Berti Vogts

Berti Vogts
Berti Vogts (2014)
Personalia
Voller NameHans-Hubert Vogts
Geburtstag30. Dezember 1946
GeburtsortBüttgenDeutschland
Größe168 cm
PositionAbwehr
Junioren
JahreStation
1954–1965VfR Büttgen
Herren
JahreStationSpiele (Tore)1
1965–1979Borussia Mönchengladbach419 (33)
Nationalmannschaft
JahreAuswahlSpiele (Tore)
1964–1965DFB-Jugendauswahl9 0(0)
1966–1968Deutschland U233 0(0)
1967–1978Deutschland96 0(1)
Stationen als Trainer
JahreStation
1979–1990Deutschland U21
1986–1990Deutschland (Co-Trainer)
1987–1988Deutschland U20
1990–1998Deutschland
2000–2001Bayer 04 Leverkusen
2001–2002Kuwait
2002–2004Schottland
2007–2008Nigeria
2008–2014Aserbaidschan
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Hans-Hubert „Berti“ Vogts (* 30. Dezember 1946 in Büttgen, heute zu Kaarst), Spitzname Terrier, ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und Fußballtrainer.

Berti Vogts spielte innerhalb von 14 Jahren 419-mal in der Fußball-Bundesliga für Borussia Mönchengladbach. Kein anderer Spieler war in der Bundesliga häufiger für diesen Verein aktiv. Als Mannschaftskapitän führte er die Borussia 1975 und 1979 jeweils zum UEFA-Pokal-Sieg und war beim Gewinn aller fünf Meisterschaften des Vereins Teil der Mannschaft; in der Nationalmannschaft kam er 96-mal zum Einsatz und wurde Europameister 1972 und Weltmeister 1974. Bei der Weltmeisterschaft 1978 war Vogts Mannschaftskapitän der deutschen Mannschaft.

Er trainierte die Nationalmannschaften von Deutschland, Kuwait, Schottland (er ist der einzige Nichtschotte, der jemals Trainer dieser Nationalmannschaft war), Nigeria und Aserbaidschan. Sein größter Erfolg als Trainer war der Gewinn der Europameisterschaft 1996.

Jugend

Berti Vogts wurde am 30. Dezember 1946 im niederrheinischen Büttgen geboren. Er wuchs während der Nachkriegszeit in einfachen, kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war als selbstständiger Schuhmacher tätig. Im Alter von zwölf Jahren verlor Vogts seine Mutter, die an Leukämie verstarb; im Folgejahr auch den Vater, der an Herzproblemen litt. In einer ARD-Dokumentation wird erwähnt, dass ihm nach dem Tod seiner Eltern sogar von einem Pfarrer eingeredet worden sei, er trage Mitschuld an der Erkrankung und dem Tod seines Vaters – eine Erfahrung, die ihn zusätzlich stark belastete.[1][2] Durch diese Schicksalsschläge wurde Vogts zum Vollwaisen und lebte fortan im Haushalt seiner Tante in bescheidenen finanziellen Verhältnissen.[3][4][5] Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Vogts beim Unternehmen Bauer & Schauerte eine Lehre zum Werkzeugmacher.[6] Von 1954 bis 1965 spielte er in den Jugendmannschaften des VfR Büttgen. Er galt als zweikampfstarker Manndecker und bestritt 1964/65 neun Länderspiele für die Junioren-Nationalmannschaft.

Vereinskarriere

Vogts und Weisweiler, Funkausstellung in Düsseldorf (1970)
Vogts mit dem UEFA-Pokal (1975)

1965 wechselte Vogts auf Anraten von Dettmar Cramer im Alter von 18 Jahren zum Bundesliga-Aufsteiger Borussia Mönchengladbach.[7] Die Ablösesumme betrug 28.000 D-Mark. Sein Bundesligadebüt gab er am 14. August 1965 beim 1:1 gegen Borussia Neunkirchen. Als jüngster Akteur auf dem Spielfeld überzeugte der Rechtsverteidiger auf Anhieb und rettete nach zeitgenössischen Berichten gleich mehrfach auf der eigenen Torlinie, wodurch er maßgeblich zum Punktgewinn beitrug.[8] Mönchengladbachs Trainer Hennes Weisweiler wurde früh zu einer prägenden Figur in Vogts’ Karriere und übernahm nicht nur die Rolle des sportlichen Förderers, sondern auch die seines „Ziehvaters.“[9] Unter seiner Anleitung entwickelte sich Vogts zu einem Musterbeispiel an Disziplin, Professionalität und Einsatzbereitschaft. Obwohl er mit einer Körpergröße von lediglich 1,68 Metern nicht den klassischen Anforderungen an einen Verteidiger entsprach, kompensierte er dies durch außergewöhnlichen Ehrgeiz, enorme Laufbereitschaft und kompromisslosen Kampfgeist. Aufgrund seiner bissigen und hartnäckigen Spielweise erhielt Vogts den Spitznamen Terrier.[10][11][12]

