Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2000

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54. Präsidentschaftswahl
Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten
7. November 2000

GeorgeWBush.jpg
Republikanische Partei
George W. Bush / Dick Cheney
Wahlleute271  
Stimmen50.456.002  
  
47,9 %
Al Gore, Vice President of the United States, official portrait 1994.jpg
Demokratische Partei
Al Gore / Joe Lieberman
Wahlleute266[1]  
Stimmen50.999.897  
  
48,4 %

Wahlergebnisse nach Bundesstaat
Karte der Wahlergebnisse nach Bundesstaat
  30  
Bush/Cheney
  20+DC  
Gore/Lieberman

Präsident der Vereinigten Staaten

Die 54. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand am 7. November 2000 statt. Mit einem der knappsten Ergebnisse in der Geschichte der USA wurde George W. Bush zum 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.

Die Stimmauszählung im Bundesstaat Florida, einem der besonders umkämpften Swing States, dauerte mehr als einen Monat. Am Ende lag Bush dort mit 537 Stimmen vor seinem demokratischen Konkurrenten Gore. Auch nach richterlich angeordneten Nachzählungen in einigen Wahlkreisen und der höchstrichterlichen Überprüfung durch den Supreme Court blieb der Wahlausgang umstritten.

Kandidaten

Demokratische Partei

Demokratische Kandidaten:

Nach den Regeln des 22. Zusatzartikels der Verfassung durfte Amtsinhaber Bill Clinton nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Im Rennen um die Nominierung trat daher der amtierende Vizepräsident Al Gore an. Einziger nennenswerter Gegenkandidat war der Senator Bill Bradley, ein ehemaliger Profi-Basketballer, der für die New York Knicks gespielt hatte und 1978 in die Politik gegangen war. Vor allem im Bereich Gesundheitsvorsorge gingen die Meinungen Gores und Bradleys, der massive Reformen forderte, auseinander. Obwohl Gore schließlich alle Vorwahlen für sich entscheiden konnte, offenbarten die Debatten mit Bradley ein Image-Problem für ihn. Gores mitunter roboterhafte Körperhaltung und vermeintlich überhebliche Ausstrahlung sowie seine intellektuelle Art kamen beim Wähler schlecht an. Diese negativen Aspekte des Kandidaten und potentiellen nächsten Präsidenten bereiteten ihm auch in den Fernsehdebatten gegen Bush große Probleme bei der Wählerschaft.

Als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten nominierte Gore später Senator Joseph Lieberman aus Connecticut. Der orthodoxe Jude Lieberman war der erste prominente Demokrat gewesen, der Clintons Affäre mit Monica Lewinsky als unmoralisch kritisiert hatte. Liebermans warmherzige Erscheinung sollte Gores vermeintliche Steifheit kompensieren.

Republikanische Partei

Republikanische Kandidaten:

Nachdem Bob Dole bei den Wahlen vier Jahre zuvor deutlich unterlegen war, entschieden sich die Republikaner nun für den texanischen Gouverneur George W. Bush, den Sohn des früheren Präsidenten George Bush. Sein härtester Konkurrent in den Vorwahlen war Senator John McCain aus Arizona, der jedoch nach einer deutlichen Niederlage bei den Vorwahlen in South Carolina praktisch keine Chance mehr besaß. Der Wahlkampf zwischen Bush und McCain gilt als einer der schmutzigsten der US-Geschichte. McCain soll Vater eines unehelichen schwarzen Kindes sein, seine Frau Cindy sei drogenabhängig, McCain selbst schwul und psychisch instabil wegen seiner Gefangenschaft in Nordvietnam.[2] Alle übrigen Kandidaten hatten das Rennen bereits frühzeitig aufgegeben. Beim Nominierungskonvent in Philadelphia erhielt Bush 2.038 von 2.041 Stimmen.

Mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Vizepräsidentschaft wurde eine Findungskommission unter Vorsitz des früheren US-Verteidigungsministers Dick Cheney betraut. Diese kam zu dem Ergebnis, dass kein Parteimitglied besser als Cheney selbst für das Amt geeignet sei.

Grüne Partei

Grüner Kandidat:

Verbraucheranwalt Ralph Nader trat zum zweiten Mal nach 1996, erstmals als offizieller Kandidat der Grünen Partei, als Präsidentschaftskandidat an.

Wahlergebnis

Durch die juristischen Probleme der korrekten Stimmenauszählung in Florida dauerte es nach der Wahl mehr als einen Monat, bis ein Ergebnis feststand. Als der damalig mehrheitlich republikanisch besetzte Supreme Court letztinstanzlich eine erneute Nachzählung in bestimmten Wahlkreisen Floridas verbot (siehe Bush v. Gore), war der Wahlsieg des republikanischen Kandidaten offiziell. George W. Bush hatte die Präsidentschaftswahl mit einer bis heute umstrittenen Differenz von 537 Stimmen in Florida gewonnen.[3]

Von den entscheidenden insgesamt 538 Wahlmännerstimmen konnte George W. Bush mit 271 Stimmen die Mehrheit für sich gewinnen (eine Stimme mehr als die notwendigen 270).

Da die Mehrzahl der Richter am Supreme Court von republikanischen Präsidenten ernannt worden war, war bereits des Öfteren Kritik an der Objektivität der Entscheidung des Gerichts laut geworden.

Wahlmaschinen

Wegen der öffentlichen Kritik an den Wahlmaschinen in Florida wurde der Help America Vote Act entworfen und am 29. Oktober 2002 verabschiedet. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit setzte sich Floridas Gouverneur Charlie Crist für die Abschaffung von Wahlcomputern in Florida ein.

