Tübingen Hauptbahnhof

Tübingen Hauptbahnhof
Tuebingen 2011-by-RaBoe-003.jpg
(c) Ra Boe / Wikipedia, CC BY-SA 3.0 de
Daten
Lage im NetzTrennungsbahnhof
BauformDurchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise7 (1–3, 5–6, 12–13)
AbkürzungTT
IBNR8000141
Kategorie2
Eröffnung1862
Architektonische Daten
BaustilRundbogen
ArchitektJosef Schlierholz
Lage
Stadt/GemeindeTübingen
LandBaden-Württemberg
StaatDeutschland
Koordinaten48° 30′ 57″ N, 9° 3′ 21″ O
Höhe (SO)328 m
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Baden-Württemberg
i16i18

Der Tübinger Hauptbahnhof ist ein Nahverkehrsknoten in Baden-Württemberg und der größte Bahnhof in der Universitätsstadt Tübingen und im Landkreis Tübingen.

Lage

Unterführung zur Südstadt

Der Tübinger Hauptbahnhof liegt südlich des Stadtzentrums auf der der Altstadt abgewandten Neckarseite. Ursprünglich auf freiem Feld errichtet, schließen sich heute südlich unmittelbar die Tübinger Stadtteile Derendingen und Südstadt an. Auf dem Bahnhofsvorplatz (Europaplatz) wurde 1960 der Omnibusbahnhof eingerichtet, von hier verbinden täglich 34 Linien des Stadtverkehrs Tübingen den Bahnhof mit dem gesamten Stadtgebiet und dem Umland. Die Gleise sind über eine Unterführung erreichbar deren Ausgang in die Südstadt mündet.

Geschichte

Tübingen Hauptbahnhof um 1900. Fotografie von Paul Sinner
Blick auf das Bw Tübingen im Mai 1970

1861 wurde die aus Stuttgart kommende Obere Neckarbahn (heute Neckar-Alb-Bahn) von Reutlingen über Tübingen bis Rottenburg am Neckar verlängert. Die Strecke wurde anschließend in mehreren Etappen weiter verlängert, bis sie 1870 in Immendingen an die Badische Schwarzwaldbahn zum Bodensee anstieß. Damit bestand ab 1861 für die damals etwa 8.000 Einwohner Tübingens und die insgesamt etwa 30.000 Einwohner des dazugehörigen Oberamtes erstmals eine Schienenverbindung in die Hauptstadt des damaligen Königreichs Württemberg. In den Jahren 1861/1862 wurde das heute noch erhaltene Empfangsgebäude nach Plänen des Architekten Josef Schlierholz errichtet. In Tübingen wurde gleichzeitig ein Bahnbetriebswerk eingerichtet. Von 1867 bis 1874 errichteten die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen von Tübingen ausgehend die Hohenzollernbahn (heute Zollernalbbahn) über Hechingen nach Sigmaringen, wodurch Tübingen zum Eisenbahnknotenpunkt wurde. Nachdem die Ammertalbahn von Herrenberg kommend am 1. Mai 1910 Tübingen erreicht hatte, war der heutige Zustand weitestgehend erreicht. 1916 entstand die heute noch genutzte Unterführung zu den beiden Inselbahnsteigen[1], das vorhandene Empfangsgebäude wurde dazu am westlichen Ende um eine sogenannte Ausgangshalle erweitert[2] und im Inneren umgebaut, die Bahnsteige wurden überdacht.[3] Abgesehen von Umnutzungen insbesondere von Wartesälen und Lagerräumen für Geschäfte und Gastronomie und kleineren Eingriffen wie dem Abbau der Bahnsteigsperren ist die Bausubstanz seitdem weitgehend unverändert.[4]

Im Untergeschoss des Empfangsgebäudes wurde 1937 ein Luftschutzkeller eingerichtet.[5]

Heutiger Betrieb

Luftbild des Bahnhofs

Aufbau des Bahnhofs

Hauptbahnhof Tübingen mit Blickrichtung Osten

Der Tübinger Hauptbahnhof besitzt heute acht durchgehende Gleise, von denen fünf mit Bahnsteigen ausgestattet sind: Gleis 1 ist der Hausbahnsteig, an zwei Inselbahnsteigen liegen die Gleise 2/3 und 5/6. An den Inselbahnsteigen liegen darüber hinaus die Stumpfgleise 9–12, von denen aber nur Gleis 12 für den Personenverkehr genutzt wurde. Am westlichen Ende des Hausbahnsteigs findet sich als weiteres für den Personenverkehr genutztes Stumpfgleis Gleis 13. Im Westen schließen sich das Betriebswerk sowie die Ammertalbahn, Zollernalbbahn und Obere Neckarbahn an. Im Osten schloss sich der an der Neckar-Alb-Bahn gelegene ehemalige Güterbahnhof an. Heute existieren dort nur noch wenige Abstellgleise, die übrige Fläche wird seit 2015 mit einem neuen Stadtviertel bebaut.