„Der damals noch kinderlose Weisweiler sah in Berti Vogts so etwas wie seinen Sohn. Es entwickelte sich ein ungewöhnliches Verhältnis, das von menschlicher Wärme und Erfolg geprägt war.“

Jürgen Bitter[13]

„Berti hat nicht mal besonders viel Talent, aber er ist mutig und ehrgeizig, fleißig, diszipliniert und gewissenhaft.“

Hennes Weisweiler[14]

Die 1970er Jahre standen im Zeichen der sportlichen Rivalität zwischen Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München. Gemeinsam mit Spielern wie Günter Netzer, Jupp Heynckes, Rainer Bonhof, Allan Simonsen und Herbert Wimmer prägte Vogts die erfolgreichste Epoche der Vereinsgeschichte. Der unermüdliche und mannschaftsdienliche Kämpfer gehörte zu den Schlüsselspielern der berühmten „Fohlenelf“, die durch ihren offensiven und attraktiven Spielstil europaweit Anerkennung fand.[15] Im Jahr 1971 wurde Vogts als erster Abwehrspieler überhaupt zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt – eine Auszeichnung, die seine herausragende sportliche Bedeutung unterstrich. Das Fachmagazin Kicker stufte ihn während seiner aktiven Karriere in der Rangliste des deutschen Fußballs insgesamt elfmal in die Kategorie Weltklasse ein.[16] Innerhalb der Mannschaft galt Vogts als verlässliche Führungspersönlichkeit und wichtiger Vermittler. Insbesondere in der oftmals angespannten Beziehung zwischen dem autoritären Weisweiler und dem eigenwilligen Netzer nahm er wiederholt eine ausgleichende Rolle ein. Nach Netzers Wechsel zu Real Madrid übernahm Vogts 1974 das Amt des Mannschaftskapitäns und behielt es auch unter Weisweilers Nachfolger Udo Lattek.[17][18] Mit der Borussia gewann Vogts fünf Deutsche Meisterschaften (1970, 1971, 1975, 1976, 1977), einmal den DFB-Pokal (1973) sowie zweimal den UEFA-Pokal (1975, 1979). Zudem stand er zwei weitere Male in einem Europapokal-Endspiel, die jedoch verloren wurden (1973, 1977).[19]

Zu Beginn seiner letzten Profi-Saison (1978/79) erlitt Vogts in der ersten Runde des DFB-Pokals einen Bein- und Knöchelbruch, der ihn monatelang außer Gefecht setzte. Er kehrte erst Ende April 1979 wieder in den Spielbetrieb zurück und half dabei mit, die kriselnde Borussia vor dem Abstieg zu bewahren.[20] Allerdings stand bereits fest, dass er nach Saisonende seine aktive Laufbahn beenden und als Jugendtrainer zum DFB wechseln würde. Seine drittletzte Partie als Profifußballer bestritt Vogts am 23. Mai 1979 im Rückspiel des UEFA-Pokal-Finales gegen FK Roter Stern Belgrad (1:0). Der Titelgewinn bildete den krönenden Abschluss seiner 14-jährigen Karriere für Borussia Mönchengladbach und der scheidende Kapitän prophezeite, dies werde der letzte Triumph für lange Zeit sein.[21] 1979 erhielt Vogts zum zweiten Mal die Auszeichnung als Fußballer des Jahres.

