Guinea-Bissau

República da Guiné-Bissau
Republik Guinea-Bissau
Flagge Guinea-Bissaus
Wappen Guinea-Bissaus
FlaggeWappen
Wahlspruch: Unidade, Luta, Progresso
(por., „Einigkeit, Kampf, Fortschritt“)
AmtssprachePortugiesisch
HauptstadtBissau
Staats- und Regierungsformpräsidentielle Republik
StaatsoberhauptPräsident
Umaro Sissoco Embaló (umstritten)
RegierungschefPremierminister
Nuno Gomes Nabiam (umstritten)
Fläche36.125 km²
Einwohnerzahl1,97 Mio. (UN 2020)
Bevölkerungsdichte67 Einwohner pro km²
Bevölkerungs­entwicklung+ 2,5 % (Schätzung für das Jahr 2019)[1]
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
  • Total (KKP)
  • BIP/Einw. (nom.)
  • BIP/Einw. (KKP)
2019 (Schätzung)[2]
  • 1,4 Milliarden USD (179.)
  • 4,3 Milliarden USD (170.)
  • 811 USD (174.)
  • 2.429 USD (173.)
Index der menschlichen Entwicklung0,48 (175.) (2019)[3]
WährungCFA-Franc BCEAO (XOF)
Unabhängigkeit24. September 1973 (Erklärung)
10. September 1974 (von Portugal anerkannt)
National­hymneEsta é a Nossa Pátria Bem Amada
Nationalfeiertag24. September (Proklamation der Unabhängigkeit)
ZeitzoneUTC±0
Kfz-KennzeichenGUB (nicht offiziell auch: GNB)
ISO 3166GW, GNB, 624
Internet-TLD.gw
Telefonvorwahl+245
ÄgyptenTunesienLibyenAlgerienMarokkoMauretanienSenegalGambiaGuinea-BissauGuineaSierra LeoneLiberiaElfenbeinküsteGhanaTogoBeninNigeriaÄquatorialguineaKamerunGabunRepublik KongoAngolaDemokratische Republik KongoNamibiaSüdafrikaLesothoEswatiniMosambikTansaniaKeniaSomaliaDschibutiEritreaSudanRuandaUgandaBurundiSambiaMalawiSimbabweBotswanaÄthiopienSüdsudanZentralafrikanische RepublikTschadNigerMaliBurkina FasoJemenOmanVereinigte Arabische EmirateSaudi-ArabienIrakIranKuwaitKatarBahrainIsraelSyrienLibanonJordanienZypernTürkeiAfghanistanTurkmenistanPakistanGriechenlandItalienMaltaFrankreichPortugalMadeiraSpanienKanarenKap VerdeMauritiusRéunionMayotteKomorenSeychellenMadagaskarSão Tomé und PríncipeAntarktikaSüdgeorgien (Vereinigtes Königreich)ParaguayUruguayArgentinienBolivienBrasilienFrankreich (Französisch-Guayana)SurinameGuyanaKolumbienKanadaDänemark (Grönland)IslandNorwegenSchwedenFinnlandIrlandVereinigtes KönigreichNiederlandeBelgienDänemarkSchweizÖsterreichDeutschlandSlowenienKroatienTschechische RepublikSlowakeiUngarnPolenRusslandLitauenLettlandEstlandWeißrusslandMoldauUkraineMaszedonienAlbanienMontenegroBosnien und HerzegowinaSerbienBulgarienRumänienGeorgienAserbaidschanArmenienKasachstanUsbekistanRusslandVereinigtes Königreich (Falklandinseln)ChileVenezuelaPeruTrinidad und TobagoEcuadorVereinigte StaatenMexikoKubaNiederlande (ABC-Inseln)Costa RicaHondurasEl SalvadorGuatemalaBelizeJamaikaHaitiDominikanische RepublikBahamasNicaraguaInseln über dem Winde (multinational)Puerto Rico (zu Vereinigte Staaten)Vereinigtes Königreich (Kaimaninseln)Vereinigtes Königreich (Turks- and Caicosinseln)Vereinigtes Königreich (Bermuda)Frankreich (St.-Pierre und Miquelon)PanamaGuinea-Bissau on the globe (Cape Verde centered).svg
Über dieses Bild
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Guinea-Bissau [ɡiˈneːa bɪˈsaʊ̯] (portugiesisch Guiné-Bissau [ɡiˈnɛ biˈsau]) ist ein Staat in Afrika. Er liegt an der afrikanischen Westküste zum Atlantik und grenzt an Senegal und Guinea.

Geographie

Lage

Guinea-Bissau liegt im Westen von Westafrika und Oberguinea zwischen 13° und 17° westlicher Länge und 11° und 12° nördlicher Breite. Im Norden grenzt die Republik an Senegal (gemeinsame Grenze rund 338 km), im Osten an Guinea (gemeinsame Grenze rund 386 km), die gesamte Grenzlänge beträgt 724 Kilometer zuzüglich 350 Kilometer Küste. Mit einer Gesamtfläche von 36.125 km² (28.120 km² Landfläche und 8005 km² Wasserfläche) ist das Land rund zehn Prozent kleiner als die Schweiz.[4] Die geographischen Koordinaten der Hauptstadt Bissau sind 11°50’ nördlicher Breite und 15°36’ westlicher Länge.

Landschaftsbild

An das überwiegend flache Landesinnere schließt sich ein durch marine Erosion stark zerklüfteter Küstenstreifen mit einem Sumpfgebiet an. Der höchste Berg ist der Madina do Boé mit 262 Metern über dem Meeresspiegel. Die wichtigsten Flüsse sind Río Gêba, Río Cacheu und Río Corubal.

Dem Festland vorgelagert liegt der Bissagos-Archipel (Arquipélago dos Bijagós) im Atlantik mit den bedeutendsten Inseln des Landes: Ilha de Orango, Caravela, Bubaque, Roxa, Bolama, Uno und Formosa.

