Hochschule für Philosophie München

Hochschule für Philosophie München
Gründung1925 in Pullach,
seit 1971 in München
Trägerschaftkirchlich (Jesuitenorden)
OrtMünchen
BundeslandBayern
LandDeutschland
PräsidentJohannes Wallacher
Studierende424 (Wintersemester 23/24)[1]
Mitarbeiter39 (2026)[2]
davon wissensch.18 (2026)[3]
davon Professoren9 (2026)[4]
NetzwerkeERASMUS, Magis Exchange, IAJU, DAAD
Websitewww.hfph.de

Die Hochschule für Philosophie München (HFPH) ist eine staatlich anerkannte Hochschule in Trägerschaft der Gesellschaft Jesu.

Die Hochschule in der Kaulbachstraße in München liegt in unmittelbarer Nähe der Staatsbibliothek München und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Studiengänge der Philosophie können mit Bachelor und Master abgeschlossen werden, auch Promotion und Habilitation sind möglich. Daneben gibt es verschiedene Weiterbildungsangebote.

An der Hochschule unterrichten neun Professoren, hinzu kommen wissenschaftliche Mitarbeiter und Lehrbeauftragte.

Ziele

Innenhof der HFPH

Gemäß der Satzung[5] sind Ziel und Aufgabe der Hochschule für Philosophie München:

  • Philosophie zu treiben und die Kenntnis der Philosophiegeschichte zu fördern;
  • die Beziehungen zwischen Philosophie und anderen Wissenschaften, insbesondere der Theologie, zu reflektieren;
  • die Erkenntnisse der Philosophie für das Leben und Zusammenleben der Menschen nutzbar zu machen.

Geschichte

Die Hochschule wurde 1925 von dem späteren Kardinal Bea als Berchmanskolleg in Pullach bei München gegründet. Der Name stammte von dem 1621 verstorbenen und 1888 heiliggesprochenen flämischen Jesuitenstudenten Jan Berchmans. Das Berchmanskolleg war ursprünglich ein der Ausbildung der Jesuiten gewidmetes Studienhaus, in dem die Studenten und Dozenten der Gesellschaft Jesu wohnten und lebten. In diesem Ordenshaus fanden zugleich die auf das Theologiestudium ausgerichteten philosophischen Vorlesungen statt. Bereits in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens erreichte die Ordenshochschule einen hervorragenden wissenschaftlichen Ruf als philosophische Ausbildungsstätte.

In der Zeit des Nationalsozialismus war das Berchmanskolleg ein Treffpunkt der Widerstandskämpfer des Kreisauer Kreises. Eine 1997 angebrachte Gedenktafel am Eingang der heutigen Ordensniederlassung in der Münchner Kaulbachstraße erinnert noch heute an die Jesuiten Augustin Rösch, Rupert Mayer, Lothar König und Alfred Delp.[6]

Schon ab 1945 hat die Ordenshochschule alljährlich einige nicht dem Orden angehörende Studenten aufgenommen.

Im Jahre 1971 wurde die Hochschule von Pullach nach München verlegt. Dem Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprechend, öffnete sich die Hochschule allen Studierenden, ungeachtet der Religionszugehörigkeit. Seitdem wird der Name Berchmanskolleg nur für die Ordensniederlassung in der Münchner Kaulbachstraße verwendet. Die Pullacher Gebäude beherbergen heute die erzbischöflichen Tagesheimschulen Pullach.

Philosophische Tradition

Aula der HFPH

Die philosophische Tradition der Hochschule war bis in die 1970er Jahre vom Denken der Neuscholastik geprägt. Man orientierte sich vor allem an der Schule des Thomas von Aquin und anderer Klassiker des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die Zeit ab 1938 gilt als ihre klassische Periode. Hier stand die Hochschule unter dem Einfluss von drei Professoren, die als das „Pullacher Dreigestirn“ galten: Josef de Vries (1898–1989), der vor allem Erkenntnistheorie, aber auch nahezu alle anderen Fächer dozierte und über 30 Jahre der Dekan der Fakultät war, Walter Brugger (1904–1990), der das bekannte „Philosophische Wörterbuch“ herausgab und eine große „Summe einer philosophischen Gotteslehre“ verfasste, und Johannes B. Lotz (1903–1992), der sich darum bemühte, die Philosophie der Neuscholastik mit dem Denken Martin Heideggers zu vermitteln.[7]

Mit der Emeritierung der drei verschwand ab den 1970er Jahren zunehmend die Vorherrschaft des scholastischen Erbes, und es erfolgte eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Gegenwartsphilosophie wie der Phänomenologie, der Existenzphilosophie, der sprachanalytischen Philosophie und der Philosophie des Geistes.

Heute zählen zu den Forschungsschwerpunkten[8] u. a. die Philosophische Anthropologie und Philosophie des Geistes, Praktische Philosophie und angewandte Ethik sowie Religionsphilosophie und Philosophische Gotteslehre. Die Hochschule verfügt über verschiedene Forschungseinrichtungen:

Diese Schwerpunkte werden durch das Third-Mission-Institut „Zentrum für Globale Fragen“[18] (Gründung: 1971, als „Institut für Gesellschaftspolitik“) ergänzt.