„Die Leute sagen, dass ich Borussia Mönchengladbachs wertvollster Spieler war. Das bin ich nicht gewesen. Ich war nur der glamouröseste, der für das große Spektakel gesorgt hat. Berti jedoch war der wertvollste Spieler. Er hat fast hundert Länderspiele gemacht, ist sein Leben lang für die Borussia dagewesen, hat seine Karriere dort angefangen und beendet. Der Klub müsste ihm unendlich dankbar sein!“

Günter Netzer[22]

Zwischen 1965 und 1979 absolvierte Berti Vogts 419 Bundesliga-Einsätze (33 Tore) für Borussia Mönchengladbach und ist damit Rekordspieler des Vereins. Dabei musste er keinen Platzverweis hinnehmen.[23] Insgesamt kam er in 538 Pflichtspielen zum Einsatz und erzielte dabei 45 Tore. Vogts wirkte an bemerkenswerten Partien wie dem „Pfostenbruch vom Bökelberg“, dem „Büchsenwurfspiel“, dem Pokalfinale 1973 sowie dem 12:0-Sieg über Borussia Dortmund mit.

Nationalmannschaft

Berti Vogts (links) beim Spiel gegen die Niederlande (1974), Johan Cruyff am Ball

In der deutschen Fußballnationalmannschaft spielte Vogts von 1967 bis 1978. Sein erstes Länderspiel war das mit 0:1 verlorene EM-Qualifikationsspiel in Belgrad gegen Jugoslawien am 3. Mai 1967. Zuvor hatte er drei U-23-Länderspiele und neun Jugendländerspiele bestritten. Er absolvierte insgesamt 96 A-Länderspiele, in denen er ein Tor erzielte (beim 8:0 gegen Malta am 28. Februar 1976 traf er zum 7-0). Er kam in 85 % der ausgetragenen Länderspiele zum Einsatz, lediglich Franz Beckenbauer erreichte von den Spielern mit mindestens 80 Einsätzen eine höhere Quote. Vogts stand dabei in 95 Spielen in der Startaufstellung und wurde lediglich dreimal ausgewechselt. Außerdem war er 20-mal Spielführer.

Der Höhepunkt seiner Länderspielkarriere ist der Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Bei der gewonnenen Europameisterschaft 1972 gehörte er zum Kader, kam aber verletzungsbedingt nicht zum Einsatz. 1976 erreichte die Nationalmannschaft das Endspiel um die Europameisterschaft, verlor jedoch im Elfmeterschießen. Seine Länderspielkarriere endete am 21. Juni 1978 mit dem mit 2:3 verlorenen WM-Zwischenrundenspiel gegen Österreich in Argentinien, bei dem er ein Eigentor schoss. Nach dem Turnier, in dem er die deutsche Mannschaft als Kapitän anführte, sagte Vogts in Bezug auf die herrschende Militärjunta: „Argentinien ist ein Land, in dem Ordnung herrscht. Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“[24]

Trainerkarriere

DFB-Juniorennationalmannschaften

Nach seiner aktiven Fußballerkarriere wurde Berti Vogts zunächst von 1979 bis 1990 Nachwuchstrainer (Juniorentrainer) beim Deutschen Fußballbund (DFB), wo er hauptsächlich für die U-21-Nationalmannschaft zuständig war. Er betreute diese von September 1979 bis Mai 1990 in 79 Spielen (39 Siege, 23 Remis, 17 Niederlagen bei 135:67 Toren). Zeitgleich war er von September 1979 bis Mai 1983 für die B-Jugend-Nationalmannschaft (U16) in 9 Spielen (7 Siege, 2 Niederlagen bei 21:5 Toren) sowie von Juli 1983 bis November 1989 für die A-Jugend-Nationalmannschaft U18/U17 in 85 Spielen (48 Siege, 19 Remis, 18 Niederlagen bei 169:75 Toren) tätig. Die U-20-Nationalmannschaft betreute Vogts von September 1986 bis Oktober 1987 in 13 Spielen (9 Siege, 1 Remis, 3 Niederlagen bei 24:8 Toren), mit der er den 3. Platz bei der U-19-Europameisterschaft erreichte sowie Vize-U20-Weltmeister wurde. Von 1986 bis 1990 war Vogts unter Teamchef Franz Beckenbauer in ca. 40 Spielen als Trainerassistent tätig.