Am 3. Mai 2007 ist Florida zum klassischen Wahlzettel auf Papier zurückgekehrt. Das Parlament verabschiedete einstimmig ein Gesetz, das den Einsatz von Papier-Stimmzetteln vorschreibt. Wie die 118 Abgeordneten in ihrem Entscheid begründeten, soll damit gegebenenfalls eine notwendig werdende Neuauszählung der Stimmen ermöglicht werden.

Gesamtergebnis

NameParteiWahlmännerGesamtwählerstimmen
George W. BushRepublikaner27150.461.092
Al GoreDemokraten26750.994.086
Ralph NaderGrüne02.882.728
Sonstige01.066.246

Da in den USA bei Präsidentschaftswahlen nicht das Gesamtergebnis der Stimmen relevant ist, sondern die Anzahl Wahlmännerstimmen, wurde George W. Bush zum Präsidenten gewählt, obwohl Al Gore einen landesweiten Stimmenvorsprung von 532.994 Stimmen aufwies. Wahlfrau Barbara Lett-Simmons aus dem District of Columbia gab einen leeren Wahlzettel ab, anstatt nach Parteilinie für Gore zu stimmen, um dagegen zu protestieren, dass die Bürger der Hauptstadt im Senat nicht vertreten sind.[4]

Wahlergebnis nach Bundesstaaten

WM: Anzahl der Wahlmännerstimmen

BundesstaatRep.
Wählerstimmen
Rep.
WM
Dem.
Wählerstimmen
Dem.
WM
Grüne
Wählerstimmen
Grüne
WM
Alabama944.4099695.60218.349
Alaska167.398379.00428.747
Arizona781.6528685.34145.645
Arkansas472.9406422.76813.421
Colorado883.7458738.22791.434
Connecticut561.094816.015864.452
Delaware137.288180.06838.307
Florida2.912.790252.912.25397.488
Georgia1.419.720131.116.23013.432
Hawaii137.845205.286421.623
Idaho336.9374138.63712.292
Illinois2.019.4212.589.02622103.759
Indiana1.245.83612901.98018.531
Iowa634.373638.517729.374
Kalifornien4.567.4295.861.20354418.707
Kansas622.3326399.27636.086
Kentucky872.4928638.89823.192
Louisiana927.8719792.34420.473
Maine286.616319.951437.127
Maryland813.7971.145.7821053.768
Massachusetts878.5021.616.48712173.564
Michigan1.953.1392.170.4181884.165
Minnesota1.109.6591.168.26610126.696
Mississippi573.2307404.9648.126
Missouri1.189.924111.111.13838.515
Montana240.1783137.12624.437
Nebraska433.8625231.78024.540
Nevada301.5754279.97815.008
New Hampshire273.5594266.34822.198
New Jersey1.284.1731.788.8501594.554
New Mexico286.417286.783521.251
New York2.403.3744.107.90733244.060
North Carolina1.631.163141.257.692
North Dakota174.852395.2849.497
Ohio2.351.209212.186.190117.857
Oklahoma744.3378474.276
Oregon713.577720.348777.357
Pennsylvania2.281.1272.485.96723103.392
Rhode Island130.555249.508425.052
South Carolina786.4268566.03920.279
South Dakota190.7003118.804
Tennessee1.061.94911981.72019.781
Texas3.799.639322.433.746137.994
Utah515.0965203.05335.850
Vermont119.775149.022320.374
Virginia1.437.490131.217.29059.398
Washington1.108.8641.247.65211103.002
Washington, D.C.18.073171.923310.576
West Virginia336.4755295.49710.680
Wisconsin1.237.2791.242.9871194.070
Wyoming147.947360.4814.625
Summe50.460.11027151.003.9322672.883.1050

Literatur

  • Edward Foley: Ballot Battles: The History of Disputed Elections in the United States. Oxford University Press, Oxford 2016, ISBN 978-0-19-023527-7, S. 279–305 (= 11. Florida 2000: Avoiding a Return to the Constitutional Brink).
  • Donald Richard Deskins, Hanes Walton, Sherman C. Puckett: Presidential Elections, 1789-2008: County, State, and National Mapping of Election Data. University of Michigan, Ann Arbor 2010, ISBN 978-0-472-11697-3, S. 518–527 (= Kapitel 56: George W. Bush’s Initial Election.).
  • Richard Johnston, Michael G. Hagen und Kathleen Hall Jamieson: The 2000 Presidential Election and the Foundations of Party Politics. Cambridge University Press, Cambridge 2004, ISBN 0-521-81389-1.
  • Robert E. Denton, Jr. (Hrsg.): The 2000 Presidential Campaign: A Communication Perspective. Praeger, Westport (CT) 2002, ISBN 0-275-97107-4.
  • Andrew E. Busch, James W. Ceaser: The Perfect Tie: The True Story of the 2000 Presidential Election. Rowman & Littlefield, Lanham (MD) 2001, 0-7425-0835-8.

Einzelnachweise

  1. 267 Wahlmänner hatten Gore/Lieberman bei der Wahl erreicht; Allerdings enthielt sich eine Wahlfrau aus der Delegation von Washington, D.C der Stimme, wodurch Gore/Lieberman nur 266 im Wahlkollegium erreichten
  2. Nicolas Richer: Stimmen der Unvernunft. In: Der Bund vom 1. Februar 2016, S. 2
  3. Wade Payson-Denney: So, Who Really Won? What the Bush v. Gore Studies Showed. In: CNN.com, 31. Oktober 2015 (englisch).
  4. Meldung auf Fairvote.org, 2004

Weblinks

Commons: Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2000 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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