Alle Gleise verfügen über LCD-Zugzielanzeiger zur Fahrgastinformation, darüber hinaus existiert ein DB ServicePoint und ein Reisezentrum. An Gleis 1 befinden sich öffentliche Toiletten. Den Besuchern stehen zwei Gastronomieangebote und verschiedene Einkaufsmöglichkeiten zur Verfügung. Im Bahnhof befindet sich auch ein Revier der Bundespolizei und eine Anlaufstelle der Bahnhofsmission.

Haupthalle des Bahnhofs

Die Bahnsteige des Tübinger Hauptbahnhofs sind seit September 2011 barrierefrei zugänglich[6]. Eine entsprechende Erschließung wurde im Rahmen des Bahnhofsmodernisierungsprogramms von DB Station&Service für Baden-Württemberg geplant, die Arbeiten begannen im Frühjahr 2010. Der Bahnsteig der Gleise 1 und 13 sowie der Bahnsteig der Gleise 2, 3 und 12 wurden jeweils durch einen Aufzug angebunden, der Bahnsteig der Gleise 5 und 6 durch eine Rampe. Die niedrige Höhe der Bahnsteige blieb dabei jedoch unverändert, so dass ein stufenloser Einstieg in Züge lediglich am Gleis 13 möglich ist. Dieser Bahnsteig wurde als einziger anlässlich der Wiederinbetriebnahme der modernisierten Ammertalbahn auf ganzer Länge im Jahr 1999 auf eine Höhe von 55 cm angehoben. Die Erhöhung der übrigen Bahnsteige auf 55 cm ist weiterhin Bestandteil des Bahnhofsmodernisierungsprogrammes, konkrete Planungen und Zeitpläne existieren aber nicht.

Fernverkehr

Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 gab es in Tübingen keinen planmäßigen Fernverkehr mehr. Seitdem wird ein Zugpaar der Intercity-Linie 32 in Tagesrandlage über Stuttgart nach Tübingen verlängert. Das Angebot bestand zunächst für zwei Jahre und sollte dann überprüft werden.[7] Inzwischen ist diese Verbindung in ein dauerhaftes Angebot überführt.

VerlaufTaktfrequenz
IC 32 IC 2010/2011(Berlin OstbahnhofBerlin HauptbahnhofBerlin-SpandauWolfsburgHannoverHerfordBielefeldGüterslohHammDortmundBochumEssenMülheimDuisburgDüsseldorf –) KölnBonnRemagenAndernachKoblenzMainzMannheimHeidelbergStuttgartNürtingenReutlingenTübingen1 Zugpaar

Regionalverkehr

VerlaufTaktfrequenzStreckenBetreiber
Interregio-ExpressStuttgart Hbf – Reutlingen – Tübingen Hbf – Hechingen – Albstadt-Ebingen – Sigmaringen – Aulendorf120 MinutenNeckar-Alb-Bahn, ZollernalbbahnDB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee
Regional-ExpressTübingen Hbf – Reutlingen Hbf – Metzingen (Württ) – Nürtingen – Wendlingen (Neckar) – Plochingen – Esslingen (Neckar) – Stuttgart Hbf60 Minuten (in der HVZ auf 30 Minuten verdichtet)Neckar-Alb-BahnDB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee
RegionalbahnTübingen Hbf – Entringen – Herrenberg30 MinutenAmmertalbahnDB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee
Die meisten Regionalbahnen aus Herrenberg werden an Werktagen (Mo–Sa) in Tübingen Richtung Plochingen oder Bad Urach durchgebunden.
Regionalbahn(Tübingen Hbf – Reutlingen –) Metzingen – Bad Urach60 Minuten (nur HVZ)Neckar-Alb-Bahn, ErmstalbahnDB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee
RegionalbahnTübingen Hbf – Reutlingen – Metzingen – Nürtingen – Wendlingen (– Plochingen)60 Minuten (nach Wendlingen), 120 Minuten (nach Plochingen)Neckar-Alb-BahnDB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee
Regionalbahn „KulturbahnTübingen Hbf – Rottenburg – Horb (– Nagold– Pforzheim)30 Minuten (nach Rottenburg), 60 Minuten (nach Horb), 120 Minuten (nach Pforzheim)Obere Neckarbahn, NagoldtalbahnDB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee
Hohenzollerische LandesbahnTübingen Hbf – Mössingen – Hechingen – Balingen – Albstadt-Ebingen (– Sigmaringen)60 Minuten (nach Albstadt), 120 Minuten (nach Sigmaringen)ZollernalbbahnSWEG Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG
Die bis 2013 im Gemeinschaftsverkehr zwischen HzL und RAB gefahrene Gemeinschaftslinie Tübingen–Sigmaringen–Aulendorf besteht nicht mehr, es muss jeweils in Sigmaringen umgestiegen werden.