Bundestrainer

Von 1990 bis 1998 war er Bundestrainer. Dabei stand er in 102 Spielen (66 Siege, 24 Remis, 12 Niederlagen) an der Seitenlinie. Vogts erreichte zwar nach Joachim Löw und Helmut Schön die meisten Siege als Bundestrainer, saß jedoch auch nach Löw und Schön die meisten Spiele als Bundestrainer auf der Bank, wenn man die Reichstrainerzeit von Sepp Herberger nicht mitzählt. Er erreichte als Bundestrainer sowohl mit alter Punktwertung (2 Punkte pro Spiel) als auch mit neuer Wertung (3 Punkte) noch vor Löw die beste Quote aller Bundestrainer (1,53 bzw. 2,18 Punkte pro Spiel). Während seiner Amtszeit oft sehr umstritten, blieb sein größter Erfolg in acht Jahren als Bundestrainer – abgesehen von drei erfolgreich bestrittenen Turnierqualifikationen – der Gewinn des Titels bei der EM 1996 in England. Zudem wurde Deutschland unter seiner Leitung Vize-Europameister bei der EM 1992 in Schweden und gewann 1993 in den USA den nur wenig in Erinnerung gebliebenen U.S. Cup (Gegner: Brasilien, USA, England), der in jenem Jahr den Charakter eines Vorbereitungsturniers für die WM 1994 hatte. Bei den Weltmeisterschaften 1994 in den USA und 1998 in Frankreich erreichte die von Vogts geführte Nationalmannschaft jeweils das Viertelfinale.

Der als Spieler durchaus populäre Vogts hatte als Bundestrainer bei den Medien und der Fußballanhängerschaft stets einen schweren Stand. Als Ursache dafür wird u. a. sein bisweilen als ungeschickt empfundener Umgang mit den Medien oder die begrenzte Fähigkeit zur Führung charakterlich schwieriger Spieler gesehen. Auch die Tatsache, dass der sehr populäre Beckenbauer sein Vorgänger war, erschwerte für ihn die Situation. Nach dem unerwarteten Ausscheiden als ein Turnierfavorit bei der WM 1994 im Viertelfinale gegen Bulgarien und öffentlich ausgetragenen Querelen innerhalb der Mannschaft, z. B. um die Spielerfrauen oder den damaligen Nationaltorwart Bodo Illgner, soll ihn nach eigenen Angaben nur ein Telefonat mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und die Solidarität des DFB-Präsidenten Egidius Braun vom Rücktritt abgehalten haben. Mit dem Titelgewinn bei der EM 1996 erreichte seine Popularität als Bundestrainer dann ihren Höhepunkt, sank jedoch nach dem Ausscheiden Deutschlands im Viertelfinale der WM 1998 wieder rapide ab. Vogts’ Bestrebungen, dennoch im Amt zu bleiben, um einen erforderlichen Neuaufbau der Nationalmannschaft noch selbst betreiben zu können, erwiesen sich nach einem ernüchternd verlaufenen Lehrgang auf der Insel Malta Anfang September 1998 (2:1 gegen Malta, 1:1 gegen Rumänien) als nicht mehr realisierbar.

Bayer 04 Leverkusen

Nach der Entlassung von Christoph Daum infolge der sogenannten „Kokain-Affäre“, übernahm Vogts am 14. November 2000 den Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen. Die Verpflichtung galt als bewusste Entscheidung der Vereinsführung, nach dem als charismatisch und zu spektakulären Auftritten neigenden Daum, einen betont sachlichen und disziplinierten Trainer zu installieren. Vogts stellte ein hochkarätig besetztes Trainerteam zusammen, dem unter anderem Pierre Littbarski (Co-Trainer), Wolfgang Rolff (Kondition) und Toni Schumacher (Torwarttrainer) angehörten.[25][26][27] Mit seiner innovativen Ankündigung, die ersten 30 Minuten eines Spiels von der Tribüne aus zu beobachten, sorgte Vogts für Irritationen.[28] Unter seiner Leitung stabilisierte sich die Mannschaft zunächst und übernahm zwischenzeitlich sogar die Tabellenführung der Bundesliga. In der Rückrunde geriet Bayer Leverkusen jedoch in eine Formkrise, das Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft galt als zerrüttet.[29][30] Leverkusen verlor seine Spitzenposition und fiel im Saisonverlauf zurück. Am Ende der sportlich durchwachsenen Spielzeit 2000/01 belegten sie den vierten Tabellenplatz, der gerade noch zur Teilnahme an der Qualifikation für die UEFA Champions League berechtigte. Trotz des zwischenzeitlichen Titelkampfes erreichte man die Saisonziele nur teilweise und am 21. Mai 2001 wurde Vogts, nach nur 189 Tagen, entlassen. Berichten zufolge erhielt er für seine vorzeitige Entlassung aus seinem bis 2003 laufenden Vertrag eine Abfindung in Höhe von etwa drei Millionen D-Mark.[31]

