Beregowoje (Kaliningrad, Baltijsk)

Siedlung
Beregowoje
Tenkitten

Береговое
FöderationskreisNordwestrussland
OblastKaliningrad
StadtkreisBaltijsk
Erste Erwähnung1493
Frühere NamenTenkyten (nach 1493);
Tenkitten (bis 1946)
Bevölkerung13 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
ZeitzoneUTC+2
Kfz-Kennzeichen39, 91
OKATO27 405 000 009
Geographische Lage
Koordinaten54° 44′ N, 19° 58′ O
Beregowoje (Kaliningrad, Baltijsk) (Europäisches Russland)
Lage im Westteil Russlands
Beregowoje (Kaliningrad, Baltijsk) (Oblast Kaliningrad)
Lage in der Oblast Kaliningrad

Beregowoje (russisch Береговое, deutsch Tenkitten, litauisch Tenkytai) ist ein wohl 4000 Jahre altes Dorf im Samland, westlich von Primorsk (Frischhausen). Früher im Hinterland, liegt es heute durch den Landabbruch an der Ostsee.[2] Beregowoje liegt in der russischen Oblast Kaliningrad und gehört zum Stadtkreis Baltijsk.

Geographische Lage

Die Lage Tenkittens im Südwesten des Samlandes bei Fischhausen am Frischen Haff (1938). (Im Südwesten von Tenkitten der Standort des St.-Adalbert-Kreuzes, siehe Text.)

Bergowoje liegt 34 Kilometer westlich der Oblasthauptstadt Kaliningrad (Königsberg) und drei Kilometer von der früheren Kreisstadt Primorsk (Fischhausen) entfernt, es ist über eine unwegsame Straße in westlicher Richtung von der Regionalstraße 27A-016 (ex A193) aus zu erreichen. Die nächste Bahnstation ist Primorsk-Nowy an der Bahnstrecke Kaliningrad–Baltijsk (Königsberg–Pillau).

Geschichte

Strandhalle in Tenkitten (vor 1900)

Das kleine Dorf Tenkitten[3][4] wurde 1493 erstmals urkundlich erwähnt, obwohl es sich hier um viel älteres Siedlungsland handelt. Im Mittelalter hatte es für den Deutschen Orden Scharwerk zu leisten. Um 1831 hatte die Gemarkung des Dorfs – überwiegend Lehmboden enthaltend – eine Flächengröße von 476 Morgen, und es befanden sich hier sieben Ackergüter.[5] Um 1825 war hier ein Erbpachtgut mit 135,8 Morgen im amtlichen Schätzwert von 1006 Talern zum Kauf angeboten worden.[5]

Im Jahre 1874 wurde der Ort dem Amtsbezirk Lochstädt[6] (russisch: Pawlowo, nicht mehr existent) zugeteilt. Er gehörte zum Landkreis Fischhausen im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Im Jahre 1914 wurde Tenkitten selbst Amtsdorf und blieb es bis 1945. Im Jahr 1928 wurde die Nachbargemeinde Kalkstein (russisch nach 1945: Uspeschnoje, nicht mehr existent) an Tenkitten angeschlossen.

Im Jahr 1945 wurde Tenkitten zusammen mit dem nördlichen Ostpreußen in Kriegsfolge unter sowjetische Verwaltung gestellt. Der Ort erhielt zu einem unbekannten Zeitpunkt die russische Bezeichnung Beregowoje und wurde der Stadt Primorsk unterstellt. Von 2008 bis 2018 gehörte Beregowoje zur Stadtgemeinde Baltijskoje gorodskoje posselenije im Rajon Baltijsk und seither zum Stadtkreis Baltijsk.

Bevölkerungsentwicklung

JahrEinwohner[7]Anmerkungen
1816062[8]
1831076[5]
1910114[9]
1933216[10] einschließlich Kalkstein
1939258[10] einschließlich Kalkstein
2010013[11]

Amtsbezirk Tenkitten (1914–1945)

Am 14. März 1914 wurde Tenkitten Sitz und namensgebender Ort eines Amtsbezirks,[12] der durch Umbenennung des bisherigen Amtsbezirks Lochstädt (russisch: Pawlowo) gebildet wurde. Er gehörte zum Landkreis Fischhausen, von 1939 zum Landkreis Samland im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen. Es waren eingegliedert: die Landgemeinde Kalkstein (russisch: Uspeschnoje, später in die Landgemeinde Tenkitten eingegliedert), die Landgemeinde Legehnen (Popowka, später zu Dargen) und der Gutsbezirk Kobbelbude, Forst (später zu Tenkitten) sowie der Amtssitz Tenkitten.