Klima

Das Klima ist tropisch, überwiegend feucht und heiß. Die Durchschnittstemperatur beträgt 24 °C. Von Dezember bis April besteht die Trockenzeit mit Harmattan-Wüstenwinden. Die Regenzeit dauert von Mai bis Ende Oktober. Die regenreichsten Monate sind Juli und August.[5]

Bevölkerung

Übersicht

Das Land zählte bei der Volkszählung 2009 1,45 Mio. Bewohner, darunter waren nur ca. 2.000 Staatsangehörige anderer Länder. Die Mehrheit der Zuwanderer kommt aus der Region (27,7 % aus Guinea, 18,7 % aus Mauretanien und 18,3 % aus dem Senegal). Von dieser kleinen Ausländergruppe waren zudem 5,6 % Portugiesen. 5070 Personen machten keine Angaben zu ihrer Staatsangehörigkeit.[6] Viele Einwohner sind ausgewandert. 2017 lebten jeweils ca. 30.000 Staatsbürger in Portugal und dem Senegal.[7] Laut UN-Bericht 2015 lebten 22.333 in Deutschland.[8]

Die Bevölkerung im Land ist sehr jung. Das Medianalter lag 2020 bei geschätzt 18,8 Jahren, der Anteil der unter 15-Jährigen bei 41,9 %. Die Fertilitätsrate sinkt zwar kontinuierlich, lag aber 2019 immer noch bei 4,4 Kindern pro Frau. Die Bevölkerung wächst um 2,4 % jährlich.[9]

Bevölkerungs-entwicklung laut UN[9]
JahrEinwohnerzahl
1950535.000
1960616.000
1970712.000
1980801.000
19901.012.000
20001.243.000
20101.556.000
20201.968.000
20302.461.000

Volksgruppen

Über 25 ethnische Gruppen leben im Land, die sich in Sprache, Kultur und Sozialstruktur mehr oder weniger unterscheiden. Die Resultate der letzten Volkszählung ergeben folgendes Bild der einheimischen Völker:

Der größte Teil der Bevölkerung (ca. 83 %) setzt sich aus folgenden fünf Volksgruppen zusammen:

  • Fulbe 410.560 Personen (28,33 %) (Regionen: Gabú 79,6 %, Bafatá 60,0 %, Tombali 20,9 %, Bissau 18,0 %)
  • Balanta 323.948 Personen (22,35 %) (Regionen: Tombali 46,9 %, Oio 43,6 %, Quinara 35,2 %, Cacheu 28,8 % und Bissau 20,5 %)
  • Mandinka 212.269 Personen (14,65 %) (Regionen: Oio 32,9 %, Bafatá 22,9 % und Gabú 14,2 %)
  • Pepel 130.651 Personen (9,02 %) (Regionen: Biombo 64,7 % und Bissau 15,7 %)
  • Manjaco 119.808 Personen (8,27 %) (Region Cacheu 36,8 %)

Weitere bedeutende Volksgruppen sind:

  • Biafada 50.543 Personen (3,49 %) (Region Quinara 36,7 %)
  • Mancanha 44.829 Personen (3,09 %) (Region Cacheu 36,8 %)
  • Bidjogo 30.294 Personen (2,09 %) (Region Bolama/Bissagos-Archipel 64,3 %)
  • Felupe 24.892 Personen (1,72 %) (Region Cacheu 9,1 %)
  • Mansoanca Balante 20.456 Personen (1,41 %)

Ferner gibt es die Balanta Mane (14.460 Menschen; Region Bolama), Nalu (13.420 Menschen; an der südwestlichen Grenze zu Guinea), Saracule, Sosso und Diola (an der nördlichen Grenze zur Casamance).

32.098 Staatsbürger erklärten, keiner dieser genannten afrikanischen Volksgruppen anzugehören. Und 1274 Personen machten keine Angaben zu ihrer Volkszugehörigkeit.

Sprache

Obwohl die offizielle Landessprache Portugiesisch ist und Schulunterricht ausschließlich darin stattfindet, beherrschen es nur wenige Einwohner gut; laut der letzten Volkszählung von 2009 wird Portugiesisch insgesamt von 27,1 % der Landesbevölkerung gesprochen (46,3 % in städtischen Gebieten und 14,7 % in ländlichen Gebieten).[10] Der Alphabetisierungsgrad liegt bei rund 45 Prozent. Jede ethnische Gruppe verfügt über eine eigene Sprache, die zugleich die Muttersprache ihrer Mitglieder ist. Verkehrssprache ist Guineabissauisches Kreol, eine auf dem Portugiesischen basierende Kreolsprache, die durch die Sprachen der verschiedenen ethnischen Gruppen beeinflusst ist und von rund 60 Prozent der Einwohner beherrscht wird.

Der Schulunterricht wird landesweit auf Portugiesisch abgehalten, obwohl die allermeisten Kinder diese Sprache zuhause nicht sprechen. Kreol zur Unterrichtssprache zu erheben ist bis jetzt sehr schwierig, da die Schriftform erst vor kurzem entwickelt wurde und so kaum Unterrichtsmaterialien in dieser Sprache zur Verfügung stehen.

Religion

Nach Angaben der letzten Volkszählung 2009 sind 45,1 % Muslime, 22,1 % Christen (zumeist Katholiken) und 14,9 % bekennen sich zu afrikanischen Religionen. Allerdings machten 15,9 % der Einwohnerschaft keine Angaben zu ihrer Religionszugehörigkeit. Unter diesen dürften etliche weitere Angehörige traditioneller Religionen sein. Weitere 2 % erklärten sich als konfessionslos.

In Guinea-Bissau gibt es zwei katholische Bistümer, das Bistum Bissau sowie das Bistum Bafatá. Papst Johannes Paul II. besuchte 1990 als erster Papst das Land.

Muslimische Mehrheiten gibt es in den Regionen Gabú (86,5 %) und Bafatá (77,1 %). Die Christen sind in den Regionen Bissau (40,2 %), Cacheu und Bolama (jeweils über 30 %) stark vertreten. Anhänger afrikanischer Religionen sind in den Regionen Biombo (40,6 %) und Cacheu (34,0 %) überdurchschnittlich vertreten.