Ausblick

Das Betriebskonzept des Landes für die Zeit ab der Betriebsaufnahme des Ausschreibungsnetzes Nr. 1 („Stuttgarter Netze“) sieht von Juni 2020 an vor, dass die RE-Züge Richtung Stuttgart Mo–Sa während der Tagesstunden im 30-Minuten-Takt verkehren und über Stuttgart hinaus weiter bis Heilbronn und von dort abwechselnd nach Mannheim und Osterburken verkehren sollen. Die RB-Züge sollen dafür nicht mehr zwischen Metzingen und Plochingen verkehren. Die Halte Bempflingen und Oberboihingen sollen statt dessen stündlich durch die RE-Züge bedient werden. Zusätzlich soll die im 120-Minuten-Takt verkehrende dieselbetriebene IRE-Linie Stuttgart–Tübingen–Aulendorf (mit Halt in Richtung Stuttgart nur in Reutlingen) zwischen Tübingen und Stuttgart durch eine weitere elektrisch betriebene IRE-Linie im 120-Minuten-Takt ergänzt werden, so dass im Abschnitt Tübingen–Stuttgart dann ein stündliches IRE-Angebot besteht.[8] Diese Linien werden ab Juni 2020 neu von der Abellio Rail Baden-Württemberg betrieben werden. Anstelle der aktuell vom heutigen Betreiber DB ZugBus Regionalverkehr Alb-Bodensee eingesetzten lokbespannten Züge werden Talent-2-Triebzüge in 3- und 5-teiliger Ausführung eingesetzt werden, wobei je nach Nachfrage Züge mit 1–3 gekuppelten Triebzügen verkehren werden.

Bis Sommer 2022 sollen die planfestgestellten Ausbaumaßnahmen der Strecken Herrenberg–Tübingen (Ammertalbahn, Elektrifizierung und 2 Doppelspurabschnitte), Tübingen–Metzingen (Obere Neckartalbahn, 4 neue Haltepunkte bei Schließung des Haltepunktes Tübingen-Lustnau) sowie Metzingen–Bad Urach (Ermstalbahn, Elektrifizierung und neuer Kreuzungsbahnhof Dettingen Gsaidt) abgeschlossen sein, so dass ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 der elektrische Betrieb im 30-Minuten-Takt Herrenberg–Tübingen–Metzingen–Bad Urach aufgenommen werden soll. Die Ausschreibung dieser Leistungen durch das Land Baden-Württemberg soll im Laufe des Jahres 2019 erfolgen.

Das Betriebskonzept für die Zeit nach der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 sieht vor, zwischen Stuttgart und Tübingen vier Züge pro Stunde und Richtung verkehren zu lassen. Zwei Zugpaare pro Stunde sollen dabei mit Halten in Reutlingen, Nürtingen und am Flughafen Stuttgart über die Kleine Wendlinger Kurve und einem Abschnitt der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm geführt werden. Zwei weitere stündliche Zugpaare sollen über Plochingen verkehren. Die Linien sollen über Stuttgart hinaus nach Heilbronn, Mannheim, Aalen und Karlsruhe durchgebunden werden, so dass umsteigefreie Verbindungen entstehen.[9]

