Teófilo Stevenson

Teófilo Stevenson Boxer
Teófilo Stevenson (1985)
Daten
GeburtsnameTeófilo Francisco Stevenson Lawrence
Geburtstag29. März 1952
GeburtsortPuerto Padre, Kuba
Todestag11. Juni 2012
TodesortHavanna, Kuba
NationalitätKuba Kuba
GewichtsklasseSchwergewicht, Superschwergewicht
Größe1,90 m
Medaillenspiegel
Olympische Spiele3 × Goldmedaille0 × Silbermedaille0 × Bronzemedaille
Weltmeisterschaften3 × Goldmedaille0 × Silbermedaille0 × Bronzemedaille
Panamerikanische Spiele2 × Goldmedaille0 × Silbermedaille1 × Bronzemedaille
Zentralamerika- und Karibikspiele2 × Goldmedaille0 × Silbermedaille1 × Bronzemedaille
Wettkämpfe der Freundschaft1 × Goldmedaille0 × Silbermedaille0 × Bronzemedaille
Olympische Ringe Olympische Spiele
Gold1972 MünchenSchwergewicht
Gold1976 MontrealSchwergewicht
Gold1980 MoskauSchwergewicht
Weltmeisterschaften
Gold1974 HavannaSchwergewicht
Gold1978 BelgradSchwergewicht
Gold1986 RenoSuperschwergewicht
Logo der Pan American Games Panamerikanische Spiele
Bronze1971 CaliSchwergewicht
Gold1975 Mexiko-StadtSchwergewicht
Gold1979 San JuanSchwergewicht
Zentralamerika- und Karibikspiele
Gold1974 Santo DomingoSchwergewicht
Gold1982 HavannaSuperschwergewicht
Wettkämpfe der Freundschaft Wettkämpfe der Freundschaft
Gold1984 HavannaSuperschwergewicht
(c) Bundesarchiv, Bild 183-1984-0401-005 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA 3.0
Stevenson (rechts außen) als Pokalsieger 1984 bei einem Boxturnier in Halle/Saale

Teófilo Francisco Stevenson Lawrence (* 29. März 1952 in Puerto Padre, Las Tunas; † 11. Juni 2012 in Havanna) war ein kubanischer Amateurboxer und dreifacher Olympiasieger und Weltmeister.

Karriere

Teófilo Stevenson begann seine Boxkarriere 1966 vierzehnjährig im Halbmittelgewicht mit einer Niederlage. Von seinen ersten zwanzig Kämpfen verlor er vierzehn. Zu seinen Entdeckern und maßgeblichen Förderern wurden der deutsche Boxtrainer Kurt Rosentritt und der Russe Andrej Tscherwonenko gezählt, die in den 1960er Jahren in der Spitzenförderung des kubanischen Boxsports aktiv waren.[1] Aufgestiegen in die Schwergewichtsklasse, wurde er 1968 kubanischer Juniorenmeister. Ein Jahr später erreichte er bei der kubanischen Landesmeisterschaft bereits das Finale, unterlag aber. Zwischen 1972 und 1986 wurde Stevenson schließlich elf Mal Kubanischer Meister. Der erste internationale Erfolg gelang ihm mit dem Sieg bei der Zentralamerikanischen und Karibischen Meisterschaft in Havanna im September 1970; einen Titel, den er in seiner Laufbahn sieben Mal erreichte.

Olympische Spiele

1972 nahm Stevenson an den Olympischen Spielen in München teil. Im Halbfinale schlug er Peter Hussing und wurde, nachdem sein Finalgegner Ion Alexe verletzungsbedingt nicht antreten konnte, erstmals Olympiasieger. Für seine überzeugende Leistung wurde er außerdem als erster kubanischer Boxer mit dem Val-Barker-Pokal ausgezeichnet. Bei den Spielen 1976 in Montreal und bei Olympia 1980 in Moskau verteidigte er jeweils seinen Titel und wurde damit der zweite Boxer nach László Papp, der drei aufeinanderfolgende olympische Goldmedaillen gewinnen konnte. Diese Leistung gelang seitdem nur noch dem Kubaner Félix Savón. Die Chance auf einen vierten Olympiasieg blieb Stevenson aufgrund des kubanischen Boykotts der Spiele in Los Angeles 1984 verwehrt.