Bildungswesen

Unmittelbar nach der Unabhängigkeit ist Guinea-Bissau mit großem Elan an den Aufbau eines Bildungswesens gegangen, das – im Gegensatz zur Kolonialzeit – die gesamte Bevölkerung in einem neuen, von Paulo Freire vermittelten Geist erfassen sollte.[11] Dieser Impuls ist jedoch schon in den 1980er Jahren erlahmt. Heute bietet Guinea-Bissau nur eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten und -einrichtungen und 54,4 Prozent sind Analphabeten.[12] Die Regierung strebt eine Schulpflicht mit der Dauer von sechs Jahren an. Allerdings besuchen nur wenige Kinder die Schule, da viele von ihren Familien in anderen Aufgaben eingesetzt werden, wie z. B. in der Landwirtschaft. Auf dem Land gibt es außerdem nicht immer die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Auch muss Schulgeld entrichtet werden, was schon den Zugang zu grundlegender Bildung für große Teile der Bevölkerung erschwert. Die durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs liegt daher nur bei 3,6 Jahren.[13]

Während weiterführende Schulen in vielen größeren Städten des Landes existieren, konzentrieren sich nahezu sämtliche Ausbildungszentren auf die Hauptstadt Bissau. Außerdem nimmt die Höhe des Schulgeldes mit höheren Klassen zu, was den Besuch dieser Schulen für viele potenzielle Absolventen unerschwinglich macht.

Guinea-Bissau verfügt über einige Berufsschulen und Einrichtungen zur Lehrerausbildung. Das nationale Forschungsinstitut INEP (Instituto Nacional de Estudos e Pesquisa) wurde schon 1984 gegründet. Als reines Forschungsinstitut bietet es aber selbst keine Studiengänge an. An das INEP sind weiterhin das historische Nationalarchiv (Arquivos Históricos Nacionais), sowie eine öffentliche Bibliothek angegliedert. Seit 1990 existiert eine Fakultät für Rechtswissenschaften, die „Faculdade de Direito Bissau“. Im Zuge der Kooperation mit Kuba auf dem medizinischen Sektor wurde auch eine Fakultät für Medizin („Faculdade de Medicina“) aufgebaut. Unterrichtet wird an dieser nicht nur in Bissau, sondern auch noch an weiteren Standorten im Land. Im Jahr 2003 wurden zwei weiteren Universitäten, die private „Universidade Colinas de Boé“, sowie die staatliche „Universidade Amilcar Cabral“, gegründet. Letztere wurde 2008 von der portugiesischen Grupo Lusófona für drei Jahre übernommen und operiert derzeit unter dem Namen „Universidade Lusófona Guiné“. Ende 2009 wurde mit einem Ableger des portugiesischen Instituto Jean Piaget eine dritte Universität eröffnet. Alle genannten Einrichtungen sind für Studenten kostenpflichtig – in der Höhe der Gebühren unterscheiden sie sich allerdings teilweise beträchtlich.

Gesundheit

Das Gesundheitswesen in Guinea-Bissau ist stark unterentwickelt. Zwar gibt der Staat ca. 7 % des BIP für das Gesundheitswesen aus, doch aufgrund des geringen BIP sind dies nur 53 US-Dollar pro Person.[14] Dementsprechend schlecht ist die medizinische Versorgung. So gibt es nur etwa 7 Ärzte pro 100 000 Einwohner.[15] Die HIV-Prävalenz bei Erwachsenen betrug im Jahr 2019 rund 3,4 %.[16] Im Jahre 2015 waren 28,3 % der Bevölkerung unterernährt.[17] Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt lag 2019 daher nur bei 58,3 Jahren.[9] Dennoch gibt es positive Entwicklungen: Die Säuglingssterblichkeit lag 2009 bei 115 von 1000 Lebendgeburten, hat sich aber bis 2019 auf 55 halbiert.[18] Die Sterblichkeit von Kindern bis 5 Jahren lag 2009 bei 193 von 1000 Lebendgeburten und ist auf 79 gesunken.[19]

Entwicklung der Lebenserwartung[9]
ZeitraumLebenserwartung
in Jahren
ZeitraumLebenserwartung
in Jahren
1950–195535,91985–199048,2
1955–196037,21990–199550,0
1960–196538,61995–200051,8
1965–197040,62000–200552,7
1970–197542,52005–201054,2
1975–198044,52010–201556,0
1980–198546,62015–202057,8

Geschichte

Situation in Portugiesisch-Guinea 1970

Seit dem 13. Jahrhundert gehörte der östliche Teil des heutigen Guinea-Bissaus zum Königreich Kaabu. 1446 erreichten erste portugiesische Seefahrer und Händler die obere Guineaküste. 1879 wurde die Provinz Portugiesisch-Guinea gegründet. Zuvor war der Distrikt Guinea von den Kapverdischen Inseln aus verwaltet worden. Amilcar Lopes Cabral gründete am 19. September 1956 die PAIGC und führte von 1963 bis zu seiner Ermordung im Januar 1973 den Unabhängigkeitskrieg gegen die Portugiesen. Als die PAIGC 1972 den Großteil des Landes unter Kontrolle hatte, ließ sie Landeswahlen abhalten. Die Unabhängigkeit Guinea-Bissaus wurde am 24. September 1973 proklamiert und am 10. September des folgenden Jahres von Portugal anerkannt. Bis heute ist der 24. September der Nationalfeiertag Guinea-Bissaus.