Am 24. März 1930 wurden auch die drei Landgemeinden des aufgelösten Amtsbezirks Domäne Fischhausen in den Amtsbezirk Tenkitten integriert, die – zusammen mit Tenkitten – auch noch am 1. Januar 1945 dem Tenkittener Amtsbezirk – er trat 1939 dem Landkreis Samland bei – zugehörten: Dargen (russisch: Lunino), Gaffken (Parusnoje) und Sanglienen (Chmeljowka, nicht mehr existent).

„Tenkitter Riegel“

In der Endphase der Kriegshandlungen lag Tenkitten 1945 im Fokus der militärischen Auseinandersetzungen. Mit letzter Kraft verteidigte die deutsche Wehrmacht unter hohen Verlusten den sogenannten Tenkitter Riegel, um das Vordringen der Roten Armee auf die Hafenstadt Pillau möglichst lange hinauszuzögern. Damit wurde der Aktion „Flucht über See“ noch neun weitere Tage vom 16. bis 25. April 1945 die Möglichkeit geboten, Flüchtlinge mit Schiffen oder durch Übersetzen auf die Frische Nehrung zu retten.

Kirchspiel

Tenkitten besaß im Zeitraum 1424–1669 ein eigenes Gotteshaus, die Sankt-Adalbert-Kapelle, die außerhalb des Dorfkerns südwestlich von Tenkitten in Küstennähe stand und die der Ordensmarschall Ludwig von Lanse († 1451) zum Gedenken an den im April 997 in dieser Gegend wahrscheinlich erlittenen Märtyrertod des römisch-katholischen Missionars Adalbert von Prag gestiftet hatte. Im Zuge der Reformation wurde die Kapelle 1525 zu einer evangelischen Pfarrkirche umgewidmet. Die Kapelle stürzte 1669 während eines schweren Sturms teilweise ein und wurde danach nie wieder hergerichtet. Im 18. Jahrhundert wurde an ihrem ehemaligen Standort ein eisernes Kreuz errichtet.

Bis zum Jahre 1945 war Tenkitten in das evangelische Kirchspiel der Pfarrgemeinde in Lochstädt eingegliedert, dessen Pfarrer in Tenkitten wohnten und das zum Kirchenkreis Fischhausen (Primorsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute liegt Beregowoje im Einzugsbereich der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Swetly, einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad in der Propstei Kaliningrad[13] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Der Marienaltar

Marienaltar aus der St.-Adalbert-Kapelle bei Tenkitten

Der Marienaltar aus der St.-Adalbert-Kapelle bei Tenkitten im Samland zeigt die Krönung der Mutter Gottes in der Mitte sowie die Hl. Barbara und den Hl. Jakobus auf den Seitenflügeln. Dieser Altar von 1504 – vermutlich aus einer Nürnberger Werkstatt – war ein gemeinschaftliches Geschenk des Hochmeisters Friedrich von Meißen, des Lochstädter Pflegers von Reitzenstein und des Bernsteinmeisters Leo von Waiblingen an die Kirche in Tenkitten. Nach dem Einsturz der Kapelle gelangte er kurzzeitig in die Burgkapelle Lochstedt, wurde aber bald darauf verkauft. Es ist daraus zu schließen, dass auch Lochstedt immer ein Ort der Verehrung des Heiligen Adalbert gewesen ist. Ende der 1660er Jahre erwarb Herr von Blell–Tüngen den Altar und spendete ihn nebst vielen anderen Sammlerstücken der Marienburg. Heute ist der Altar im Marienburger Museum zu besichtigen.