Studiengänge

Bibliothek der HFPH

An der Hochschule können die folgenden Studiengänge belegt werden:

  • Ein-Fach-Bachelorstudiengang ohne Nebenfach in Philosophie (180 ECTS)[19]
  • Konsekutiver Master in Philosophie (120 ECTS)[20]
  • Promotion in Philosophie zum Dr. phil.[21]

Modulstudium (Abschluss mit Zertifikat):

  • Philosophisches Orientierungsjahr (60 ECTS)[22]
  • Philosophicum“ (60–80 ECTS)[23]
  • Modulstudien Philosophie (für TUM- Studierende)[24]

Weitere Studienangebote:

  • Zertifikat "Philosophie und Leadership"[25]

Im Bereich der Weiterbildung hat die Hochschule folgende Angebote:

  • Weiterbildender Master Ethik (120 ECTS)[27] mit den Schwerpunkten
    • Ethik des interkulturellen Dialogs
    • Medizinethik
    • Wirtschaftsethik
  • Berufsbegleitende Modulstudien (je 36 ECTS) mit den Schwerpunkten:
    • Ethik des interkulturellen Dialogs[28]
    • Medizinethik[29]
    • Wirtschaftsethik[30]

Kontroverse

Aufsehen erregte die Hochschule 2025, als sie den Philosophen Sebastian Ostritsch zu einem Vortrag über Thomas von Aquins Nachdenken über Gottesbeweise und Immanuel Kants Kritik daran einlud und ihn wieder auslud, nachdem Studenten Ostritsch im Internet als „rechtsextremistischen Fundamentalisten“ bezeichnet hatten und ihm eine „gefährliche politische Agenda“ vorgeworfen worden war.[31][32] Die Hochschulleitung ließ erklären, sie sei „zu der Einschätzung gelangt, dass unter den gegebenen Begleitumständen der intendierte akademische Diskurs über Gottesbeweise nicht mehr gewährleistet werden konnte, weil er von anderen Themen überlagert werden würde“.[33] Die Zeit ordnete diese Absage als Cancel Culture ein, das „Einknicken der Hochschulleitung angesichts einiger Protestler“ sei ein „beschämender Vorgang“.[34] Auch weitere Medien wie die NZZ ordneten diese Ausladung als Canceln ein,[35] Gustav Seibt nannte den Vorgang in der Süddeutschen Zeitung ein „Theater der Diskursverweigerung“.[36] Die Hochschule betonte in einer offiziellen Stellungnahme, dass sie „einem rationalen und wertschätzenden Austausch von Argumenten“ verpflichtet ist und zur „Freiheit von Forschung, Lehre und Rede“ steht.[37] Die Buchvorstellung sei abgesagt worden, weil ein geordneter wissenschaftlicher Austausch angesichts der polarisierenden Äußerungen des Publizisten Ostritsch zu gesellschafts- und kirchenpolitischen Themen nicht gewährleistet werden konnte. Mehrere Medienberichte kommen zu der Einschätzung, dass sich der Fall Ostritsch nicht allein auf die Wissenschaftsfreiheit reduzieren ließe. Der Theologe Markus Striet kommentiert auf katholisch.de, dass das „Hochhalten der Wissenschaftsfreiheit erstaunt“.[38] Die Kirchenzeitung Kirche + Leben berichtet von der Solidaritätsbekundung des Rechtsradikalen Martin Sellner,[39] das Sonntagsblatt ordnet die Absage als „Deplatforming“ ein und verweist darauf, dass in Artikeln und Social-Media-Postings Ostritschs regelmäßig Begrifflichkeiten Verwendung finden würden, „die als ‚dog whistles‘ für die neue Rechte verstanden werden können. Die Nutzung solcher ‚dog whistles‘ […] ist in der neuen Rechten eine weit verbreitete Strategie, um die eigene Position innerhalb der Bewegung durch Codes klarzumachen, ohne offen rechte oder rechtsextreme Sprache zu verwenden.“[40]

Präsidenten

Fakultät

Lehrende Professoren

Emeritierte Professoren

Verstorbene Professoren

Alumni und weitere Studierende

Alumni (Auswahl)

Weitere Studenten (Auswahl)

  • Erwin Teufel (* 1939), CDU-Politiker und von 1991 bis 2005 Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, studierte von 2005 bis 2008 (5 Semester) an der Hochschule, ohne einen Abschluss anzustreben; er gehört somit nicht zu den Alumni.

Literatur

  • Julius Oswald SJ (Hrsg.): Schule des Denkens. 75 Jahre Philosophische Fakultät der Jesuiten in Pullach und München. Kohlhammer, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-17-016701-8.

