Phönizische Schrift

Phönizische Schrift
SchrifttypAbdschad
SprachenPhönizisch, Hebräisch und andere semitische Sprachen
Verwendungszeit11. bis 5. Jahrhundert v. Chr.
Verwendet inPalästina, Mittelmeerraum
AbstammungProtosinaitische Schrift
Phönizische Schrift
AbgeleiteteAramäische Schrift, griechische Schrift, Altsüdarabische Schrift
VerwandteAlthebräische Schrift, punische Schrift
Besonderheitenhorizontal von rechts nach links geschrieben
UnicodeblockU+10900–U+1091F
ISO 15924Phnx
Inschrift auf dem Ahiram-Sarkophag
Die Inschrift am Deckel des Ahiram-Sarkophags (Byblos, ca. 1000 v. Chr.) gilt als eines der ältesten Zeugnisse der phönizischen Schrift.

Die phönizische Schrift ist eine linksläufige Konsonantenschrift aus 22 Zeichen, deren Reihenfolge das Abdschad übernommen hat und die vom 11. bis 5. Jahrhundert v. Chr. im Libanon, in Palästina und in Syrien verwendet wurde. Mit ihr wurden nicht nur die phönizische Sprache, sondern lange auch die aramäische, hebräische und andere semitische Sprachen geschrieben. Die althebräische Schrift ist eine Variante der phönizischen Schrift.

Die Schrift wurde spätestens im 11. Jahrhundert v. Chr. von den Phöniziern durch Abstrahierung der protosinaitischen Schrift entwickelt. Das älteste Zeugnis ist eine Inschrift auf dem Sarkophag des Ahiram von Byblos im heutigen Libanon (um 1000 v. Chr.). Allerdings muss die Reihenfolge des Alphabets, die die phönizische mit der althebräischen Schrift gemeinsam hat, älter sein, da sie vom ugaritischen Alphabet bereits vorausgesetzt wird. Aus der phönizischen Schrift entstanden die aramäische Schrift, die griechische Schrift, die altsüdarabische Schrift – und über deren Abkömmlinge auch fast alle heutigen alphabetischen Schriften.

Das phönizische Alphabet als Grundlage späterer Alphabete

Das phönizische Alphabet (mittlere Säule) ist die Mutter verschiedener heutiger Alphabete. V. l. n. r.: lateinisch, griechisch, phönizisch, hebräisch, arabisch.
Die modernen Äquivalente der phönizischen Buchstaben stehen auf selber Höhe wie die „Originale“ in der mittleren Spalte.
Verwandte Buchstaben sind im gleichen Farbton hinterlegt. Pfeile ordnen Buchstaben ihrem jeweiligen Äquivalent zu.
Phönizischphönizischer Namehebräische
Quadratschrift
hebräischer NameLautwert
PhoenicianA-01.svgʔalfאAleph' (Vokalanstoß)
PhoenicianB-01.svgbētבBethb
PhoenicianG-01.svggamlגGimelg
PhoenicianD-01.svgdeltדDalethd
PhoenicianE-01.svgהHeh
PhoenicianW-01.svgwauוWaww
PhoenicianZ-01.svgzaiזZajinz
PhoenicianH-01.svgḥētחChetch
PhoenicianTet-01.pngṭētטTett
PhoenicianI-01.svgyōdיJodj
PhoenicianK-01.svgkafכKaphk
PhoenicianL-01.svglamdלLamedl
PhoenicianM-01.svgmēmמMemm
PhoenicianN-01.svgnūnנNunn
PhoenicianX-01.svgsemkסSamechs
PhoenicianO-01.svgʕainעAjin' (Vokalanstoß)
PhoenicianP-01.svgפPep
PhoenicianTsade-01.svgṣädēצTzadez (ts)
PhoenicianQ-01.svgqōfקKophq
PhoenicianR-01.svgrōšרReschr
PhoenicianS-01.svgšinשSchinsch
Proto-semiticT-01.svgtauתTawt

