35,0 min
6.Belgien Belgien IIMax Houben
Jacques Mouvet
2:49,52:46,55:36,0 min
7.Rumänien Rumänien IAlexandru Frim
Florescu
2:49,02:47,25:36,2 min
8.England England IIDennis Field
N. Cooke
2:48,92:48,05:36,9 min
9.Vereinigte Staaten Vereinigte StaatenJack Heaton
Darlington
2:50,42:47,25:37,6 min
10.Italien 1861 Königreich Italien IMario Vitali
Carlo Solveni
2:50,92:49,05:39,9 min
11.Schweiz Schweiz IIFonjallaz
Arnold Gartmann
2:51,82:50,55:42,3 min
12.Italien 1861 Königreich Italien IIFrancesco De Zanna
Amedeo Angeli
2:55,02:53,35:48,3 min

Medaillenspiegel

PlatzLandGoldSilberBronzeGesamt
1Belgien Belgien1001
1Schweiz Schweiz1001
3Deutsches Reich NS Deutsches Reich0123
4Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich0011

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Deutscher Bob an dritter Stelle. In: Innsbrucker Nachrichten, 30. Jänner 1939, S. 10 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/ibn
  2. Der dritte Lauf zur Bob-Weltmeisterschaft. In: Innsbrucker Nachrichten, 31. Jänner 1939, S. 20 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/ibn
  3. a b Feierabend Viererbob-Weltmeister. In: Innsbrucker Nachrichten, 1. Februar 1939, S. 18 (Online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/ibn
  4. Viererbob-Weltmeisterschaft in Cortina d'Ampezzo. In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 181, 30. Januar 1939, S. 11
  5. Die Viererbob-Weltmeisterschaft In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 185, 30. Januar 1939 Ausgabe 02, S. 6
  6. Bobsleigh In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 189, 31. Januar 1939, S. 6
  7. Die Schweiz Weltmeister im Viererbob In: Neue Zürcher Zeitung. Nr. 193, 31. Januar 1939 Ausgabe 03, S. 10
  8. Die Bobletweltmeisterschaften in St. Moritz. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 14. Januar 1939, S. 1.
  9. Reto Capadrutt †. In: Engadiner Post vom 4. Februar 1939, S. 2; Todessturz von Bobfahrer Reto Capadrutt. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 6. Februar 1939, S. 3; Zum Tode von Reto Capadrutt. In: Engadiner Post vom 7. Februar 1939, S. 2; Peter Kasper: Reto Capadrutt, mehr als nur ein Supertalent. In: Bündner Jahrbuch, Band 29 (1987), S. 61–69 (online).
  10. Ein Luxemburger Weltmeister In: Luxemburger Wort vom 11. Februar 1939, S. 8.
  11. Belgischer Ueberraschungssieg in St. Moritz. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 10. Februar 1939, S. 3.
  12. Die Boblet-Weltmeisterschaft in St. Moritz. In: Engadiner Post vom 11. Februar 1939, S. 2.
  13. Ein Luxemburger Weltmeister wird gefeiert. In: Obermosel-Zeitung vom 23. März 1939, S. 5.

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National- und Handelsflagge des Deutschen Reiches von 1935 bis 1945, zugleich Gösch der Kriegsschiffe.
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