Arverner

Arvernischer Tempel auf dem Puy de Dôme

Die Arverner (lateinisch Arverni) waren ein keltischer Stamm in der heutigen französischen Region Auvergne.

Der Name des Stammes leitet sich von gallisch arueriatis (nach gegenwärtigem Forschungsstand „der Genugtuung gibt“) her.[1]

Ihr Hauptort war Gergovia (heute: Gergovie), südlich von Clermont-Ferrand und ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. Augustonemetum (heute: Clermont-Ferrand).

Geschichte

Die Arverner wurden erstmals genannt, als sie im 6. vorchristlichen Jahrhundert mit anderen keltischen Stämmen in Italien einfielen.[2] Später, als die Römer begannen, Südgallien zu unterwerfen, unterstützte der Arvernerkönig Bituitus die Allobroger, wurde aber 121 v. Chr. von den Römern besiegt und gefangengesetzt.[3] Die Römer setzten dann seinen Sohn Congonnetiacus (oder Contoniatus) als Klientelkönig ein.

52 v. Chr. führte Vercingetorix von Gergovia, Sohn des Arvernerkönigs Celtillus, den großen Gallieraufstand an, bei dem mit der Schlacht von Gergovia ein bekannter Sieg gelang. Mit der Schlacht um Alesia in der Nähe der mandubischen Stadt Alesia wurde der Aufstand allerdings unter Führung von Gaius Iulius Caesar niedergeschlagen. Danach wurden die Arverner ins Römische Reich eingegliedert.

Kult

Die Arverner hatten zwei bedeutende Heiligtümer: Beim Hauptort Augustonemetum befand sich das Quellheiligtum von Clermont-Ferrand, wo hölzerne Götteridole gefunden wurden. Das Stammesheiligtum befand sich aber auf dem Gipfel des 1465 Meter hohen Puy de Dôme, wo einer der größten gallischen Tempel ausgegraben wurde. Der Hauptgott war nach der Interpretatio Romana Mercurius, der bei den Arvernern unter dem Namen Dumias angerufen wurde, aber außerhalb des Stammesgebietes in der Provinz Germania inferior als Mercurius Arvernus/Arvernorix, wobei die Zusammenhänge nicht geklärt sind. Der fränkische Historiker Gregor von Tours traf den Tempel noch gut erhalten an.[4] Nach Plinius hatten die Arverner den Bildhauer Zenodorus beauftragt, eine Kolossalstatue von Mercurius herzustellen, die 400.000 Sesterzen gekostet habe.[5]

Um das Jahr 256 plünderte der alamannische König Chrocus im Gebiet der Arverner den Tempel von Mercurius Vasso Galate.[4]

Liste der Herrscher der Arverner und andere Persönlichkeiten

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. So dürfte es zwischen Congonnetianus und Celtill noch weitere Herrscher gegeben haben. Auch war nicht jeder unbedingt Herrscher über den gesamten Stamm oder das gesamte Gebiet. Auch dürften sich beim Titel die Eigenwahrnehmung von der durch die Römer unterschieden haben.

Gallischer NameLateinischer NameZeitVerhältnis zum VorgängerTitel
LuernLuerniusMitte des 2. Jhds. v. Chr.König
BetultichBituitusvor −125 bis −121SohnKönig
Congonnetianusnach −121Sohnröm. Klientelkönig
CeltillCeltillusbis −75Vergobret
Gobannitiol−75 bis −52BruderAristokrat
VercingetorixJahr −52NeffeKönig/Vergobret/Heerführer
Epasnactosnach −52

Weitere berühmte Arverner waren der später zum Kaiser erkorene Avitus (455–456), wie auch sein Sohn Ecdicius.

Trivia

In den Asterix-Comics spielen häufig Arverner eine Rolle. Sie werden sowohl im französischsprachigen Original als auch in der deutschen Übersetzung dadurch charakterisiert, dass sie das „s“ wie ein „sch“ aussprechen.[6]

Literatur

  • Der Neue Pauly, Band 2: Arverni, Bituitus.
  • Sylvia Nieto-Pelletier: Catalogue des monnaies celtiques. Band 1: Les Arvernes (Centre de la Gaule). BnF Éditions, Paris 2014, ISBN 978-2-7177-2566-7.
Commons: Arverner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Xavier Delamarre: Dictionnaire de la langue gauloise: Une approche linguistique du vieux celtique continental. Hrsg.: Éditions Errance. 3. Auflage. Arles Cedex / Péronnas 2021, S. 56 f.
  2. Livius, 5,34,5.
  3. Livius: Periochae 61.
  4. a b Gregor von Tours, Historien, 1,32.
  5. Plinius: Naturgeschichte 34, 45ff.
  6. Asterix-Lexikon: Arverner, abgerufen am 30. Dezember 2011.

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