Weltmeisterschaften

Stevenson wurde drei Mal AIBA-Weltmeister. Erstmals gewann er den Titel 1974 bei der ersten Box-WM der Amateure in Havanna, dabei schlug er im Viertelfinale erneut Peter Hussing. Bei der WM 1978 in Belgrad konnte er seinen Titel verteidigen und setzte sich dabei u. a. gegen Tony Tubbs durch. Nach der Einführung des Superschwergewichts trat er ab 1981 in dieser Gewichtsklasse an. 1986 gelang ihm in Reno der Titelgewinn im Superschwergewicht.

Sonstiges

Stevensons gleichnamiger Vater war in den 1920er Jahren aus St. Vincent nach Kuba eingewandert, seine Mutter, Dolores Lawrence, war Kubanerin, deren Eltern von der Karibikinsel St. Kitts stammten.

Zu den wenigen Boxern, denen es gelang, Stevenson zu besiegen, gehörten mit Bernd Anders und Ulli Kaden zwei Deutsche: Anders (TSC Berlin) bezwang Stevenson im Oktober 1970 im Schwergewichts-Finale des Giraldo-Córdova-Cardín-Turniers in Havanna,[2] Kaden (SG Wismut Gera) erreichte gegen Stevenson in den 1980er Jahren drei Siege bei sechs Niederlagen.[3]

Es gab in den 1970er Jahren, ähnlich wie später bei Félix Savón, Angebote an Stevenson, gegen die Profiweltmeister Joe Frazier und Muhammad Ali anzutreten. Stevenson war dem Vergleich mit Ali nicht abgeneigt, wollte aber keinesfalls seinen Amateurstatus verlieren und gegen das 1962 von Revolutionsführer Fidel Castro verfügte Verbot jeglichen Profisports verstoßen. Trotz mehrerer ernsthafter Anläufe kam dieser Kampf schließlich nicht zustande.

Nachdem Stevenson auf dem Weg zu seinem ersten Gold 1972 in München den ersten Gegner in 30 Sekunden besiegte und 1976 in Montreal und 1980 in Moskau seine Goldmedaille erfolgreich verteidigen konnte, wollten ihn mehrere Boxpromoter mit steigenden Millionensummen ins Profilager locken, aber er weigerte sich. Damals tat er den oft zitierten Ausspruch: „Was ist eine Million Dollar gegen acht Millionen Kubaner, die mich lieben?“

Nach seiner Karriere blieb er dem Boxsport verbunden und arbeitete als Trainer im Nachwuchsbereich. Zuletzt war er als Funktionär im kubanischen Boxverband aktiv und dessen Vizepräsident.

Bei einem USA-Aufenthalt im Oktober 1999 fügte Stevenson am Flughafen von Miami einem Angestellten der Fluglinie United Airlines durch einen Kopfstoß Verletzungen an Schneidezähnen und Mund zu, nachdem er sich durch abfällige Bemerkungen über Fidel Castro provoziert gefühlt habe, wie er später angab. Gegen seinen aktiven Widerstand wurde er von mehreren Polizisten festgenommen und kam erst gegen Hinterlegung einer Kaution von 12.500 US-Dollar vorläufig auf freien Fuß. Er entging einem Gerichtsverfahren, indem er sich unerlaubt nach Kuba absetzte.[4][5]

Wegen Herzproblemen durch Blutgerinnsel befand sich Teófilo Stevenson im Alter in ärztlicher Behandlung. Unerwartet erlag er am 11. Juni 2012 einem Herzinfarkt infolge einer akuten Ischämie.[6][7]

Muhammad Ali würdigte Stevenson mit folgenden Worten: "Obwohl er nie professionell gekämpft hat, garantiert der Umstand, drei Goldmedaillen bei drei verschiedenen Olympischen Spielen gewonnen zu haben, dass er ein hervorragender Gegner für jeden amtierenden Champion des Schwergewichts oder jeden Herausforderer in dessen Bestform gewesen wäre. Ich werde mich immer an das Treffen mit dem großen Teófilo in seiner Heimat Kuba erinnern. Er war einer der Großen dieser Welt, und war gleichzeitig ein warmherziger Mann, den man umarmen konnte."[8]

Fidel Castro befand: „Kein anderer Amateurboxer in der Geschichte dieses Sports hat sich so sehr ausgezeichnet wie er. Er hätte zwei weitere olympische Titel erreichen können, wenn dies nicht aufgrund von Pflichten verhindert worden wäre, die die internationalistischen Prinzipien der Revolution auferlegten. Kein Geld der Welt hätte Stevenson bestechen können.“[9]

Stevenson hinterließ eine Ehefrau und zwei Kinder. Er wurde auf dem Friedhof Cementerio Cristóbal Colón in Havanna beigesetzt.