Bis 1961 waren Einheimische von der Wahl ausgeschlossen gewesen.[20] 1961 erhielten alle die portugiesische Staatsangehörigkeit und konnten bei Lokalwahlen abstimmen.[20] Vor der Unabhängigkeit 1974 gab es ein Frauenwahlrecht in den Gebieten, die von der Befreiungsbewegung PAIGC kontrolliert wurden.[21] An den Befreiungskämpfen nahmen Frauen aktiv teil.[20] 1977 wurde das allgemeine aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt.[22][23]

Der Präsident von Guinea-Bissau, João Bernardo Vieira, der dieses Amt nach einer früheren Präsidentschaft von 1980 bis 1999 seit 2005 wieder innehatte, wurde am 2. März 2009 beim Verlassen seines Hauses durch Militärs getötet.[24] Die Ermordung Vieiras folgte nahezu unmittelbar auf den Tod des Generalstabschefs Tagme Na Wai bei einem Bombenanschlag am Abend zuvor.[25]

Wenige Tage später wurde der Parlamentspräsident Raimundo Pereira als neuer Präsident vereidigt und übernahm übergangsweise die Staatsgeschäfte.[26]

Am 5. Juni 2009 wurden Baciro Dabo, der als Kandidat bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen antreten sollte, und Hélder Proença, ehemals Verteidigungsminister des Landes, von Soldaten erschossen. Der ehemalige Ministerpräsident Faustino Imbali wurde von Soldaten verhaftet. Die drei Anhänger des im März ermordeten Präsidenten Vieira sollen einen Putsch gegen die amtierende Regierung geplant haben.[27]

Bei den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen am 28. Juni 2009 erreichten Malam Bacai Sanhá, der Kandidat der PAIGC, und Kumba Ialá, der Kandidat der PRS, die meisten Stimmen. Die am 26. Juli 2009 durchgeführte Stichwahl konnte Malam Bacai Sanhá für sich entscheiden.[28]

Bei einem Putschversuch am 1. April 2010 wurden der Regierungschef Carlos Gomes Junior sowie der Chef der Streitkräfte, Zamora Induta, von Militärs festgenommen. Das Kommando übernahm Indutas ehemaliger Stellvertreter António Indjai. Es folgten Zusammenstöße von Soldaten und aufgebrachten Gomes-Anhängern.[29] Nach wenigen Stunden wurde Gomes Junior wieder freigelassen und versuchte selbst das Geschehen als „Zwischenfall“ zu relativieren. Danach beruhigte sich die Lage wieder. Als Hintergrund werden Spannungen innerhalb der Militärführung vermutet.[30]

Am 25. Juni 2010 wurde António Indjai, der Anführer der Meuterei vom 1. April, zum neuen Armeechef Guinea-Bissaus ernannt. Zamora Induta und weitere Offiziere blieben ohne Gerichtsverfahren in Gefangenschaft. Am 2. August wurde vom Präsidenten bekannt gegeben, dass das Land der Stationierung einer internationalen Stabilisierungstruppe zustimmen werde. Am 21. Dezember 2010 wurden Zamora Induta und die anderen Offiziere aus der Haft entlassen, aber unter ständige Überwachung gestellt, und zwar auf ein Ultimatum der EU hin, die gedroht hatte, andernfalls wegen Verletzung der Menschenrechte die Entwicklungszusammenarbeit mit Guinea-Bissau einzustellen.[31]

Präsident Malam Bacai Sanha starb im Januar 2012 nach langer Krankheit.

Am 12. April 2012 kam es zu einem Militärputsch in der Hauptstadt Bissau durch Truppenteile unter Führung von Mamadu Turé Kuruma. Sie nahmen Präsident Raimundo Pereira und Premierminister Carlos Gomes Júnior gefangen und übernahmen die Kontrolle über die Stadt. Da der Putsch zwischen der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen, die der frühere Premierminister Carlos Gomes Júnior und seine Partei PAIGC gewonnen hatte, und der für den 29. April angesetzten Stichwahl zwischen ihm und dem zweitstärksten Kandidaten Kumba Ialá stattfand, nehmen viele an, dass die Motivation des Putsches die Verhinderung der Wahl von Carlos Gomes Júnior zum Präsidenten war. Zwischen den Putschisten und einigen Oppositionsparteien, insbesondere der PRS des früheren Präsidenten Kumba Ialá, aber unter Ausschluss der PAIGC, wurde die Übereinkunft getroffen, die Verfassung für eine Übergangszeit von ein bis zwei Jahren in Teilen auszusetzen und keine Neuwahlen (Parlament, Präsident) stattfinden zu lassen.[32][33] Im Zuge dieser Übereinkunft wurde der vorher amtierende Parlamentspräsident Manuel Serifo Nhamadjo zum Übergangspräsidenten ernannt. Die PAIGC von Gomes Júnior erkennt diese Übergangsregierung nicht an, ebenso nicht die EU[34], die darüber hinaus Reisesanktionen gegen Angehörige des Militärkommandos, das den Putsch angeführt hatte, verhängte.[34] Am 12. April 2012 wurde Carlos Domingos Gomes Junior, der Favorit bei den anstehenden Präsidentenwahlen am 29. April, von Soldaten in seinem Haus festgenommen. Das Militär übernahm die Kontrolle.

Am 18. Mai 2014 konnte sich José Mário Vaz (PAIGC) mit 61,92 % im zweiten Wahlgang gegen Nuno Gomes Nabiam durchsetzen. Er regierte bis 2019 und damit als erster Präsident des Landes über eine volle Amtszeit.[35] Seine Amtszeit war jedoch überschattet von politischen Krisen, da er 2015 den Parteichef seiner eigenen Partei, Domingos Simôes Pereira, als Premierminister entlassen hat und die nächsten Jahre keine vom Parlament akzeptierte Regierung mehr installieren konnte. Allein im Verlauf des Jahres 2016 hatte das Land fünf unterschiedliche Regierungschefs. Erst 2018 fand sich mit Aristides Gomes ein Kompromisskandidat. Obwohl die Amtszeit des Präsidenten bereits im Juni 2019 endete, ernannte er im Oktober noch Faustino Imbali zum neuen Premierminister. Die Wahlen fanden erst im November und Dezember statt. Vaz trat erneut an, wurde jedoch aufgrund der Vorkommnisse nicht mehr von der PAIGC unterstützt. Diese schickte stattdessen Vaz' politischen Kontrahenten Pereira ins Rennen.

