Löbnitz (Sachsen)

WappenDeutschlandkarte

Koordinaten: 51° 36′ N, 12° 28′ O

Basisdaten
Bundesland:Sachsen
Landkreis:Nordsachsen
Höhe:86 m ü. NHN
Fläche:37,39 km2
Einwohner:2088 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte:56 Einwohner je km2
Postleitzahl:04509
Vorwahl:034208
Kfz-Kennzeichen:TDO, DZ, EB, OZ, TG, TO
Gemeindeschlüssel:14 7 30 180
Gemeindegliederung:4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Parkstr. 15
04509 Löbnitz
Website:www.loebnitz-am-see.de
Bürgermeister:Detlef Hoffmann (CDU)
Lage der Gemeinde Löbnitz im Landkreis Nordsachsen
ArzbergBad DübenBeilrodeBelgern-SchildauCavertitzDahlenDelitzschDoberschützDommitzschDreiheideEilenburgElsnigGroßtreben-ZwethauJesewitzKrostitzLaußigLiebschützbergLöbnitzMockrehnaMockrehnaMügelnNaundorfWiedemarOschatzRackwitzBelgern-SchildauSchkeuditzSchönwölkauMügelnTauchaTorgauTrossinWermsdorfWiedemarTorgauZschepplinWiedemarKarte
Über dieses Bild

Löbnitz ist eine Gemeinde im Norden von Sachsen an der Grenze zu Sachsen-Anhalt.

Geografie und Verkehr

Seelhausener See
Alte Mulde in Roitzschjora

Löbnitz liegt an der Mulde, zwischen der Leipziger Tieflandsbucht und der Dübener Heide. Nachbarorte von Löbnitz sind Delitzsch (14 km), Pouch (5 km), Bitterfeld (15 km), Bad Düben (9 km) und Badrina (8 km).

Im Westen der Gemeinde wurde bis 1991 im Tagebau Goitzsche Braunkohle gefördert. Die inzwischen gefluteten Tagebaurestlöcher wurden rekultiviert und zu einer Erholungslandschaft umgestaltet. So befindet sich jetzt im Westen der Gemeinde der 6,22 Quadratkilometer große Seelhauser See. Die Flutung wurde durch die Jahrhundertflut im August 2002 beschleunigt, da der Muldedeich zwischen Löbnitz und Pouch brach und das Muldehochwasser den Tagebau Goitzsche zum Überlaufen brachte.

Die Staatsstraße 12 von Bad Düben zur Landesgrenze bei Pouch führt durch Löbnitz. Südlich der Gemeinde verläuft die B 183a. Im Ortsteil Roitzschjora befindet sich ein als Verkehrslandeplatz ausgewiesener Flugplatz.

Bis 1964 existierte eine Fährverbindung über die Mulde nach Rösa.

1896 trat in Löbnitz eine Interessenversammlung zum Bau einer Bahnstrecke von Eilenburg nach Bad Düben zusammen, mit der die Gemeinde Anschluss an das Eisenbahnnetz erhalten hätte. Mit dem Bau wurde nie begonnen.

Gemeindegliederung

Ortsteile: Löbnitz, Roitzschjora, Sausedlitz, Reibitz

Geschichte

Löbnitz wurde 981[2] erstmals als oppidum Liubanici, neben weiteren Burgwarden an der Mulde, urkundlich erwähnt. Ursprünglich war es ein Lehen des Grafen Arsico, das damals von König Otto III. dem Bistum Meißen geschenkt wurde. Mindestens seit 1387 war die Familie von Schönfeldt Besitzer des Ortes.

Löbnitz wird noch 1605 in einem Steuerschockanschlag als Städtlein bezeichnet, verlor jedoch spätestens im Dreißigjährigen Krieg die Stadtrechte. Mit den zwei geteilten Rittergütern, Schloss- und Hofteil, gehörte Löbnitz bis 1815 zum kursächsischen Amt Delitzsch.[3] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1952 gehörte.[4] Die Kommune war bis zum Zusammenschluss 1836 in einen Schlossteil und einen Hofteil geteilt.[5]

Im Zuge der Kreisreform in der DDR 1952 wurde Löbnitz dem verkleinerten Kreis Delitzsch im Bezirk Leipzig zugeteilt, welcher 1994 im Landkreis Delitzsch aufging.[6] Seit 2008 gehört Löbnitz zum Landkreis Nordsachsen.