Erfolge

Bilanz: 302 Siege – 22 Niederlagen

  • Kubanischer Juniorenmeister: 1968
  • Kubanischer Meister: 1972–1974, 1976, 1978–1982, 1984, 1986
  • Gewinner des Turniers „Giraldo Córdova Cardín“: 1971, 1972, 1974–1979, 1982
  • Gewinner des Chemiepokals: 1972, 1979, 1984
  • Zentralamerikanischer und Karibischer Meister: 1970–1974, 1977, 1982
  • Gewinner der Zentralamerikanischen und Karibischen Spiele: 1974, 1982
  • Gewinner der Panamerikanischen Spiele: 1975, 1979
  • Weltmeister: 1974, 1978, 1986
  • Olympiasieger: 1972, 1976, 1980

Weblinks

Commons: Teófilo Stevenson – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Michael Rosentritt: Ein stolzer Mann. In: Tagesspiegel. 15. Juni 2012, abgerufen am 14. Februar 2014.
  2. Giraldo Córdova Cardín 1970, in: Amateur Boxing Results, abgerufen am 23. August 2012 (englisch)
  3. @1@2Vorlage:Toter Link/bc-wismut-gera.de (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im August 2018. Suche in Webarchiven.), auf der Webseite des BC Wismut Gera, abgerufen am 23. August 2012
  4. Andrew Cawthorne (Reuters): Accused Cuban boxer "provoked" by insults to Castro (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) in: Cubanet vom 9. November 1999, abgerufen am 12. Juni 2012 (englisch)
  5. Charlie Nobles: Stevenson of Cuba Arrested in Miami. In: The New York Times. 24. Oktober 1999, abgerufen am 12. Juni 2012 (englisch).
  6. Kubanische Boxlegende: Olympiasieger Stevenson tot. 12. Juni 2012, abgerufen am 12. Juni 2012.
  7. Dreifacher Box-Olympiasieger Teófilo Stevenson gestorben. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Stern.de. dpa Pressemitteilung, 12. Juni 2012, archiviert vom Original am 15. Juni 2012; abgerufen am 12. Juni 2012.
  8. Granma Internacional, 8/2012, S. 15
  9. http://de.cubadebate.cu/reflexionen-fidel/2012/06/13/teofilo-stevenson/

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National- und Handelsflagge des Deutschen Reiches von 1935 bis 1945, zugleich Gösch der Kriegsschiffe.
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Es folgt die historische Originalbeschreibung, die das Bundesarchiv aus dokumentarischen Gründen übernommen hat. Diese kann allerdings fehlerhaft, tendenziös, überholt oder politisch extrem sein.
ADN-ZB Lehmann 1.4.84 Halle: XIII. Chemie-Pokalturnier im Boxen - Die Sieger der einzelnen Gewichtsklassen stellten sich den Bildreportern. Untere Reihe vlnr: Mike Knuth, Andreas Zülow (beide DDR), Jesus Sollet (Kuba), Kon Gil Rjon (KDVR) und Torsten Koch (DDR). Obere Reihe vlnr Carlos García (Kuba), Michael Timm, Torsten Schmitz, Henry Maske (alle DDR), Alexander Beljajew (UdSSR, SASK Schwerin), Serik Umirbekow (UdSSR) und 7.Teófilo Stevenson (Kuba).
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Teofilo Stevenson ADN-ZB Settnik 4.10.85 Berlin: XVI. Internationales Boxturnier von Berlin-Der dreifache Olympiasieger und zweifache Weltmeister Teofilo Stevenson (Kuba) greift am 6.10.85 im Halbfinale der Superschwergewichtler ins Ringgeschehen ein. Bei seinem Erscheinen in der Werner-Seelenbinder-Halle ist er bis dahin ständig von Autogrammjägern umringt.