Neigetechnik-Züge können aufgrund des Verbots von Dieselfahrzeugen im neuen Hauptbahnhof Stuttgart zukünftig nicht mehr nach Stuttgart verkehren[10]. Daher sieht das Betriebskonzept vor, dass die heutige IRE-Linie Aulendorf–Tübingen–Stuttgart in Tübingen endet und dort auf die schnellen RE-Züge Züge in Richtung Stuttgart umgestiegen werden muss. Sollte die im Rahmen des Projektes Regionalstadtbahn Neckar-Alb geplante Elektrifizierung der Zollernalbbahn zwischen Tübingen und Albstadt-Ebingen zu diesem Zeitpunkt erfolgt sein, soll laut dem baden-württembergischen Verkehrsministerium der Umsteigeort in die Regional-Expresszüge von Tübingen nach Albstadt verlegt werden.[11]

Bahnbetriebswerk

Bahnbetriebswerk Tübingen, 2017

Das im Westen des Bahnhofes zwischen den Strecken nach Horb und Sigmaringen gelegene Bahnbetriebswerk ist auch heute noch in Betrieb. Derzeit (2013) sind Triebwagen der Baureihe 650 hier beheimatet. 2007 bis 2009 wurde eine neue Triebwagenhalle und eine neue Anlage zur Reinigung von Reisezügen errichtet. Das etwa um 1915 entstandene Verwaltungsgebäude und der denkmalgeschützte Wasserturm bleiben erhalten. Geplant war zwischenzeitlich eine neue 230 m lange Ganzzughalle. Lokomotiven und Wagen von DB Regio sollten von Stuttgart hierher umbeheimatet werden.[12] Da die DB die Ausschreibung für den Betrieb des Personenverkehrs auf der Strecke Tübingen-Stuttgart nicht gewonnen hat, wird die leerstehende alte Halle des Bahnbetriebswerkes aber bis auf Weiteres nicht abgerissen und könnte nach Sanierung des ölverschmutzen Hirnholzbodens möglicherweise sogar für kulturelle Veranstaltungen umgenutzt werden.[13]

Weblinks

 Commons: Tübingen Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bahnbetriebswerk Tübingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Staatsarchiv Ludwigsburg K 412 IV DO 14636 Tübingen Hbf: Bahnsteigunterführung bei km 48+731,92 - Grundriss Treppe 1 - 3
  2. Staatsarchiv Ludwigsburg K 412 IV DO 14647 Tübingen Hbf: Empf.Verwaltungsgeb.Anbau Ausgangshalle
  3. Staatsarchiv Ludwigsburg K 412 IV DO 14621 Tübingen Hbf: Empfangsgebäude Überdachung Bahnsteig 2
  4. Staatsarchiv Ludwigsburg K 412 IV DO 14646 Tübingen Hbf: Empfangsgebäude Verwaltungsgebäude Grundriss Erdgeschoss
  5. Staatsarchiv Ludwigsburg K 412 IV DO 14653 Tübingen Hbf: Einbau eines Luftschutzraumes Empfangsgeb
  6. http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/tuebingen_artikel,-Bahn-Chef-und-Politiker-eroeffnen-die-neuen-Aufzuege-_arid,145799.html
  7. Martin Mayer: Endlich Grünes Licht im Sackbahnhof. Schwäbisches Tagblatt. 14. Dezember 2009. Abgerufen am 14. Dezember 2009.
  8. Bernd Klingel: Ausschreibung Stuttgarter Netze, geplantes Fahrplanangebot. Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg. Archiviert vom Original am 29. November 2014. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/mvi.baden-wuerttemberg.de Abgerufen am 17. Januar 2016.
  9. Dagmar Starke: Angebotskonzept SPNV 2020 (PDF) Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg. Oktober 2010. Archiviert vom Original am 27. Oktober 2010. Abgerufen am 20. November 2010.
  10. SMA und Partner: Stellungnahme von SMA und Partner AG zu Veröffentlichungen von vertraulichen Sitzungsunterlagen (Memento vom 9. Oktober 2010 im Internet Archive) (PDF-Datei, 65 kB). "Version 1-00" vom 28. Juli 2010, S. 6.
  11. Anfrage Hans Martin Haller, MdL, SPD, 2013, Zielprojektion Zollernalbbahn
  12. Neue Werke für die Bahnzukunft im Ländle. In: eisenbahn-magazin 10/2013, S. 30–33
  13. Monica Brana: Vom Abstellgleis geholt. Tag des offenen Denkmals im ehemaligen Tübinger Bahnbetriebswerk. Schwäbisches Tagblatt, 11. September 2017.

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Haupthalle des Hauptbahnhofs in Tübingen
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Ausschnitt einer Luftaufnahme von Tübingen mit Fokus auf Hauptbahnhof. Am unteren Rand die Thiepval-Kaserne.