Eingemeindungen

  • 1973: Roitzschjora
  • 1993: Reibitz
  • 1994: Sausedlitz

Sehenswürdigkeiten

Evangelische Kirche und Pfarrhaus in Löbnitz
Werbeliner Bockwindmühle in Reibitz
  • Die evangelische Pfarrkirche Löbnitz ist eine Saalkirche mit reicher frühbarocker Ausstattung, die als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika im 13. Jahrhundert errichtet und in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts zur Saalkirche umgebaut wurde.
  • In Löbnitz gibt es noch eine katholische Kirche, weitere Kirchen befinden sich in Reibitz und Sausedlitz.
  • Bockwindmühlen in Löbnitz und Reibitz, letztere wurde aus dem devastierten Werbelin umgesetzt
  • Brunnen aus dem Jahr 2001 in Löbnitz
  • Das Herrenhaus in Löbnitz wurde zum Pflegeheim umgestaltet
  • Campingplatz in Roitzschjora, an einem alten Muldearm
  • Seelhausener See
  • Goitzsche
  • Muldetal (naturnahe Auenlandschaft mit geschützter Tierwelt)

Goitzsche und Seelhausener See werden von einem asphaltierten Fahrrad- und Skaterweg umrundet (Gesamtlänge etwa 25 km). Vom Uferweg sind Bitterfeld mit dem Bitterfelder Bogen, Pouch mit dem historischen Roten Turm und Mühlbeck mit Strandanlage zu erkennen.

Löbnitz liegt am Rand der Dübener Heide (auf der anderen Muldeseite liegen die Gemeinden Rösa, Brösa und Pouch bereits im bzw. unmittelbar am Naturpark Dübener Heide). Die Mulde grenzt Löbnitz im Norden von den genannten Gemeinden ab und bildet gleichzeitig die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Längs des Muldedamms verläuft der Mulderadweg. Löbnitz ist an das Fernreitwegnetz angeschlossen.

Politik

Bürgermeister

Bürgermeister der Gemeinde Löbnitz war seit 2008 Axel Wohlschläger (CDU), der sich bei der Bürgermeisterwahl 2008 mit 56,1 % der Stimmen gegen Christine Schiemann (SPD) durchgesetzt hatte und 2015 wiedergewählt wurde. Er war 2015 der einzige Bewerber für das Bürgermeisteramt, deshalb wurde eine Mehrheitswahl durchgeführt, bei der die Wähler noch vier weitere Kandidaten vorgeschlagen wurden, welche insgesamt nur 15 Stimmen erhielten. Von 787 gültigen Stimmen entfielen 772 Stimmen (98,1 %) auf Axel Wohlschläger. Mitte Juni 2019 verstarb er nach langer schwerer Krankheit.[7][8]

Zur Bürgermeisterwahl am 1. Dezember 2019 ist der bis dahin stellvertretende Bürgermeister Detlef Hoffmann (CDU) zum neuen Bürgermeister gewählt worden.[9]

Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2019[10]
Wahlbeteiligung: 69,6 %
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60
50
40
30
20
10
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57,9 %
34,5 %
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Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
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+3,8 %p
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Seit der Gemeinderatswahl am 26. Mai 2019 verteilen sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Veranstaltungen

Osterfeuer

Zu Ostern wird jährlich auf dem Sportplatz ein Osterfeuer errichtet.

Maibaumsetzen

Jährlich am 30. April findet auf dem Dorfplatz das Maibaumsetzen statt.

Reit- und Springturnier / Parkfest

Im Reitstadion Löbnitz findet alljährlich im Juni das internationale Löbnitzer Reit- und Springturnier statt. Zugleich wird im Park das Parkfest veranstaltet.

Adventsmarkt

Um die Weihnachtszeit findet jährlich der Löbnitzer Adventsmarkt auf dem Dorfplatz statt.

With Full Force

Auf dem Flugplatz Roitzschjora wurde in den Jahren 1999 bis 2016 am ersten Juli-Wochenende das With-Full-Force-Festival ausgerichtet.

Im Jahr 2017 wurde das Festival nach Ferropolis bei Gräfenhainichen verlegt, da die Durchführung des Festivals auf dem Flugplatz Roitzschjora und die damit einhergehenden, steigenden Sicherheitsanforderungen der örtlichen Ordnungsbehörden durch den Veranstalter nicht mehr gewährleistet werden konnten.[11]

2012 gab es während des Festivals wegen eines Blitzeinschlags 69 Verletzte.

