AGM-130
| AGM-130 | |
|---|---|
AGM-130 der United States Air Force | |
| Allgemeine Angaben | |
| Typ | Luft-Boden-Rakete |
| Heimische Bezeichnung | AGM-130 |
| NATO-Bezeichnung | AGM-130 |
| Herkunftsland | |
| Hersteller | Rockwell International, Boeing |
| Entwicklung | 1984 |
| Indienststellung | 1994 |
| Einsatzzeit | 2013 |
| Stückpreis | 262.00–885.000 USD[1][2] |
| Technische Daten | |
| Länge | 3,95 m |
| Durchmesser | 457 mm |
| Gefechtsgewicht | 1.313–1.360 kg[3] |
| Spannweite | 1.499 mm |
| Antrieb Erste Stufe | Feststoffraketentriebwerk |
| Reichweite | 75 km |
| Ausstattung | |
| Lenkung | INS, GPS, 2-Weg Datenlink |
| Zielortung | CCD-Sensor oder Wärmebildkamera |
| Gefechtskopf | Mark 84, BLU-109 oder BLU-118 |
| Zünder | Aufschlagzünder & Verzögerungszünder |
| Waffenplattformen | Kampfflugzeuge |
| Listen zum Thema | |
Die AGM-130 ist eine vom US-amerikanischen Hersteller Boeing produzierte Luft-Boden-Rakete, welche von 1994 bis 2013 bei der United States Air Force im Einsatz war.
Entwicklung
Die Entwicklung der AGM-130A begann 1984 bei Rockwell International aufgrund einer Bedarfsforderung der United States Air Force (USAF). Diese benötigten eine präzisionsgelenkte Abstandswaffe zur Bekämpfung von stark verteidigten Zielen. Als Ausgangsmuster verwendeten die Entwickler die Gleitbombe GBU-15. Im November 1992 wurden die ersten AGM-130 an die United States Air Force ausgeliefert und 1994 war die Waffe operationell. Die USAF hatte einen Bedarf von rund 3.960 AGM-130. Der wurde aufgrund von Budgetkürzungen auf 1.112 reduziert. Im Jahr 1996 wurde Rockwell von Boeing übernommen. Diese produzierte bis zum Jahr 2000 die letzten Waffen und sorgte für das After-Sales-Management. Zwischen 1999 und 2001 wurden die AGM-130 mit einem GPS-Lenksystem von Honeywell International nachgerüstet. Die Entwicklungskosten für die AGM-130 beliefen sich auf rund 192 Mio. US-Dollar sowie weiteren 11 Mio. US-Dollar für die AGM-130C. Der Stückpreis betrug 262.00–885.000 US-Dollar.[2][3][4][5]
Varianten
Die Varianten der Hauptserien sind fett dargestellt.
- AGM-130A: 1. Serienversion mit Mark 84-Fliegerbombe als Gefechtskopf.
- AGM-130B: Version mit 15 BLU-97- und 75 HB876-Bomblets; Entwicklung eingestellt
- AGM-130C: 2. Serienversion mit BLU-109-Penetrations-Gefechtskopf gegen verbunkerte Ziele.
- AGM-130D: Version mit thermobarem Gefechtskopf BLU-118; nur Kleinserie.
- AGM-130E: Version mit Turbojet-Antrieb; Reichweite bis 230 km; Entwicklung eingestellt
- AGM-130LW (LightWeight): Version mit Mark 83-Fliegerbombe (447 kg) als Gefechtskopf. Für den Einsatz an leichten Kampfflugzeugen wie der F-16 „Fighting Falcon“; nur Kleinserie.
Technik
Die AGM-130 war eine Weiterentwicklung der Gleitbombe GBU-15. Sie war eine präzisionsgelenkte Abstandswaffe für die Bekämpfung von gepanzerten und verbunkerten Bodenzielen. Sie konnte gegen ein breites Spektrum strategischer sowie taktischer Ziele, z. B. Flugabwehr, Brücken, Transporteinrichtungen, Verkehrsanlagen und Bunker eingesetzt werden. Aufgrund der Größe konnten jeweils nur 1–2 Flugkörper von einem Kampfflugzeug mitgeführt werden.[3][6][7]
Im Groben bestand die AGM-130 aus vier Komponenten: in der Lenkflugkörper-Spitze befanden sich hinter einem transparenten Fenster der CCD-Sensor oder die Wärmebildkamera. Letztere verwendete ein Focal plane array mit 256×256 Quecksilber-Cadmium-Tellurid-Elementen. Weiter waren dort vier trapezförmige Stabilisierungsflächen montiert. Dahinter folgte der Gefechtskopf. Dieser konnte aus einer Mark 84-Bombe (907 kg), einer BLU-109 (893 kg) oder einer BLU-118 (995 kg) bestehen. Das Heck wurde größtenteils von der GBU-15 übernommen. Darin war das Trägheitsnavigationssystem mit dem GPS und dem digitalen Autopiloten verbaut. Ebenso waren dort das 2-Weg Datenlink, ein Radar-Altimeter, die Elektronik, die Aktuatoren sowie die Elektrizitätsversorgung untergebracht. Weiter waren dort vier Tragflächen mit Steuerflächen montiert. Oben auf dem Lenkflugkörper-Rumpf waren die 762 mm-Bombenschlösser (30 inch) angebracht. Unter dem Lenkflugkörper-Rumpf war das Feststoffraketentriebwerk montiert. Dieses hatte eine Länge von 2,89 m und einen Durchmesser von 225 mm.[3][8]
Mit der AGM-130 kamen zwei unterschiedliche Angriffsprofile zur Anwendung. Beim direkten Angriffsprofil aktivierte der Waffensystemoffizier den Flugkörper-Suchkopf und nahm damit das Ziel ins Visier. Dabei funktionierte die AGM-130 nach dem Fire-and-Forget-Prinzip, d. h. nach dem Abfeuern flog der Lenkflugkörper selbstständig in das Ziel. Beim indirekten Angriffsprofil wurde der Flugkörper nach einem autonom zurückgelegten Marschflug vom Waffensystemoffizier in Ziel gelenkt. Für die Übertragung der Bilddaten aus dem Lenkflugkörper-Suchkopf musste das Trägerflugzeug mit einem AXQ-14-Datenlink-Pod ausgerüstet sein.
