Bhopal

Bhopal
Bhopal (Indien)
Bhopal (Indien)
Staat:Indien Indien
Bundesstaat:Madhya Pradesh
Distrikt:Bhopal
Lage:23° 15′ N, 77° 25′ O
Höhe:450 m
Fläche:285,9 km²
Einwohner:
– Agglomeration:
1.798.218 (2011)
1.883.381 (2011)
Bevölkerungs-
dichte
:
6290 Ew./km²
Website:bhopalmunicipal.com
Taj-ul-Masjid, Bhopal
Taj-ul-Masjid, Bhopal
Taj-ul-Masjid, Bhopal

Bhopal (Hindi भोपालBhopāl), auch „Stadt der Seen“ genannt, ist die Hauptstadt des Bundesstaates Madhya Pradesh in Indien mit ca. 2,5 Millionen Einwohnern. Sie ist gleichermaßen Industriestadt, Verkehrsknotenpunkt und kulturelles Zentrum.

Lage und Klima

Die im Mittel ca. 450 m hoch gelegene Stadt Bhopal liegt auf dem Vindhya-Plateau am Ostufer eines künstlichen Sees namens Bhojtal im Osten der historischen Region Malwa, zu der auch die ca. 200 km (Fahrtstrecke) westlich bzw. südwestlich gelegenen Städte Ujjain und Indore gehörten. Der Raja Bhoj Airport befindet sich 15 km nordwestlich der Stadt und ist nach dem Flughafen Indore der zweitgrößte Flughafen des Bundesstaates. Das Klima ist mild bis warm; Regen (900–1200 mm/Jahr) fällt nahezu ausnahmslos in der sommerlichen Monsunzeit.

Bevölkerung

Jahr199120012011
Einwohner1.062.7711.458.4161.798.218[1]

Wie im Norden Indiens üblich, übersteigt der Männeranteil den der Frauen um ca. 10 %. Gut 69 % der städtischen Einwohner sind Hindus und gut 26 % sind Moslems; jeweils etwa 1 % sind Jains, Buddhisten, Sikhs oder Christen. Die Alphabetisierungsrate lag 2011 bei ca. 84 % und somit deutlich über dem nationalen Durchschnitt.[2]

Wirtschaft

Bhopal ist eine Industriestadt und Wirtschaftsmetropole mit chemischer Industrie sowie Baumwoll- und Edelsteinverarbeitung). Die Stadt wurde im Jahr 1984 bekannt durch die Katastrophe von Bhopal, die als der schwerste Chemieunfall der Geschichte gilt.

Geschichte

Moti-Masjid
Lakshmi Narayan Temple
Verlassenes Gelände der Union-Carbide-Fabrik

Bhopals Name geht auf das 11. Jahrhundert zurück, als Raja Bhoj (1010–53), Parmar König von Dhar, von seinen Hoflehrmeistern die Weisung erhielt, den Mord an seiner Mutter durch die Verbindung der neun Flüsse seines Königreiches zu sühnen. Nachdem einer dieser Flüsse durch einen Damm gebändigt worden war, gründete der Herrscher an den beiden so entstandenen Seen seine neue Hauptstadt Bhojapal. Ende des 17. Jahrhunderts eroberte Dost Muhammad Khan (1672–1740), ein opportunistischer Glücksritter, Ex-Soldat und ehemaliger General des Großmoguls Aurangzeb (1618–1707) das Gebiet, um auf den Trümmern des Mogulreiches seinen eigenen Staat Bhopal zu errichten. Im Jahre 1723 wurde der Ort Bhopal zur Hauptstadt des Fürstenstaats erklärt und blieb es bis 1956.

Die von Dost Muhammad Khan gegründete islamische Dynastie sollte zu einer der bedeutendsten Herrscherfamilien Zentralindiens werden, deren Angehörige unter Großbritanniens Vizekönigen zu den wenigen Auserwählten gehörten, die durch einen Salut mit 19 Schüssen geehrt wurden – in Anerkennung ihrer Unterstützung von General Thomas Goddard (1740–83) bei dessen Marsch auf den hinduistischen Staat Maratha im Jahre 1778. Von 1820 bis 1926 regierten in Bhopal ausschließlich Frauen. Die Begums (Fürstinnen) führten das Zepter hinter dem Parda (Vorhang; von Männern abgetrennter Wohnbereich, Schleier) und ließen noble Bauwerke errichten, zu denen die drei Moscheen aus Sandstein gehören, die noch heute das Stadtbild prägen.

Im Dezember 1992 kam es in Bhopal, ausgelöst durch die Zerstörung der Babri-Moschee in Ayodhya, zu blutigen Straßengefechten zwischen Hindus und Muslimen, worauf eine elftägige Ausgangssperre verhängt wurde. Doch trotz dieser religiös bedingten gewalttätigen Ausschreitungen bezeugen viele Geschichten von Hindus und Muslimen, die ihre andersgläubigen Freunde damals vor Übergriffen durch die aufgebrachte Menge schützten, die lange Tradition der religiösen Toleranz der Stadt.