Politik

Politische Indizes
Name des IndexIndexwertWeltweiter RangInterpretationshilfeJahr
Fragile States Index92,9 von 12023 von 178Stabilität des Landes: Alarm
0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend
2020[36]
Demokratieindex 2,63 von 10 147 von 167Autoritäres Regime
0 = autoritäres Regime / 10 = vollständige Demokratie
2020[37]
Freedom in the World46 von 100---Freiheitsstatus: teilweise frei
0 = unfrei / 100 = frei
2020[38]
Rangliste der Pressefreiheit 32,68 von 100 95 von 180Erkennbare Probleme für die Pressefreiheit
0 = gute Lage / 100 = sehr ernste Lage
2021[39]
Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 19 von 100 165 von 1800 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber2020[40]

Politisches System

Justizministerium

Nach der Verfassung von 1984 ist Guinea-Bissau eine Präsidialrepublik, seit 1991 mit einem Mehrparteiensystem. Der Präsident wird für fünf Jahre nach absoluter Mehrheitswahl gewählt.

Am 29. Dezember 2019 gewann der ehemalige Premierminister Umaro Sissoco Embaló die Präsidentschaftswahl im zweiten Wahlgang mit 53,55 %, nachdem er im ersten Wahlgang mit 27,65 % noch weit gegenüber seinem Konkurrenten Domingos Simôes Pereira zurücklag, der auf 40,13 % der Stimmen kam.[41] Pereira erzielte im zweiten Wahlgang 46,45 % und erkannte das Wahlergebnis nicht an.[42] Am 27. Februar 2020 vereidigte sich Embaló selbst als Präsident. Das Parlament bestimmte jedoch den Parlamentspräsidenten Cipriano Cassama zum Interimspräsidenten, der aber wenige Tage später nach Morddrohungen zurücktrat.

Die Legislative besteht aus der Nationalversammlung (Assembleia Nacional Popular da Guiné-Bissau). Von den 102 Abgeordneten werden 100 in 27 Mehrpersonenwahlkreisen nach Verhältniswahlrecht gewählt. Zwei Sitze sind für Staatsangehörige im Ausland reserviert, die in den beiden Wahlkreisen Afrika und Europa gewählt werden. Die letzten Parlamentswahlen fanden am 10. März 2019 statt.

Außenpolitik

Die Republik Guinea-Bissau unterhält Botschaften und Generalkonsulate in folgenden Ländern: Botschaften in Deutschland, Belgien, Spanien, Frankreich, Portugal, Russland, China, Iran, Brasilien, Kuba, Venezuela, Algerien, Gambia, Guinea-Conakry, Nigeria, Senegal, Marokko, Indonesien. Generalkonsulate in Angola, Argentinien, Benin, Kap Verden, Island, Südkorea, Libanon, Mauretanien, Niederlande, Rumänien, Slowenien, Sri Lanka.

Folgende Staaten sind mit Botschaften oder Generalkonsulaten in Guinea-Bissau vertreten: Botschaften von Angola, Brasilien, China, Kuba, Frankreich, Gambia, Deutschland, Guinea-Conakry, Libyen, Nigeria, Portugal, Russland, Senegal, Südafrika, Spanien. Generalkonsulate von Belgien, Kap Verde, Indien, Italien, Libanon, Mauretanien, Niederlande, Rumänien, Schweiz, Türkei, Vereinigtes Königreich.

Das Land hat ständige Vertreter bei der Afrikanischen Union, der Europäischen Union, der Kommission der Länder portugiesischer Sprache (CPLP), bei den Vereinten Nationen sowie bei der UNESCO.

Der Staat der Vatikanstadt unterhält eine Apostolische Nuntiatur in Bissau.

Militär

Die aus den drei Teilstreitkräften Luftwaffe, Marine und Heer bestehenden Streitkräfte von Guinea-Bissau haben eine Stärke von circa 9.250 Mann. Das Land hat die Todesstrafe auch im Militärstrafrecht abgeschafft.

Menschenrechte

Die weibliche Genitalverstümmelung ist in Guinea-Bissau weiterhin ein ernstzunehmendes Problem. Nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) und Terre des Femmes sind bis zu 50 % der Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren betroffen. Im Juni 2011 verabschiedete das Parlament von Guinea-Bissau ein Gesetz, welches die weibliche Genitalverstümmelung unter Strafe stellt. Der Weltfriedensdienst unterstützt das Netzwerk DJINOPI, welches sich im Land entschieden gegen diese Praxis einsetzt.

Verwaltungsgliederung

GuineaSenegalRegion BiomboBissauRegion BolamaRegion TombaliRegion OioRegion CacheuRegion BafatáRegion GabúRegion Quinara
Die Regionen von Guinea-Bissau

Guinea-Bissau gliedert sich in acht Regionen und einen autonomen Sektor um die Hauptstadt Bissau. Die Regionen teilen sich wiederum in 37 Sektoren. Für die Regionen wurde der jeweilige Name der Hauptstadt in Klammern mitangegeben, die Sektoren sind nach ihren jeweiligen Hauptstädten benannt. Lediglich für die drei Sektoren des Bissagos-Archipels sind auch die Hauptorte in Klammern mitangegeben.

Die acht Regionen Guinea-Bissaus sind in drei Provinzen gruppiert: Leste (Ost: Bafatá, Gabú), Norte (Nord: Biombo, Cacheu, Oio) und Sul (Süd: Bolama, Quinara, Tombali).

  • Region Bolama Bissagos-Archipel (Bolama)
    • Bolama (Bolama)
    • Caravela (Abu)
    • Bubaque (Bubaque)
  • Region Cacheu (Cacheu)
    • Bigéne
    • Bula
    • Cacheu
    • Caió
    • Canchungo
    • S. Domingos
  • Region Quinara (Buba)
    • Buba
    • Empada
    • Fulacunda
    • Tite
  • Region Tombali (Catió)
    • Bedana
    • Catió
    • Cacine
    • Quebo

Städte

Der Bandim Markt breitet sich an den Rändern der Stadtautobahn, die Flughafen und Innenstadt von Bissau verbindet, aus.