Das phönizische Alphabet ist die Grundlage des aramäischen Alphabets (welches seinerseits Grundlage des hebräischen, des arabischen, vermutlich auch der verschiedenen indischen Alphabete ist), sowie des griechischen (und damit des lateinischen und des kyrillischen) Alphabets. Erkennbar ist dies auf den ersten Blick durch die beiden gleichen Anfangsbuchstaben, in manchen Alphabeten sind es auch mehr als zwei gleiche Anfangsbuchstaben:

Das arabische Alphabet (Abdschadiya) weicht dann aber von der nahezu einheitlichen Reihenfolge ab, da die Buchstaben später nach optischer Ähnlichkeit neu gruppiert wurden. In der älteren Version, dem Abdschad, ist diese Reihenfolge noch erhalten. Auch die indischen Alphabete weichen wegen einer späteren Neugruppierung nach Lautähnlichkeit von der Standardreihenfolge ab.

Ableitungen des phönizischen Alphabets liegen direkt oder zumindest als Inspirationsquelle fast allen heute gebrauchten Schriften der Welt zugrunde, mit Ausnahme der ostasiatischen Schriften (chinesische Schrift und Abkömmlinge).

Die einzelnen Buchstaben

Die phönizischen Namen der Buchstaben werden häufig durch die fast gleich lautenden hebräischen Namen ersetzt. Die genaue Herkunft der Buchstabenformen ist vielfach ungeklärt oder umstritten sowie teilweise von der Bedeutung späterer hebräischer oder arabischer Wörter mit ähnlicher Lautung beeinflusst.

ʔalf, Aleph

𐤀

Aleph ist ein semitischer Guttural, ein Glottisverschluss wie in deutsch bearbeiten zwischen e und a, die hier keinen Diphthong bilden; erst im griechischen Alphabet wurde aus dem Zeichen der Vokal a, Alpha. Der Buchstabe leitet sich von der stilisierten Darstellung eines Stierkopfes (alef = Rind) her. Lateinische Entsprechung: A.

bēt, Beth

𐤁

Beth ist ein Konsonant, der sich von der stilisierten Darstellung des Grundrisses eines Hauses (beth = Haus) herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Beta. Lateinische Entsprechung: B.

gaml, Gimel

𐤂

Das Gimel ist ein Konsonant, der sich entweder von der stilisierten Darstellung eines Kamelrückens (gamel = Kamel) oder von einer bumerangartigen Wurfwaffe herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Gamma. Lateinische Entsprechungen: C und G.

delt, Daleth

𐤃

Das Daleth ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung einer aufgeklappten Zelttür herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Delta. Lateinische Entsprechung: D.

hē, He

𐤄

He ist ein semitischer Guttural, aus dem erst im griechischen Alphabet der Vokal Epsilon wurde. Der Buchstabe leitet sich von der stilisierten Darstellung eines mit erhobenen Händen betenden Menschen her, wie noch heute weithin praktiziert. Möglicherweise stellte er aber auch ein Fenster dar. Lateinische Entsprechung: E.

wau, Waw

𐤅

Waw ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung eines Hakens oder eines Nagels herleitet. Im Griechischen wurden daraus die Buchstaben Digamma und Ypsilon. Lateinische Entsprechungen: F, U, V, W und Y.

zai, Zajin

𐤆

Zajin ist ein Konsonant, der sich von der stilisierten Darstellung einer Waage oder einer Stichwaffe, möglicherweise auch einer handschellenartigen Fessel herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Zeta. Lateinische Entsprechung: Z.

ḥēt, Chet

𐤇

Chet ist ein semitischer Guttural. Der Buchstabe leitet sich von der Darstellung einer Mauer oder eines Zaunes bzw. eines eingefriedeten Bereiches wie einem Innenhof her. Manche Quellen nennen auch eine Haarsträhne als möglichen piktographischen Ursprung. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Eta. Lateinische Entsprechung: H.