Sehenswürdigkeiten

  • Sehenswert ist die im Altstadtviertel aufragende Freitagsmoschee. Die Moschee mit ihren roten Sandsteinmauern und gedrungenen Minaretten wurde im Jahr 1837 auf Veranlassung von Qudsia Begum (1801–1881), der ersten weiblichen Herrscherin von Bhopal, erbaut.
  • Im Osten der Stadt steht die Moti Masjid, eine 1860 von Qudsias Tochter Sikander Begum (1818–1858) errichtete Perlen-Moschee. Bemerkenswert sind ihre schlanken Minarette mit goldenen Spitzen und Sandsteinkuppeln.
  • Das eindrucksvollste Bauwerk der Stadt ist die Darul Uloom Tajul Masjid. Dieses zu den größten Moscheen Indiens zählende Bauwerk mit seinen kolossalen pinkfarbenen Minaretten, die hoch über das Stadtbild hinausragen, trägt nicht zu Unrecht den Beinamen „Mutter aller Moscheen“.
  • Unbedingt sehenswert ist das an der Ostküste des Sees auf einem Hügel gelegene Adivasi-Zentrum, das in natürlicher Umgebung das Leben der indischen Stämme zeigt, ohne dabei wie ein menschlicher Zoo zu wirken. Angeschlossen ist ein Museum.
  • Über die Stadt verteilt liegen zahlreiche Hindu- und Jaintempel sowie mehrere Museen.
  • Die Universität Bhopal wurde im Jahre 1970 eröffnet.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Abida Sultaan (1913–2002), Prinzessin und die Erbin des Fürstenstaates Bhopal
  • Nasir Hussain (1931–2002), indischer Filmregisseur
  • Khurram Murad (1932–1996), Schriftsteller und Vordenker einer islamischen Bewegung für den Westen
  • Anwar Ahmad Khan (1933–2014), pakistanischer Hockeyspieler
  • Abdul Kadir Khan (1936–2021), Ingenieur und Leiter des pakistanischen Kernwaffenforschungsprogramms
  • Obaidullah Aleem (1939–1998), urdusprachiger Dichter
  • Hakim Syed Zillur Rahman (* 1940), Islamwissenschaftler und Orientalist
  • Mansur Ali Khan Pataudi (1941–2011), indischer Cricketspieler
  • Balkrishna Iyer (* 1956), Tablaspieler
  • Raghuram Rajan (* 1963), indisch-amerikanischer Ökonom
  • Divyanka Tripathi (* 1984), indische Schauspielerin
  • Ayaan Khan (* 1992), omanischer Cricketspieler
  • Mahak Jain (* 2001), Tennisspielerin

Literatur

  • Dominique Lapierre und Javier Moro: „Fünf nach zwölf in Bhopal. Die unglaubliche Geschichte der größten Giftgaskatastrophe unserer Zeit“. Europa Verlag Wien 2004 (französische Originalausgabe 2001). ISBN 3-203-79508-6
  • Georg Berkemer: Bhopal – 20 Jahre danach. Geographische Rundschau 56(12), S. 56–61 (2004), ISSN 0016-7460
Commons: Bhopal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Bhopal – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Bhopal – Karte + Fakten
  2. Bhopal – Zensus 2011–2025

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Bhopal, Moti Masjid (9840931024).jpg
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Bhopal, Moti Masjid

Bhopal is the capital of the Indian state of Madhya Pradesh and was the capital of the former Bhopal State. Bhopal is known as the City of Lakes for its various natural as well as artificial lakes and is also one of the greenest cities in India.

The city attracted international attention in December 1984 after the Bhopal disaster, when a Union Carbide India Limited pesticide manufacturing plant leaked a mixture of deadly gases mainly methyl isocyanide, leading to one of the worst industrial disasters in the world's history. The Bhopal disaster continues to be a part of the socio-political debate and a logistical challenge for the people of Bhopal.

The Moti Masjid or the Mosque of Pearls is situated in the center of Bhopal. The Moti Masjid was built in 1860 by Sikandar Begum, and became an important landmark of Bhopal. Sikandar Begum's practice of dressing like a man and public appearances without a veil, led Bhopal to be known for its relatively liberated, progressive women.

(source: en.wikipedia.org/wiki/Bhopal)
Bhopal Plant 13.JPG
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Auf dem verlassenen Fabrikgelände in Bhopal, dem Schauplatz der Chemiekatastrophe vom 3. Dezember 1984.
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Siegel des indischen Bundesstaats Madhya Pradesh