Die größten Städte in Guinea-Bissau sind (Stand Zensus vom 3. März 2009): Bissau 387.909 Einwohner, Gabú 43.556 Einwohner, Bafatá 29.556 Einwohner, Canchungo 12.044 Einwohner, Bissorã 9898 Einwohner und Bula 9010 Einwohner.

Wirtschaft

Guinea-Bissau zählt zu den ärmsten Ländern der Erde. Für 2016 wird das BIP auf 694 US$ je Einwohner geschätzt,[43] so dass in den letzten Jahren nominal ein gewisses Wirtschaftswachstum zu verzeichnen ist. Dennoch hat das Land nach wie vor ein sehr hohes Außenhandelsdefizit;[44] praktisch alle industriell verarbeiteten Waren werden importiert – zum großen Teil aus Europa – und deren Preisniveau ist meist hoch im Vergleich mit benachbarten Staaten. Gleichzeitig ist das Einkommen der absoluten Mehrheit der Bevölkerung sehr niedrig und die Einkommensverteilung relativ ungleichmäßig;[45] für viele Menschen ist es äußerst schwierig, die eigenen Grundbedürfnisse der Familie täglich zu befriedigen.

Die auf die Bedürfnisse der Kolonialmacht Portugal ausgerichtete Wirtschaft war nach deren Abzug nicht mehr lebensfähig. Ihre Produktivität bewegt sich auf dem Niveau einer Selbstversorgungswirtschaft. Nach der Unabhängigkeit wurde zwar begonnen, eine eigene nationale Industrieproduktion aufzubauen, eine solche ist jedoch heutzutage kaum noch vorhanden, unter anderem weil viele der industriellen Anlagen im Bürgerkrieg 1998/99 zerstört wurden. Heute mangelt es an nachhaltigen Investitionen in diesen Sektor, es wird von internationaler Seite – wenn überhaupt – nur in die Rohstoffausbeutung investiert und zum großen Teil ist dies bisher nur im Planungsstadium.

Nach dem Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index) von Transparency International lag Guinea-Bissau 2017 von 176 Ländern zusammen mit Libyen, Äquatorialguinea und Nordkorea auf dem 171. Platz, mit 17 von maximal 100 Punkten. Damit gehört das Land zu den korruptesten der Welt.[46] Im Ease of Doing Business Index der Weltbank belegt das Land 2018 Platz 176 von 190 Ländern.

Bevor der CFA-Franc eingeführt wurde, war von 1975 bis 1997 der Guinea-Peso (PG) zu 100 Centavos die Währung von Guinea-Bissau.[47]

Kennzahlen

Alle BIP-Werte sind in US-Dollar (Kaufkraftparität) angeben.[48]

Jahr198019851990199520002005200620072008200920102011201220132014201520162017
BIP
(Kaufkraftparität)
0,44 Mrd.0,62 Mrd.0,84 Mrd.1,14 Mrd.1,37 Mrd.1,65 Mrd.1,73 Mrd.1,84 Mrd.1,94 Mrd.2,02 Mrd.2,14 Mrd.2,36 Mrd.2,36 Mrd.2,47 Mrd.2,54 Mrd.2,73 Mrd.2,92 Mrd.3,14 Mrd.
BIP pro Kopf
(Kaufkraftparität)
5627198721.0661.1501.2421.2791.3271.3661.3911.4611.5781.5461.5861.5961.6751.7551.845
BIP Wachstum
(real)
4,9 %4,3 %4,6 %4,0 %9,0 %7,1 %2,0 %3,3 %3,2 %3,4 %4,6 %8,0 %−1,7 %3,3 %1,0 %6,1 %5,8 %5,5 %
Inflation
(in Prozent)
65,8 %112,7 %33,0 %45,1 %8,6 %3,4 %2,0 %4,6 %10,4 %−1,6 %1,0 %5,0 %2,1 %0,8 %−1,0 %1,5 %1,5 %1,1 %
Staatsverschuldung
(in Prozent des BIP)
............234 %222 %204 %177 %163 %159 %68 %50 %53 %54 %55 %50 %49 %42 %

Landwirtschaft

Mehr als 90 % der Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Angebaut werden können Reis, Mais, Hirse, Maniok, Yams, Bataten und Zuckerrohr. 38,1 % der Fläche Guinea-Bissaus sind bewaldet, 12,0 % werden für Landwirtschaft, 38,4 % für Weidewirtschaft und 11,5 % für sonstige Zwecke genutzt (1994).

Bergbau

An Bodenschätzen verfügt das Land über Phosphate, Bauxit, Erdöl, Gas und Gold. An der südwestlichen Landesgrenze zu Guinea in der Region Boé und im Norden des Landes bei Farim wurden große Vorkommen an Bauxit aufgefunden. In der Region Boé will ein angolanisches Bergbauunternehmen in Kürze mit der Exploration beginnen. Dazu soll auch ein Tiefseehafen in Buba errichtet werden. Im Ölsektor stehen 14 Blöcke zur Förderung bereit, von denen die meisten bereits vergeben wurden.[49]

Export

Einen Export von Industriegütern gibt es nicht. In den Export gelangen Erzeugnisse aus Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei wie Erdnüsse, Palmkerne und Palmöl, Garnelen und Holz. In den letzten Jahren wurden vermehrt Cashew-Nüsse angebaut und ausgeführt, so dass Guinea-Bissau inzwischen auf Platz 6 der weltweit größten Produzenten von Cashew-Nüssen steht. Sie machen 85 % der Exporterlöse aus.