Zeltbühne des Musikfestivals With Full Force

Persönlichkeiten

  • Albrecht II. von Mutzschen († 1266), Bischof von Meißen, starb auf Schloss Löbnitz
  • Johann Erich von Schönfeldt (1659–1724), Rittergutsbesitzer, Lehn- und Gerichtsherr sowie Kirchen- und Schulpatron
  • Heinrich Rudolph von Schönfeldt (1695–1751), kursächsischer Hausmarschall und Rittergutsbesitzer
  • Johann Hilmar Adolph von Schönfeld (1743–1820), sächsischer Gesandter und Minister
  • Friedrich Lebrecht Koch (1761–1837), Geistlicher
  • Adolph von Schönfeldt (1809–1886), Rittergutsbesitzer, Verwaltungsbeamter und Parlamentarier
  • Franz Julius Bernhard (1810–unbekannt), evangelisch-lutherischer Pfarrer und Autor
  • Wolfgang Müller (1931–2021), Dressurreiter und Reitmeister
  • Anita Hentschel (1942–2019), Leichtathletin und Olympiateilnehmerin
  • Thomas Böttcher (* 1965), Journalist, Moderator und Schauspieler

Literatur

  • Harald Otto: Luther...Gellert...Wagner...Löbnitzer Reden, 3. Auflage, Verlag epubli, Berlin 2018, ISBN 978-3-7450-9910-2

Weblinks

Commons: Löbnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Löbnitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung des Freistaates Sachsen nach Gemeinden am 31. Dezember 2020 (Hilfe dazu).
  2. Thietmarus Merseburgensis.: Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung. Monumenta Germaniae Historica, 1980, ISBN 3-921575-38-9.
  3. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f.
  4. Der Landkreis Delitzsch im Gemeindeverzeichnis 1900
  5. Landesarchiv Sachsen-Anhalt, D 9, D XVIb g Nr. 15
  6. Wellaune im Historischen Ortsverzeichnis Sachsen
  7. Ergebnis der Bürgermeisterwahl 2008
  8. Ergebnis der Bürgermeisterwahl 2015
  9. Website der Gemeinde
  10. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2019
  11. With Full Force 2017: Alle Infos zum Festival, zum Line-up, zu Tickets und Preisen. (Memento des Originals vom 23. Dezember 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.metal-hammer.de In: metal-hammer.de, 31. Mai 20127. Abgerufen am 25. Juni 2017.

Auf dieser Seite verwendete Medien

Wappen vom Landkreis Nordsachsen.svg
Wappen des Landkreises Nordsachsen
„In Gold zwischen zwei blauen Wellenpfählen ein aufgerichteter rot bewehrter und gezungter schwarzer Löwe.“
Der Kreistag des Landkreises Nordsachsen hat am 10. Dezember 2008 beschlossen, das vorstehend beschriebene Wappen zu führen.
Kirche-Sausedlitz.jpg
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Kirche in Sausedlitz
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Löbnitz in Saxony - Landkreis Nordsachsen
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Alte Mulde in Roitzschjora
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Kirche in Reibitz
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WithFullForce 2003 in Roitzschjora, Blick zur Nebenbühne
Löbnitz-Dorfkirche-vSüden-mPfarrhaus+Kirchgarten-DSC07276+14-20-07-2021-1321.jpg
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Löbnitz/Sachsen, Dorfkirche Löbnitz: (von links): das Pfarrhaus, die evangelische Dorfkirche (von Süden gesehen), davor der neu gestaltete Kirchgarten – nördlich neben dem Pfarrhaus befindet sich das Kriegerdenkmal von 1927 für die 33 im 1. Weltkrieg gefallenen Löbnitzer Männer - nur wenige Meter von der südwestlichen Ecke der Kirche entfernt steht die Eichenholz-Skulptur „Ave von Schönfeld“ von Gabriel Zschornak, Ave von Schönfeld ist Namensgeberin des Pfarrgartens – in der Mitte vor der Kirche steht die Linde, die zum 300. Todestag Martin Luthers, also am 18. Februar 1846 gepflanzt wurde;
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Brunnen in Löbnitz
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Katholische Kirche in Löbnitz
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Reibitz,Werbeliner Bockwindmühle, 1844 in Werbelin erbaut. 1991 muste der Ort und die Mühle dem Braunkohleabbau weichen und wurde demontiert. 1994 wurde die Mühle im Schullandheim Reibitz wieder errichtet.
Seelhausener See (von Sausedlitzer Seite gesehen).jpg
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Seelhausener See, von der Sausedlitzer Seite aus gesehen von einer leichten Anhöhe.
Heim-Löbnitz.jpg
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Pflegeheim in Löbnitz
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Löbnitz_Döblermühle