ṭēt, Tet

𐤈

Tet ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer Garnrolle oder eines Rades herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Theta. Keine lateinische Entsprechung.

yōd, Jod

𐤉

Jod ist ein semitischer Guttural, aus dem erst im griechischen Alphabet der Vokal Iota wurde. Der Buchstabe leitet sich von der Darstellung einer Hand (yod = Hand) samt Arm her. Lateinische Entsprechungen: I und J.

kaf, Kaph

𐤊

Kaph ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer geöffneten Hand herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Kappa. Lateinische Entsprechung: K.

lamd, Lamed

𐤋

Lamed ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung eines Hirtenstabes oder Zepters herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Lambda. Lateinische Entsprechung: L.

mēm, Mem

𐤌

Mem ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung einer Wasserlinie herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe My. Lateinische Entsprechung: M.

nūn, Nun

𐤍

Nun ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung einer Schlange oder eines aalartigen Fisches herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Ny. Lateinische Entsprechung: N.

semk, Samech

𐤎

Samech ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der Darstellung eines Stützpfeilers oder einer (Wirbel-)Säule herleitet. Im Griechischen wurden daraus die Buchstaben Xi und Chi. Lateinische Entsprechung: X.

ʕain, Ajin

𐤏

Ajin ist ein semitischer Guttural, aus dem erst im griechischen Alphabet die Vokale Omikron und Omega wurden. Der Buchstabe leitet sich von der stilisierten Darstellung eines Auges her. Lateinische Entsprechung: O.

pē, Pe

𐤐

Pe ist ein Konsonant, der sich von der stilisierten Darstellung eines Mundes, vor allem der Lippen, herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Pi. Lateinische Entsprechung: P.

ṣädē, Zade

𐤑

Zade ist ein Konsonant, der sich von der Darstellung entweder einer Heuschrecke oder einer Pflanze herleitet. Dieser Buchstabe wurde als Sampi vorübergehend in das griechische Alphabet übernommen, später aber nur noch als Zahlzeichen verwendet. Keine lateinische Entsprechung.

qōf, Qoph

𐤒

Qoph ist ein Konsonant, der sich von der stark stilisierten Darstellung eines sitzenden Affen mit herabhängendem Schwanz oder von einer Nähnadel mit Öhr herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Qoppa, der aber nur für seinen Zahlwert 90 beibehalten wurde. Lateinische Entsprechung: Q.

rōš, Resch

𐤓

Resch ist ein Konsonant, der sich von der stilisierten Darstellung eines Menschenkopfes im Profil herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Rho. Lateinische Entsprechung: R.

šin, Schin

𐤔

Schin ist ein Konsonant, der sich vermutlich von der stilisierten Darstellung eines Zahnes oder der Sonne herleitet. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Sigma. Lateinische Entsprechung: S.

tau; Taw

𐤕

Taw ist ein Konsonant, dessen schriftliche Form ein kreuzartiges Markierungszeichen ist. Im Griechischen wurde daraus der Buchstabe Tau. Lateinische Entsprechung: T.

Unicode

Das phönizische Alphabet ist im weltweiten Zeichencodierungsstandard Unicode im Bereich U+10900 – U+1091F aufgenommen. Ein alternativer Vorschlag, alle nordwestsemitischen Abdschaden als Fontvarianten des Hebräischen Alphabets zu behandeln, wurde abgelehnt.

Falls der verwendete Browser die benötigte Unicode-Version darstellen kann und eine Schriftart mit Glyphen für die phönizische Schrift installiert ist, werden in der folgenden Tabelle die phönizischen Buchstaben dargestellt und können z. B. in die Zwischenablage kopiert werden:

