Beaumont-le-Roger

Beaumont-le-Roger
Wappen von Beaumont-le-Roger
RegionNormandie
DépartementEure (27)
ArrondissementBernay
KantonBrionne
GemeindeverbandIntercom Bernay Terres de Normandie
Koordinaten49° 5′ N, 0° 47′ O
Höhe84–163 m
Fläche36,51 km²
Einwohner2.813 (1. Januar 2018)
Bevölkerungsdichte77 Einw./km²
Postleitzahl27170
INSEE-Code
Websitewww.beaumont-le-roger.fr

Rathaus (Hôtel de ville)

Beaumont-le-Roger ist eine französische Gemeinde mit 2813 Einwohnern (Stand 1. Januar 2018) im Département Eure in der Region Normandie; sie gehört zum Arrondissement Bernay und zum Kanton Brionne.

Geografie

Die Gemeinde Beaumont-le-Roger liegt im Tal der Risle am Rand des nach Beaumont benannten Waldes. Dieser ist 3600 Hektar groß, erstreckt sich über vier Gemeinden und ist der größte private Wald der Normandie. Der Weiler La Verrerie liegt südwestlich om Ortskern in einem Tal im Wald.

Geschichte

Gallo-römische Büste aus dem Wald von Beaumont

Die Römerstraße von Brionne (Breviodurum) nach Évreux (Mediolanum) verlief durch das heutige Gemeindegebiet.[1] 1882 wurde in Beaumont-le-Roger ein goldener Halbstater der Baiokassen gefunden. Der Avers zeigt einen Kopf, der Revers ein Pferd und eine Inschrift. 1830 führte der Archäologe Charles de Stabenrath im Wald von Beaumont bei der Kapelle Saint-Marc Ausgrabungen durch und fand zwei Gallo-römische Umgangstempel. Die Tempel wurden gegen Ende des 1. oder Anfang des 2. Jahrhunderts gebaut. In den Gebäuden wurden verschiedene Kultgegenstände gefunden, eine Büste und zwei Gefäße aus Bronze. Außerdem fanden die Archäologen mehrere Münzen, eine Statuette, einen Schlüssel, Dachziegel und Scherben. Bei den Münzen handelte es sich um Antoniniane und Sesterzen aus dem 2. und 3. Jahrhundert. Etwa vierhundert weitere Münzen wurden im gleichen Jahr unter einer alten Eiche gefunden. Diese Münzen stammten ebenfalls aus dem 2. und 3. Jahrhundert. 1831 wurden etwa 60 Silber- und Bronzemünzen im Weiler La Verrerie gefunden. Stabenrath erkannte auf einer der Münzen das Abbild von Faustinus (nach 273). 1832 wurden im lieu-dit (‚Ort der genannt wird..‘) Château-Simon im Wald östlich von Gouttières (heute: Mesnil-en-Ouche) unter einem Baum eine Vase mit 4000 bis 5000 Antonianen gefunden, von denen die meisten aus der Regierungszeit des Gallienus (253–268) stammen.[2]

Beaumont war anfangs Besitz der Herzöge der Normandie und wurde im Jahr 1008 zugunsten von Judith von Bretagne, der Ehefrau des Herzogs Richard II., abgetrennt, die das Gebiet an die Abtei von Bernay weitergab. Königliche Domäne bis 1316, als König Ludwig X. Beaumont für Robert III. von Artois zur Grafschaft und Pairie erhob.

Der Namenszusatz le Roger bezieht sich auf Roger de Beaumont, genannt Roger Barbatus, einen mächtigen Adligen des 11. Jahrhunderts und Berater Wilhelms der Eroberers. Roger de Beaumont ließ eine Burg erbauen, die Stadt befestigen, gründete die Kirche Saint-Nicolas und die Priorei La Sainte-Trinité. Im Hundertjährigen Krieg (1337–1453) wurde die Burg geschleift.[3]

Im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) wurde Beaumont-le-Roger am 13. Dezember 1870 von deutschen Truppen eingenommen und verwüstet.[4]

Im Zweiten Weltkrieg (1939–1945) war Beaumont-le-Roger Standort eines deutschen Militärflugplatzes und wurde am 28. Juni 1943, am 22./23. Mai 1944 und am 17. August 1944 durch die Alliierte Luftwaffe bombardiert. Bei den Bombardements im Mai 1944 starben zwei Personen. Es wurden 50 Häuser und die Kirche zerstört. Bei ihrem Rückzug plünderte die Wehrmacht die Stadt, es kam aber zu keinerlei Kampfhandlungen.[5]

Flugplatz Beaumont-le-Roger

Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs entstand im Bereich Le Bourg-Dessus ein Feldflugplatz, erster militärischer Nutzer waren nach Kriegsausbruch die Briten, die sich jedoch im Mai 1940 zurückziehen mussten.

Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht wurde er ab Juli 1940 zu einem Einsatzplatz deutscher Jagdflugzeuge, zunächst des Typs Messerschmitt Bf 109 und später auch Focke-Wulf Fw 190, ausgebaut. Hauptsächlicher Nutzer war das Jagdgeschwader 2 „Richthofen“ der Luftwaffe. Verschiedene Teile inklusive des Stabs lagen hier immer wieder, bis die wiederholten alliierten Luftangriffe einen weiteren Flugbetrieb nicht mehr ermöglichten. Ein weiterer Nutzer war zwischen Juli 1940 und Juni 1941 das Kampfgeschwader 76 (KG 76), anfangs ausgerüstet mit Do 17Z und später mit Ju 88A. Zunächst lag hier bis März 1941 die IV. (IV./KG 76) und dann ab April die I. Gruppe (I./KG 76).

Bevölkerungsentwicklung

  • 1962: 2740
  • 1968: 2871
  • 1982: 2711
  • 1990: 2694
  • 1999: 2818
  • 2009: 2955
  • 2016: 2946

1825 wurde die Ortschaft Les Vieilles eingemeindet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Die Ruine der Priorei
Kirche Saint-Nicolas

Beaumont-le-Roger ist mit zwei Blumen im Conseil national des villes et villages fleuris (Nationalrat der beblümten Städte und Dörfer) vertreten.[6] Die „Blumen“ werden im Zuge eines regionalen Wettbewerbs verliehen, wobei maximal drei Blumen erreicht werden können.

Auf dem Gemeindegebiet gelten kontrollierte Herkunftsbezeichnungen (AOC) für Calvados und Pommeau (Pommeau de Normandie) sowie geschützte geographische Angaben (IGP) für Schweinefleisch (Porc de Normandie), Geflügel (Volailles de Normandie) und Cidre (Cidre de Normandie und Cidre normand).[7]

In der Kirche von Beaumont-le-Roger steht eine hölzerne Statue des Rochus von Montpellier aus dem 17. Jahrhundert. Die Statue gilt als wundertätig und noch heute hängen Gläubige Bänder oder kleine Wäschestücke an die Statue, um den Segen des Heiligen zu erbitten.[8]

  • Ruinen der Priorei La Sainte-Trinité (11.–13. Jahrhundert)
  • Die Kirche Saint-Nicolas (12.–17. Jahrhundert)
  • Manoir du Hom
  • Wald von Beaumont

Städtepartnerschaften

  • Obersulm, Deutschland
  • Wotton-under-Edge, England

Weblinks

Commons: Beaumont-le-Roger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. VR 17: De Boulogne à Narbonne par l’ouest de la France. In: Itinéraires Romains en France. Abgerufen am 29. Juli 2012 (französisch).
  2. Dominique Cliquet: L’Eure. 27. In: Michel Provost, Academie des inscriptions et belles-lettres, Ministere de la culture (Hrsg.): Carte Archéologique de la Gaule. Fondation Maison des Sciences de l’Homme, Paris 1993, ISBN 2-87754-018-9, Kap. 65, S. 75–77. (französisch)
  3. Daniel Delattre, Emmanuel Delattre: L’Eure, les 675 communes. Editions Delattre, Grandvilliers 2000, S. 27. (französisch)
  4. Alex Gardin: La guerre de 1870–1871 à Bernay. Les Éditions Page de Garde, Saint-Aubin-les-Elbeuf 1997, ISBN 2-84340-037-6, S. 30 (französisch, Erstausgabe: 1898, Nachdruck).
  5. A.-V. de Walle: Évreux et l’Eure pendant la guerre. Charles Herissey, Évreux 2000, ISBN 2-914417-05-5, S. 176+178 (französisch, erstmals 1946 erschienen).
  6. Palmarès des villes et villages fleuris. (Nicht mehr online verfügbar.) Conseil National des Villes et Villages Fleuris, ehemals im Original; abgerufen am 14. August 2011 (französisch).@1@2Vorlage:Toter Link/www.cnvvf.fr (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. La ville de Beaumont-le-Roger. In: Annuaire-Mairie.fr. Abgerufen am 21. Juli 2012 (französisch).
  8. Bernard Verwaerde: A quels saints se vouer?... dans l’Eure. les saints protecteurs et guérisseurs. Editions Page de Garde, Caudebec-lès-Elbeuf 2001, ISBN 2-84340-191-7, S. 105 (französisch).

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Ex-Voto gallo-romain à une divinité indéterminée - fin du Ier siècle ap. J.C. - bronze env. 30 cm - Beaumont-le-Roger, Eure, France - ESUMOPAS CNUSTIOUS (nom gaulois) VSLM (formule abrégée pour : Votum Solvit Libens Merito) - M.A.N. St-Germain-en-Laye - Inv. n° 22299
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Prieuré de la Sainte-Trinité, Beaumont-le-Roger