Kuwait

Der kuwaitische Fußballverband (KFA) stellte Vogts am 12. August 2001 als neuen Nationaltrainer vor. Er unterschrieb im Golfstaat einen gut dotierten Einjahresvertrag mit einem Gehalt von 1,3 Millionen D-Mark.[32][33] Mit Kuwait nahm Vogts im Januar 2002 am Golfpokal in Saudi-Arabien teil und wurde mit dem Team Dritter. Nach insgesamt elf Länderspielen (2 Siege, 6 Unentschieden, 3 Niederlagen) trat er am 28. Februar 2002 vorzeitig von seinem Amt zurück.[34]

Schottland

Schließlich berief ihn der schottische Fußballverband am 1. März 2002 als ersten nichtschottischen Trainer zum Nationaltrainer von Schottland, wo er einen Neuaufbau der schottischen Mannschaft mit jungen Spielern durchführen sollte. Unter Verzicht auf etablierte Spieler verpasste er jedoch die Qualifikation für die EM 2004. Nach schlechtem Start in die Qualifikationsrunde für die WM 2006 mit nur zwei Punkten aus drei Spielen trat Vogts am 1. November 2004 nach 32 Spielen, davon zwei gegen Deutschland in der Qualifikation für die EM 2004, zurück. Vogts begründete in der Öffentlichkeit die Beendigung seiner Tätigkeit als Nationaltrainer nicht mit dem ausgebliebenen sportlichen Erfolg der (auch vor und nach seiner Amtszeit nicht sonderlich erfolgreichen) schottischen Nationalmannschaft. Er erklärte vielmehr, für viele Sportjournalisten überraschend, dass durch andauernde Belästigungen und Schmähungen aufdringlicher schottischer Fußballfans, die sogar seine Privatsphäre angetastet hätten, die zur Fortführung seiner Arbeit notwendige ruhige und sachliche Atmosphäre nicht mehr gegeben gewesen wäre.

Nigeria

Nach längerer Abwesenheit vom Fußball, wurde Vogts am 15. Januar 2007 überraschend zum Cheftrainer der nigerianischen Nationalmannschaft ernannt und erhielt bei den „Super Eagles“ einen Vertrag bis 2010. Die ehemaligen Nationalspieler Thomas Häßler, Uli Stein und später Steffen Freund machte er zu seinen Trainer-Assistenten.[35][36] In Nigeria arbeitete Vogts unter schwierigen Bedingungen, denn der Fußballverband NFF war von anhaltenden organisatorischen Problemen, personellen Konflikten und Vorwürfen der Misswirtschaft geprägt.[37] Im Vorfeld des Afrika-Cups 2008 zählten die Nigerianer zu den Turnierfavoriten und die Erwartungen waren hoch. Die Mannschaft verfügte über etablierte Profis aus der englischen Premier League wie John Obi Mikel, Obafemi Martins, Joseph Yobo oder Yakubu Aiyegbeni, tat sich jedoch in der Gruppenphase schwer und schied im Viertelfinale, trotz Überzahl, gegen den Gastgeber Ghana (1:2) aus.[38][39][40] Nach dem Turnier geriet der ohnehin umstrittene Trainer für seine defensive Spielweise massiv unter Druck und Teile der nigerianischen Presse stellten seine Arbeit infrage. Vogts, der zunächst einen Rücktritt ausgeschlossen hatte, zog die Konsequenzen und kündigte am 20. Februar 2008 seinen Vertrag fristlos.[41][42]

Aserbaidschan

Am 4. April 2008 unterschrieb er als Trainer der aserbaidschanischen Nationalmannschaft einen Vertrag mit Laufzeit bis 2009. Nach erfolgreichen Resultaten wurde der Vertrag mit der AFFA bis zum Ende der Qualifikationsrunde zur EM 2012 verlängert. Dabei traf er sowohl in der Qualifikation für die WM 2010 als auch in der Qualifikation für die EM 2012 auf die deutsche Mannschaft. Er ist damit der erste deutsche Trainer, der sechsmal mit einer anderen Nationalmannschaft gegen Deutschland antrat. Am 11. November 2011 saß er beim Spiel gegen Albanien zum 200. Mal als Nationaltrainer auf der Bank, davon 41-mal für Aserbaidschan. Nur fünf Nationaltrainer haben mehr Länderspiele. Ende Oktober 2011 hatte Vogts zunächst seinen Abschied aus Aserbaidschan angekündigt, am 30. November verlängerte er aber seinen Vertrag bis 2014.[43][44]