Drogenhandel

Nach Erkenntnissen des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung waren Guinea-Bissau und die Republik Guinea in den Jahren 2004 bis 2007 ein wichtiges Drehkreuz für den Kokainschmuggel von Südamerika über Westafrika nach Europa. Sowohl die innenpolitischen Ereignisse in den beiden Ländern, als auch internationale Bemühungen zur Bekämpfung des Kokainschmuggels in der Region führten zu einem deutlichen Rückgang der Transporte in den Jahren 2008 und 2009. Die Ereignisse des 1. April 2010 in Bissau läuteten die Wiederbelebung der Transportroute über Guinea-Bissau ein. Der in die Ereignisse verstrickte, ehemalige Chef der Marine Konteradmiral Bubo na Tchuto sowie der amtierende Luftwaffenchef Ibraima Papa Camara wurden im April von US-Behörden des Drogenschmuggels beschuldigt und deren Konten in den USA eingefroren.[50][51] Im Jahr 2012 erreichten in jeder Nacht 800 bis 1000 Kilogramm Kokain das Land.[52][53]

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 213 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 171 Mio. US-Dollar gegenüber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,5 % des BIP.[54]

Die Staatsverschuldung betrug 2016 46,7 % des BIP.[55]

Zentralbank der Westafrikanischen Staaten in Bissau

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Verkehr

Schiffsverkehr

In Bissau, Buba, Cacheu und Farim existieren Häfen.[57]

Flugverkehr

Den einzigen Verkehrsflughafen gibt es in Bissau (Aeroporto Internacional Osvaldo Vieira de Bissau). Er wird heute von fünf Fluglinien bedient, die Strecken nach Portugal, Marokko, Kap Verde und in den Senegal anbieten. Einzige nationale Fluggesellschaft war die 1998 eingestellte Air Bissau.

Schienenverkehr

Schienenverkehr in Guinea-Bissau hat es bisher nicht gegeben, von einer kleinen Hafenbahn in Bissau Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1940er Jahre abgesehen. Begünstigt durch eine positive wirtschaftliche Entwicklung bis 1997 entstanden in Kooperation mit Portugal erste grobe Planungen, die ab 1998 die Errichtung einer ersten Eisenbahn mit Verbindung zum Schienenverkehr in Guinea andachten. Sie erreichten jedoch kein konkretes Stadium, insbesondere nach der anhaltenden Krise des Landes nach dem Putsch von 1998.[58]

Kultur

Frankreich, Portugal und Brasilien unterhalten größere Kulturzentren in Bissau.

Die – auch international – bekannteste Kulturgestalt des Landes war der Widerstandskämpfer und Dichter Amilcar Cabral. Ein weiterer wichtiger Literat war Hélder Proença. Der Schriftsteller Abdulai Silá ist sogar ins Deutsche übersetzt worden und gilt als wichtigste zeitgenössische literarische Stimme seines Landes.

Bekanntester Popsänger des Landes ist Américo Gomes. Der Filmemacher Flora Gomes gilt als bedeutendster Vertreter seines Faches.

Die drei bedeutendsten Museen des Landes befinden sich in der Hauptstadt Bissau. So gibt es ein 1988 eröffnetes Museum für Ethnographie bzw. Ethnologie (Museu ethnografico national da Guinea-Bissau) in einem ehemaligen, nach portugiesischem Kolonialstil 1948 erbauten Gebäude mit einer rund 14.000 Bände umfassenden Bibliothek. Es ist das größte und bekannteste Museum des Landes mit einer umfangreichen Sammlung ethnologischer und ethnographischer Exponate. Weitere Museen sind das Memorial da Escravatura e do Tráfico Negreiro (Gedenkort für die Sklaverei und den Transport von Afrikanern nach Übersee), ein Museum, das sich der Geschichte der Sklaverei verschrieben hat, sowie das Museu Militar da Luta de Libertação Nacional (Museum für den Kampf für die nationale Freiheit), ein Museum, das die Geschichte des Widerstandes gegen die Kolonialmacht Portugal zeigt.

Literatur

Belletristik
  • Sylvain Prudhomme: Ein Lied für Dulce. Übers. Claudia Kalscheuer. Unionsverlag, Zürich 2017[59]

Weblinks

Wiktionary: Guinea-Bissau – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Guinea-Bissau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikimedia-Atlas: Guinea-Bissau – geographische und historische Karten
Wikivoyage: Guinea-Bissau – Reiseführer