Anmerkungen

  1. Statistischer Bericht - Statistik der Studierenden - Wintersemester 2023/2024. (XLSX; 1,1 MB) Statistisches Bundesamt, abgerufen am 16. April 2026.
  2. Personen. In: hfph.de. Abgerufen am 21. April 2026.
  3. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen. In: hfph.de. Abgerufen am 21. April 2026.
  4. Professuren. In: hfph.de. Abgerufen am 25. Oktober 2025.
  5. Satzung der Hochschule für Philosophie München
  6. Helga Pfoertner: Mit der Geschichte leben. Bd. 1, Literareron, München 2001, ISBN 3-89675-859-4, S. 47–50 (PDF; 1,1 MB (Memento vom 28. April 2014 im Internet Archive))
  7. Vgl.Vortrag von Gerd Haeffner am 14. November 2003 über Johannes B. Lotz (Memento vom 29. Mai 2014 im Internet Archive), S. 5–18 (pdf; 234 kB)
  8. Forschungsprofil - Hochschule für Philosophie München
  9. https://www.hfph.de/forschung/wissenschaftliche-einrichtungen/religionsphilosophie
  10. Globale Solidarität - Hochschule für Philosophie München
  11. Institut für naturwissenschaftliche Grenzfragen
  12. Wolfhart Pannenberg-Forschungsstelle
  13. https://www.hfph.de/forschung/wissenschaftliche-einrichtungen/ethik-und-sozialphilosophie
  14. https://zemdg.de/
  15. https://www.center-responsible-ai.de/
  16. FoKS – Bayerische Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung. 13. April 2026, abgerufen am 16. April 2026.
  17. Transformatives Forschen. Abgerufen am 16. April 2026.
  18. Zentrum für Globale Fragen (ZGF)
  19. Bachelor Philosophie - Hochschule für Philosophie München
  20. Master Philosophie - Hochschule für Philosophie München
  21. Promotion - Hochschule für Philosophie München
  22. Philosophisches Orientierungsjahr - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  23. Modulstudium Philosophicum - Hochschule für Philosophie München
  24. Modulstudien Philosophie (TUM) - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  25. Philosophie und Leadership - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  26. Gaststudierende - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  27. Master Ethik - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  28. Modulstudium Ethics of Intercultural Dialogue - Hochschule für Philosophie München
  29. Modulstudium Medizinethik - Hochschule für Philosophie München
  30. Modulstudium Wirtschaftsethik - Hochschule für Philosophie München
  31. Louis Berger: Vortragsabsage in München: Was der Fall Sebastian Ostritsch zeigt. In: Bistum Münster, Kirche und Leben. 1. Dezember 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025
  32. Thomas Thiel: Sieg der Intoleranz über die akademische Freiheit. Die Münchner Hochschule für Philosophie beugt sich dem Druck von Aktivisten und sagt einen Vortrag ab. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. November 2025, S. 13.
  33. Hochschule für Philosophie: Stellungnahme: Die HFPH als Ort akademischer Debatten und des offenen Dialogs. 29. November 2025, abgerufen am 17. Dezember 2025.
  34. Alexander Cammann: Sebastian Ostritsch: Wenn Katholiken canceln. In: www.zeit.de. 27. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  35. Elke Bodderas: Interview: Wie ein Katholik von einer Jesuiten-Hochschule gecancelt wurde: «Ich war selber knalllinks». In: www.nzz.ch. 28. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  36. Gustav Seibt: Kulturkampf: Wenn der Gast die falsche Meinung hat. In: www.sueddeutsche.de. 27. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  37. Stellungnahme: Die HFPH als Ort akademischer Debatten und des offenen Dialogs - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 18. Januar 2026 (deutsch).
  38. „Causa Ostritsch“: Auf einmal ist die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr? Abgerufen am 18. Januar 2026.
  39. Kirche und Leben, Münster Germany: Vortragsabsage in München: Was der Fall Sebastian Ostritsch zeigt. 1. Dezember 2025, abgerufen am 18. Januar 2026.
  40. Celine Edinger: Abgesagter Vortrag an Münchner Hochschule: Wo hört Wissenschaftsfreiheit auf? | Sonntags. Abgerufen am 18. Januar 2026.
  41. Dominik Finkelde - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  42. Eckhard Frick - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  43. Julia Inthorn - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  44. Benjamin Rathgeber - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  45. Michael Reder - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  46. Georg Sans - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  47. Barbara Schellhammer - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  48. Johannes Wallacher - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  49. Patrick Zoll - Hochschule für Philosophie München. Abgerufen am 16. April 2026 (deutsch).
  50. https://www.hfph.de/hochschule/nachrichten/alumni-im-portraet-jun-prof-dr-dr-benedikt-goecke
  51. https://fdp-muenchen-west.de/news/dr-lukas-koehler-fuer-sie-in-den-bundestag/
  52. https://www.lukaskoehler.de/
  53. https://presseportal.zdf.de/biografie/Person/stefan-leifert/
  54. https://www.hfph.de/hochschule/nachrichten/alumni-im-portraet-nathalie-von-siemens
  55. Vogt, Katja Maria: Skepsis und Lebenspraxis – Das pyrrhonische Leben ohne Meinungen. Alber, München: 1998. S. 2

Koordinaten: 48° 8′ 56,1″ N, 11° 34′ 59,8″ O

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