Nach dem Abwurf vom Flugzeug erfolgte zunächst eine kurze antriebslose Phase. Erst in sicherem Abstand zum Flugzeug zündete das Raketentriebwerk. Dieses hatte eine Brenndauer von rund 60 Sekunden und diente nicht der Beschleunigung des Flugkörpers, sondern primär der Beibehaltung der Anfangsgeschwindigkeit. Nach dem Ausbrennen wurde das Raketentriebwerk abgeworfen. Der Marschflug konnte in einer Höhe von 60–6.000 m erfolgen. Des Radar-Altimeter sorgte für den nötigen Sicherheitsabstand zwischen dem Lenkflugkörper und dem Terrain. Beim Start aus einer niedrigen Flughöhe betrug die Reichweite rund 45 km. Aus großer Höhe wurde eine Reichweite von bis zu 75 km erreicht. Der Flug ins Zielgebiet erfolgte autonom mit Hilfe des Autopiloten. 40 Sekunden vor dem Einschlag im Ziel wurde der Datenlink aktiviert und das TV/IR-Bild des Suchkopfes in der Flugkörperspitze wurde in das Flugzeug übertragen. Jetzt konnte das Ziel genau anvisiert werden und das TV-Bild wurde nun bis zum Einschlag des Flugkörpers ins Flugzeug übertragen („man-in-the-loop“). Das Ziel konnte im Sturzflug, in einem Winkel von 30–75° angeflogen werden. Die AGM-130 erreichte einen Streukreisradius (CEP) von 2–7 m.[4][6][7][9]
Trägerflugzeuge
Kriegseinsätze
Erstmals kam die AGM-130 während der Operation Desert Fox 1998 im Irak zum Einsatz. Weitere Einsätze erfolgten während der Operation Allied Force 1999 in Serbien (z. B. Beschuss des D 393 bei Grdelica), während des Irakkrieges 2003 sowie im Afghanistankrieg 2001–2021.
Verbreitung
Literatur
- Duncan Lennox: Jane’s Strategic Weapon Systems 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0880-2.
- Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866 7.
Weblinks
- AGM-130 Missile bei af.mil (englisch)
- GBU-15/AGM-130 bei deagel.com (englisch)
- AGM-130 bei airpower.at (deutsch)
- AGM-130 bei sistemasdearmas.com.br (portugiesisch)
- U.S. Air Force Recruiting: U.S. Air Force AGM-130 Bunker Buster Bomb auf YouTube, 18. Dezember 2015 (englisch; Kurze Dokumentation über die AGM-130).
Einzelnachweise
- ↑ Hajime Ozu: AGM-130. In: missile.index.ne.jp. The Missile Index, abgerufen am 30. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b Forecastinternational.com: AGM-130 (PDF)
- ↑ a b c d e Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, 2003, S. 268–270.
- ↑ a b Duncan Lennox: Jane’s Strategic Weapon Systems 2003. Jane’s Information Group, 2003, S. 239–240.
- ↑ Designation-systems.net: Boeing (Rockwell) AGM-130
- ↑ a b Ausairpower.net: Rockwell AGM-130A/B and Northrop AGM-136A Tacit Rainbow
- ↑ a b Fas.org: AGM-130A
- ↑ Militero.wordpress.com: USAF Weapons File 2003–2004 (PDF; 2,8 MB)
- ↑ Govinfo.gov: The Air Force Handbook 2007 (PDF; 15 MB)
Auf dieser Seite verwendete Medien
AGM-130. Primary function: Precision, air-to-surface, all-weather, television/infrared and/or GPS-guided, powered bomb. Dimensions: Length 12 ft. 10.5 in., diameter 18 in., wingspan 4 ft. 11 in. Speed/Range: Classified.