Einzelnachweise

  1. Population growth (annual %). In: World Economic Outlook Database. World Bank, 2020, abgerufen am 14. März 2021 (englisch).
  2. World Economic Outlook Database Oktober 2020. In: World Economic Outlook Database. International Monetary Fund, 2020, abgerufen am 14. März 2021 (englisch).
  3. Table: Human Development Index and its components. In: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Hrsg.): Human Development Report 2020. United Nations Development Programme, New York 2020, ISBN 978-92-1126442-5, S. 345 (englisch, undp.org [PDF]).
  4. a b c Guinea-Bissau im World Fact Book des CIA.
  5. Klimaangaben des Reiseführers von Columbus Publishing.
  6. Endergebnis der Volkszählung 2009
  7. Origins and Destinations of the World’s Migrants, 1990-2017. In: Pew Research Center's Global Attitudes Project. 28. Februar 2018 (pewglobal.org [abgerufen am 30. September 2018]).
  8. United Nations Population Division | Department of Economic and Social Affairs. Abgerufen am 1. Januar 2019 (englisch).
  9. a b c d World Population Prospects 2019: Volume II: Demographic Profiles. United Nations, Department of Economic and Social Affairs, Population Division, abgerufen am 23. Januar 2021.
  10. Etoal Mendes: EXPERIÊNCIAS DE ENSINO BILÍNGUE EM BUBAQUE, GUINÉ-BISSAU: línguas e saberes locais na educação escolar. In: https://lume.ufrgs.br/handle/10183/178453. Universidade Federal do Rio Grande do Sul, 2018, abgerufen am 22. Dezember 2019 (portugiesisch). Seite 62 der PDF-Datei 11,3 MB
  11. Siehe Franz-Wilhelm Heimer: „Bildung als Praxis der Befreiung. Ansätze alternativer Erziehung in Guinea-Bissau“. In: Bildung und Erziehung 34 (1) 1981, S. 79–85.
  12. Human Developement Reports. Abgerufen am 5. Januar 2021 (englisch).
  13. Human Developement Reports. Abgerufen am 5. Januar 2021.
  14. Guinea-Bissau. In: Weltbank. Abgerufen am 18. April 2021.
  15. who.int
  16. Guinea-Bissau. UNAIDS, abgerufen am 18. April 2021 (englisch).
  17. Prevalence of undernourishment (% of population) | Data. Abgerufen am 10. März 2018 (amerikanisches Englisch).
  18. Länderdatenbank 2020. In: DSW. Abgerufen am 23. Januar 2021 (deutsch).
  19. Guinea-Bissau – statistics summary (2002 – present) WHO
  20. a b c June Hannam, Mitzi Auchterlonie, Katherine Holden: International Encyclopedia of Women’s Suffrage. ABC-Clio, Santa Barbara, Denver, Oxford 2000, ISBN 1-57607-064-6, S. 10.
  21. – New Parline: the IPU’s Open Data Platform (beta). In: data.ipu.org. Abgerufen am 2. Oktober 2018 (englisch).
  22. Mart Martin: The Almanac of Women and Minorities in World Politics. Westview Press Boulder, Colorado, 2000, S. 161.
  23. Christine Pintat: Women’s Representation in Parliaments and Political Parties in Europe and North America In: Christine Fauré (Hrsg.): Political and Historical Encyclopedia of Women: Routledge New York, London, 2003, S. 481–502, S. 488.
  24. Soldaten töten Präsidenten von Guinea-Bissau (Memento vom 1. August 2010 auf WebCite), Tagesschau, 2. März 2009 (aufgerufen am 2. März 2009).
  25. Unruhen in Guinea-Bissau - Präsident getötet.
  26. Die lange Ermordung des Präsidenten.
  27. Bissau military kills politicians bei bbc.co.uk.
  28. bissaudigital.com.
  29. Putsch in Guinea-Bissau – Krisenstaat drohen Gewalt und Chaos N24 vom 1. April 2010
  30. EU verurteilt Meuterei in Guinea Bissau RP-Online vom 2. April 2010
  31. Siehe Ex-chefe militar da Guiné-Bissau solto mas vigiado, Público (Lissabon), 23. Dezember 2010.
  32. „Nach dem Willen des Putsch-Regimes soll es in den kommenden zwei Jahren keine Wahlen geben“.Spiegel online vom 19. April 2012, abgerufen am 19. April 2012.
  33. Público (Lissabon), 19. April 2012
  34. a b Council reinforces sanctions against military junta in Guinea-Bissau Europäischer Ministerrat vom 31. Mai 2012
  35. Votos Expressos. (PDF) Comissão Nacional de Eleições, abgerufen am 9. November 2014 (portugiesisch).
  36. Fragile States Index: Global Data. Fund for Peace, 2020, abgerufen am 9. Januar 2021 (englisch).
  37. Democracy Index. The Economist Intelligence Unit, abgerufen am 6. Februar 2021 (englisch).
  38. Countries and Territories. Freedom House, 2020, abgerufen am 9. Januar 2021 (englisch).
  39. 2021 World Press Freedom Index. Reporter ohne Grenzen, 2021, abgerufen am 21. Juli 2021 (englisch).
  40. Transparency International Deutschland e.V: CPI 2020: Tabellarische Rangliste. Abgerufen am 12. März 2021.
  41. Silja Fröhlich: Wer wird neuer Präsident von Guinea-Bissau? In: Deutsche Welle. 28. Dezember 2019, abgerufen am 9. Januar 2021.
  42. Nyasha K. Mutizwa: Umaro Sissoko Embalo elected president of Guineau-Bissau. africanews.com vom 2. Januar 2020 (englisch), abgerufen am 3. Januar 2020
  43. imf.org (PDF) Internationaler Währungsfonds
  44. UN Comtrade Export/Import.
  45. Der Gini-Koeffizient lag 1993 bei aufgerundet 0.47, im internationalen Vergleich also ziemlich hoch. Siehe die Liste der Länder nach Einkommensverteilung.
  46. Transparency International e.V.: Corruption Perceptions Index 2016. In: www.transparency.org. (transparency.org [abgerufen am 9. Februar 2018]).
  47. Helmut Kahnt, Bernd Knorr: Alte Maße, Münzen und Gewichte. Ein Lexikon. Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, Lizenzausgabe Mannheim/Wien/Zürich 1987, ISBN 3-411-02148-9, S. 376.
  48. Report for Selected Countries and Subjects. Abgerufen am 9. September 2018 (amerikanisches Englisch).
  49. Economic Intelligence Unit – Guinea-Bissau Country Report July 2009.
  50. World Drug Report 2010. S. 242ff (PDF; 14,6 MB).
  51. Guinea-Bissau – Ereignisse in Folge des 1. April 2010.
  52. In Guinea-Bissau regieren auch die Drogenbosse mit Die Zeit vom 16. April 2012.
  53. Drogenschleuse Westafrika in: Le Monde diplomatique vom 8. Februar 2013
  54. The World Factbook — Central Intelligence Agency. Abgerufen am 22. Juli 2017 (englisch).
  55. Report for Selected Countries and Subjects. Abgerufen am 22. Juli 2017 (amerikanisches Englisch).
  56. Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4.
  57. Guinea-Bissau: Regionen, Städte & urbane Orte - Einwohnerzahlen in Karten und Tabellen. Abgerufen am 10. Dezember 2017.
  58. Fernando Cristóvão u. a.: Dicionário Temático da Lusofonia. Texto Editores, Lissabon 2005 ISBN 972-47-2935-4 S. 253
  59. Nach dem Tod seiner ersten Geliebten ziehen 30 Jahre Erinnerung an Couto vorbei: Bilder von ihr, triumphale Konzerte ihrer gemeinsamen Band rund um die Welt, Tragödien des Befreiungskampfes. Die Stadt steht unter Hochspannung. Alle erwarten den drohenden Putsch der Generäle. Da beschließen die Musikerkollegen, ein Konzert für die verstorbene Sängerin zu geben. Als sich der Abend über die Stadt legt, scheint sich zunächst niemand an die Hits der ehemals berühmten Band zu erinnern. Bereits hört man die ersten Schüsse. Der Staatsstreich beginnt, aber auch das Konzert im Chiringuitó.

Koordinaten: 12° N, 15° W

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- oben: Guinea-Bissau (nach Urania Atlas, Seyler 1971)

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