Alleycat


Alleycats (von engl. streunende Katzen) sind Schnitzeljagden durch die Stadt, die mit dem Fahrrad absolviert werden und im fließenden Verkehr stattfinden. Ursprünglich traten dabei Fahrradkuriere und -kurierinnen gegeneinander an, inzwischen nehmen auch andere interessierte Fahrradfahrer und -fahrerinnen teil. Im Jahr 1989 prägte der ehemalige Kurier Johnny „Jet Fuel“ Englar den Begriff „Alleycat Scramble“, der seither diese Form von Straßenrennen bezeichnet.[1][2]
Ablauf
Ein Alleycat bildet auf spielerische Art mehr oder weniger den Kurieralltag ab. Prinzipiell sind verschiedene Kontrollpunkte (Checkpoints) abzufahren. Dabei müssen die Teilnehmenden die schnellste Route zu den Kontrollpunkten ausdenken und planen. Die Wahl des Fahrradtyps bleibt den Teilnehmenden überlassen.[1] Dabei sind meistens Aufgaben zu lösen. Eine solche Aufgabe kann beispielsweise darin bestehen, ein rohes Ei unversehrt zum Ziel zu bringen oder direkt am Checkpoint eine Denksportaufgabe zu lösen. Oft besteht eine Aufgabe auch darin, am Checkpoint etwas zu finden.
Den Streckenablauf und die Aufgaben erfahren die Teilnehmenden erst kurz vor Start durch das sogenannte Manifest, ein Zettel mit Anweisungen. Dabei kann die Reihenfolge der Checkpoints vorgegeben sein oder frei den Fahrenden überlassen werden. Die Strecke kann auch auf zwei Manifeste aufgeteilt sein, wobei die Teilnehmenden das zweite Manifest erst erhalten, wenn ersteres absolviert wurde.
Bei Alleycats steht oft mehr das Gemeinschaftsgefühl als ein Individualsieg im Vordergrund. Oft fahren mehrere Fahrer und Fahrerinnen bei einem Alleycat als Team, um sich damit Vorteile zu verschaffen. Gerne bilden sich Gruppen aus Ortskundigen und Auswärtigen. Es kommt aber auch vor, dass sich die Teams im Laufe des Rennens wieder teilen oder neu bilden, weil sich die Teilnehmenden verlieren oder abgehängt werden. Anders als bei offiziellen Fahrradwettkämpfen gibt es bei Alleycats zusätzliche Preise, beispielsweise für den letzten Platz.[2]
Startnummern werden nicht, wie bei anderen Radrennen, am Trikot getragen. Stattdessen wurden ursprünglich Tarotkarten mit Nummern versehen und zwischen die Speichen des Vorderrades geklemmt. Inzwischen werden die Karten oft aufwändig gestaltet und laminiert, und auch nach dem Rennen gerne als Trophäe im Rad gelassen. Veranstaltungen werden kurzfristig geplant oder regelmäßig durchgeführt, Beispiele sind aus Wien,[3] Graz, Zürich und Basel bekannt.
Geschichte
Das erste dokumentierte Fahrradkurierrennen fand 1895 in Toronto statt. Dabei traten die Kuriere zweier Telegrafenunternehmen auf der Rennbahn von Toronto Island gegeneinander an. 1896 fand in New York ein Rennen für "District Messenger Boys" statt, das vom New York State Division League of American Wheelman organisiert wurde.[1]
Die ersten Fahrradrennen im Alleycat-Stil gab es bereits im frühen 20. Jahrhundert. So gab es in Toronto Rennen, die den Arbeitsalltag von Fahrradkurieren und -kurierinnen nachahmten und im fließenden Verkehr stattfanden. 1989 betitlete der ehemalige Kurier Johnny "Jet Fuel" Englar den Begriff "Alleycat Scramble" für sein jährlich stattfindendes Halloween-Kurierrennen. In einem Interview äußerte Englar, dass die Alleycats ein Rennen für Radenthusiasten und -enthusiastinnen sein sollte und kein Leistungssport. Der Kern der Rennen, so Englar, liege in ihrer Einfachheit, „die städtische Architektur zu durchfahren" und die Stadt damit auf eine einzigartige Weise erleben zu können.[4][5] Ein Teilnehmender mit dem Pseudonym "Buffalo Bill" schreibt über das 6. Halloween Alleycat Scramble Rennen, dass es eher ein Tumult [riot] als ein Rennen war.[6]
In den 1990er Jahren finden ähnliche Rennen bereits in Berlin, London, und San Francisco statt.[7]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Alley cat races Alleycats. Abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ a b Abgefahren: Was ist eigentlich ein Alley Cat Rennen? In: ADFC Frankfurt. Abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ Ivo Mijnssen:Von Kurieren und Rittern. ( des vom 23. Januar 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. In: Velojournal. 6/2007. gesehen 20. Mai 2010. (Alleycat-Rennen in Wien)
- ↑ Alton Barnhart: Human-Powered Rollercoasters: a Brief History of the Alleycat Race - SLUG Magazine. 1. Mai 2015, abgerufen am 27. Mai 2026 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Pete Lord and Derek Chadbourne: The Toronto Story. Abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ Alley cat race - Helloween 1993. Abgerufen am 27. Mai 2026.
- ↑ Messenger Institute for Media Accuracy. Abgerufen am 27. Mai 2026.
Auf dieser Seite verwendete Medien
Autor/Urheber: Patrick G. Stößer, Lizenz: CC BY-SA 2.0 de
Manifest der Deutschen Kuriermeisterschaft DKM 2003 in Dresden. Personenbezogene Angaben auf dem Manifest wurden anonymisiert
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