Vogts im Jahr 2012

Im Dezember 2013 verlängerte er seinen Vertrag um zwei weitere Jahre und führte Aserbaidschan in die Qualifikation zur EM 2016.[45] Vogts agierte während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, bei der die USA in der Vorrunde auch auf Deutschland traf, als Scout und Technischer Berater für die Fußballnationalmannschaft der Vereinigten Staaten.[46] Die Arbeit als Nationaltrainer Aserbaidschans beendete Vogts am 17. Oktober 2014 aus eigenem Antrieb. Der misslungene Start in die Qualifikation zur EURO 2016 und die fehlende Perspektive gaben dafür den Ausschlag.[47] Seit März 2015 war Vogts erneut als Berater der US-Amerikaner tätig und unterstützte Trainer Jürgen Klinsmann unter anderem bei der Copa América Centenario 2016.[48]

Privates

Berti Vogts lernte seine spätere Ehefrau Monika, die als Flugbegleiterin arbeitete, während der WM 1974 kennen. Das Paar heiratete im Juni 1979 und hat einen Sohn (Justin *1988). Nachdem die Beziehung lange als skandalfrei galt, folgte nach 24 Ehejahren im Sommer 2003 die Trennung.[49][50]

Vogts lebt in Kleinenbroich, einem Ortsteil von Korschenbroich am Niederrhein (Rhein-Kreis Neuss). Zeitweise war er Mitglied des Kirchenvorstands seiner Heimatgemeinde St. Dionysius.[51] Im Januar 2015 wurde ihm am Universitätsklinikum Tübingen operativ eine künstliche Herzklappe eingesetzt.[52]

Verschiedenes

  • Am 28. Februar 1976 war Vogts Gast in der damals populären Musiksendung disco mit einer Gesangseinlage an der Seite von Moderator Ilja Richter.[53]
  • Am 3. Mai 1977 hatte Vogts einen Gastauftritt in der Sendung Nonstop Nonsens mit Dieter Hallervorden.
  • Vogts übernahm in der am 10. Januar 1999 ausgestrahlten Tatort-Folge 403 des NDR (Habgier) eine Komparsenrolle. Er brachte seinem Nachbarn das vor die Tür gesetzte Kaninchen zurück, wodurch die gesamte Familie vor einer Gasexplosion gerettet wurde.[54]
  • Auf der Single Bayern hat verloren (1995) der Popband Norbert & die Feiglinge existiert ein weiterer Titel über Vogts namens Mitleid mit Berti Vogts.
  • 1994 sang Stefan Raab in seiner Sendung „Vivasion“ während der Berichterstattung zur Fußball-WM in den USA live einen spöttischen Rap-Song über den damaligen Bundestrainer Berti Vogts. Kurz darauf veröffentlichte er das Lied als Stefan Raab & die Bekloppten unter dem Titel Böörti Böörti Vogts; es erreichte im Juli 1994 Platz vier der deutschen Hitparade.

Titel, Erfolge und Ehrungen

Berti Vogts (untere Reihe, 3. von rechts) nach dem Finalspiel der WM 1974 in München