St.-Adalbert-Kreuz

Das St.-Adalbert-Kreuz bei Tenkitten

Auf dem Gelände noch erkennbarer Ruinenreste[5] der St.-Adalbert-Kapelle wurde 1822 ein 9,5 m hohes Holzkreuz aus einem Eichenstamm errichtet, das den Stürmen nicht lange standhielt.[14]

Die polnische Gräfin Wielopolska stiftete ein fast ebenso hohes Eisenkreuz (8,78 m), weil sie im Novemberaufstand 1831 in Fischhausen Zuflucht gefunden hatte.[15][16] Graf Dohna-Wundlaken, Konsistorialpräsident in Königsberg i. Pr., ließ die eisernen Ranken einarbeiten.[17] Das Kreuz stand bis zur Schlacht um Königsberg im April 1945.[14] Zum 1000-jährigen Jubiläum des Martyriums des hl. Adalbert im Jahr 1997 wurde ein neues Kreuz errichtet.

Literatur

  • Friedrich Wilhelm Lange: Nachtrag zu der im Provinzial-Blatte November-Heft 1834 befindlichen Beschreibung des bei Tenkitten errichteten St. Adalbert-Kreuzes. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 17, Königsberg 1837, S. 385–386.
  • Friedrich Wilhelm Lange: Nachricht über das bei Tenkitten zum Andenken St. Adalberts errichtete eiserne Kreuz. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 12, Juli–Dezember 1834, S. 441–454.
  • Ernst August Hagen: Ueber die St. Adalberts-Kapelle in Tenkitten. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Band 5, Königsberg 1848, S. 256–276.
  • Leopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirthschaftlich dargestellt. Nach amtlichen Quellen. Teil I: Provinz Preussen. Berlin 1833, S. 133.
  • Tenkitten, in: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Tenkitten).

Weblinks

Commons: Beregowoje – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. R. Kuhlemann: Das Dorf Tenkitten
  3. Tenkitten bei genealogy.net
  4. D. Lange, Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Tenkitten (bei russischer Bezeichnung sowie Gründungsjahr bedauerlicherweise Verwechselung mit Tenkieten)
  5. a b c d Leopold Krug: Die Preussische Monarchie; topographisch, statistisch und wirthschaftlich dargestellt. Nach amtlichen Quellen. Teil I: Provinz Preussen. Berlin 1833, S. 133.
  6. Rolf Jehke, Amtsbezirk Lochstädt/Tenkitten
  7. Volkszählungsdaten
  8. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 10, Ziffer 367.
  9. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Fischhausen
  10. a b Michael Rademacher: Samland. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.>
  11. Gemäß der Volkszählung
  12. Rolf Jehke, Amtsbezirk Tenkitten
  13. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad (Memento vom 29. August 2011 im Internet Archive)
  14. a b Robert Kuhlemann: Das Adalbertskreuz
  15. Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002, ISBN 3-88189-441-1
  16. Friedrich Wilhelm Lange: Nachricht über das bei Tenkitten zum Andenken St. Adalberts errichtete eiserne Kreuz. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 12, Juli–Dezember 1834, S. 441–454.
  17. Friedrich Wilhelm Lange: Nachtrag zu der im Provinzial-Blatte November-Heft 1834 befindlichen Beschreibung des bei Tenkitten errichteten St. Adalbert-Kreuzes. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 17, Königsberg 1837, S. 385–386.

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alte Postkarte aus Tenkitten mit der Strandhalle und einem Fischerboot
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Fotografie des zweiten St. Adalbertkreuzes in Tenkitten, Samland, Ostpreußen
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Marienaltars aus Tenkitten im Samland zeigt Krönung der Mutter Gottes im mittleren Schrank sowie die Hl. Barbara und der Hl Jacobus auf den Seitenflügeln. Dieser Altar von 1504 – vermutlich aus einer Nürnberger Werkstatt – war ein gemeinschaftliches Geschenk des Hochmeisters Friedrich von Meißen, des Lochstädter Pflegers von Reitzenstein und des Bernsteinmeisters Leo von Waiblingen an die Kirche in Tenkitten. Nach dem Einsturz der Kirche am 24. November 1669 gelangte er in die Burgkapelle Lochstäedt, wurde aber bald darauf verkauft. Später erwarb Herr von Blell–Tüngen den Altar und spendete ihn nebst vielen anderen Sammlerstücken der Marienburg. Heute ist sie im Marienburger Museum zu besichtigen.
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Ausschnitt aus einer Landkarte des Samlands