phönizische Inschrift über eine Landverleihung, Archäologisches Museum von Alanya, Türkei
Unicodeblock Phönizisch
BuchstabeZeichenUnicode-NameCodepoint
Aleph𐤀PHOENICIAN LETTER ALFU+10900
Beth𐤁PHOENICIAN LETTER BETU+10901
Gimel𐤂PHOENICIAN LETTER GAMLU+10902
Daleth𐤃PHOENICIAN LETTER DELTU+10903
He𐤄PHOENICIAN LETTER HEU+10904
Waw𐤅PHOENICIAN LETTER WAUU+10905
Zajin𐤆PHOENICIAN LETTER ZAIU+10906
Chet𐤇PHOENICIAN LETTER HETU+10907
Tet𐤈PHOENICIAN LETTER TETU+10908
Jod𐤉PHOENICIAN LETTER YODU+10909
Kaph𐤊PHOENICIAN LETTER KAFU+1090A
Lamed𐤋PHOENICIAN LETTER LAMDU+1090B
Mem𐤌PHOENICIAN LETTER MEMU+1090C
Nun𐤍PHOENICIAN LETTER NUNU+1090D
Samech𐤎PHOENICIAN LETTER SEMKU+1090E
Ajin𐤏PHOENICIAN LETTER AINU+1090F
Pe𐤐PHOENICIAN LETTER PEU+10910
Zade𐤑PHOENICIAN LETTER SADEU+10911
Qoph𐤒PHOENICIAN LETTER QOFU+10912
Resch𐤓PHOENICIAN LETTER ROSHU+10913
Schin𐤔PHOENICIAN LETTER SHINU+10914
Taw𐤕PHOENICIAN LETTER TAUU+10915
𐤖PHOENICIAN NUMBER ONEU+10916
𐤗PHOENICIAN NUMBER TENU+10917
𐤘PHOENICIAN NUMBER TWENTYU+10918
𐤙PHOENICIAN NUMBER ONE HUNDREDU+10919
(undefinierter Bereich)
𐤟PHOENICIAN WORD SEPARATORU+1091F

Siehe auch

Literatur

  • Paul Schoeder: Die phönizische Sprache. Entwurf einer Grammatik, nebst Sprach- und Schriftproben. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses, Halle 1869. (Reprint: Sändig Reprint 1979, ISBN 3-253-03071-7.) Volltext
  • Aubet, Maria Eugenia: The Phoenicians and the West. Cambridge University Press, London 2001, ISBN 978-0-521-79543-2.
  • Markoe, Glenn: Phoenicians. University of California Press, 2000, ISBN 0-520-22613-5.
  • Thiolett, Jean-Pierre: Je m’appelle Byblos. H&D, Paris 2005, ISBN 2-914266-04-9.
  • Der Kleine Pauly.

Weblinks

Commons: Phönizisches Alphabet – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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PhoenicianB-01.svg
Phoenician Beth
Sarcophag of Ahiram inscription.png
Inscription on Sarcophagus of Ahiram, King of Byblos in 10th c. BC.
PhoenicianTet-01.png
Autor/Urheber: nd, Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Phoenician Tet
Proto-semiticT-01.svg
The proto-Canaanite letter Taw. Also the base of the Semitic letter Taw in a recreated Proto-Semitic script. Also an early variant of the Phoenician letter Taw.
PhoenicianD-01.svg
Phoenician Dalet
PhoenicianQ-01.svg
Phoenician Qoph
PhoenicianH-01.svg
Phoenician Heth
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Phoenician Pe
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Phoenician Resch
PhoenicianS-01.svg
Phoenician Schin
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Phoenician letter "he"
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Phoenician Lated
PhoenicianM-01.svg
Phoenician em.
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Phoenician 'Ayin
PhoenicianA-01.svg
Phoenician lk;/l';';

'

Aleph
PhoenicianK-01.svg
Phoenician Kaph
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N phenician letter
PhoenicianTsade-01.svg
Phoenician Zade
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Phoenician Satech
PhoenicianZ-01.svg
Phoenician Zayin.
PhoenicianG-01.svg
Phoenician letters
Phönizisch-5Sprachen.svg
Das phönizische Alphabet (mittlere Säule) ist die Mutter verschiedener heutiger Alphabete. V.l.n.r.: lateinisch, griechisch, phönizisch, hebräisch, arabisch.
Die modernen Äquivalente der phönizischen Buchstaben stehen auf selber Höhe wie die „Originale“ in der mittleren Spalte.
Verwandte Buchstaben sind im gleichen Farbton hinterlegt. Pfeile ordnen Buchstaben ihrem jeweiligen Äquivalent zu.
Phönizische Inschrift Arch Museum Alanya.JPG
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Phönizische Inschrift, die die Verleihung eines Stück Landes durch "slprn", den Herrscher von "ylps" an einen gewissen "msnzms" bezeugt, Archäologisches Museum von Alanya, Türkei
Sarcophagus with Phoenician writing 1.jpg
Autor/Urheber: Emna Mizouni, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Sarcophagus with Phoenician writing from Byblos
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Phoenician Yodh
PhoenicianW-01.svg
Phoenician Waw.