als Spieler

als Trainer

  • Vize-Europameister: 1992
  • Europameister: 1996

als Co-Trainer

Ehrungen

Literatur

  • Vogts, Berti. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 1286.
Commons: Berti Vogts – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Berti Vogts wurde als Kind für Tod seines Vaters verantwortlich gemacht
  2. WM 1994 – Elf Helden, ein Albtraum - Staffel 1 der Serie - jetzt streamen! Abgerufen am 6. Juni 2026.
  3. Vom Fettnäpfchen auf den Thron auf berliner-zeitung.de vom 2. Juli 1996, abgerufen am 28. Januar 2015.
  4. Der sprachlose Berti auf spiegel.de vom 7. September 1998, abgerufen am 28. Januar 2015.
  5. Berti Vogts wurde als Kind für Tod seines Vaters verantwortlich gemacht
  6. Berti Vogts - Ein Weltmeister ganz nah
  7. Berti Vogts entführt in die Welt des Fussballs
  8. Borussia erlebte vor 60 Jahren ein Debüt voller Premieren
  9. Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler : das Lexikon. SVB Sportverlag, Berlin 1997, ISBN 3-328-00749-0, S. 510
  10. 30. Dezember 1946 - Fußball-Legende Berti Vogts wird geboren
  11. 60 Hans-Hubert "Berti" Vogts: "Terrier" und Rekord-Fohlen
  12. Berti Vogts: Unterschätzt, unverwüstlich, unvergessen
  13. Jürgen Bitter: Deutschlands Fußball-Nationalspieler : das Lexikon. SVB Sportverlag, Berlin 1997, ISBN 3-328-00749-0, S. 510.
  14. Das verflixt-verbissene Leben des Berti Vogts
  15. Fohlen im Rausch
  16. Kicker-Rangliste Berti Vogts
  17. Die Würde des kleinen Mannes
  18. Der kämpferischste Weltmeister von 1974
  19. Vor 40 Jahren verlor Borussia ihr größtes Endspiel
  20. Berti Vogts: Der ewige Borusse
  21. UEFA-Cup 1979: Letzter Triumph für lange Zeit
  22. Günter Netzers Verneigung vor Berti Vogts
  23. DFB-Datencenter
  24. Peter Burkhardt: Jubel in Hörweite der Folterkammern. In: Süddeutsche Zeitung, 25. Juni 2008.
  25. Blitzstart in neue Karriere
  26. Sport für Trainerstab von Berti Vogts
  27. Vogts Modell in Leverkusen - Wer hat hier das Sagen?
  28. Berti legt los
  29. Vogts vor dem Rausschmiss?
  30. Die Zeit von Berti Vogts läuft ab
  31. Nur 189 Tage für Berti Vogts
  32. Vogts wird Nationaltrainer Kuwaits
  33. Berti Vogts der neue Wüstenfuchs
  34. Bilanz auf rsssf.org
  35. Vogts baut auf Häßler und Stein
  36. "Freue mich wahnsinnig": Berti Vogts trainiert Nigeria
  37. Nationaltrainer als Mädchen für alles
  38. Vogts scheitert im Viertelfinale
  39. Out of Afrika
  40. "Das tue ich mir nicht nochmal an"
  41. Vogts schließt Rücktritt als Trainer Nigerias aus
  42. Vogts kündigt fristlos
  43. FIFA.com: Vogts vor Abschied aus dem Kaukasus (Memento vom 24. Januar 2012 im Internet Archive)
  44. FIFA.com: Vogts bleibt doch Nationaltrainer (Memento vom 9. Juli 2012 im Webarchiv archive.today)
  45. dfb.de: „Ex-Bundestrainer Vogts verlängert in Aserbaidschan“ (Memento vom 13. August 2014 im Internet Archive)
  46. Spiegel Online: Klinsmann holt Vogts als Berater vom 31. März 2014.
  47. Vogts verlässt Aserbaidschan. In: fussball-em-total.de. FUSSBALL-EM-total, 17. Oktober 2014, abgerufen am 17. Oktober 2014.
  48. Treffen der 96er-Europameister in Paris. In: dfb.de. 17. Juni 2016, abgerufen am 20. Juni 2016.
  49. Monika geht auf Berti los
  50. Berti und Monika: Ehe vor dem Ende
  51. Stars und Sternchen aus Korschenbroich
  52. Berti Vogts auf der Intensivstation
  53. Trainer lügen nicht - Berti Vogts als Sänger und Schauspieler
  54. Der unvergessene Auftritt des Berti Vogts

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Datum : 21 mei 1975
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Bundesarchiv Bild 183-N0716-0314, Fußball-WM, BRD - Niederlande 2-1a.jpg
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Kurztitel: Fußball-WM, BRD - Niederlande 2:1

Es folgt die historische Originalbeschreibung, die das Bundesarchiv aus dokumentarischen Gründen übernommen hat. Diese kann allerdings fehlerhaft, tendenziös, überholt oder politisch extrem sein. Sachkorrekturen und alternative Beschreibungen sind von der Originalbeschreibung getrennt vorzunehmen. Zusätzlich können Sie dem Bundesarchiv Fehler melden.


Historische Originalbeschreibung: 

ADN-ZB-Mittelstädt-16.7.74-wen-München: X. Fußball-Weltmeisterschaft- Endspiel BRD gegen Niederlande 2:1 am 7.7.74- Johannes Cruyff (Niederlande, Mitte) setzt sich hier gegen die beiden BRD-Spieler Berti Vogts (2.von links) und Uli Hoeness (rechts) durch.

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