Kommunikatives Gedächtnis

Als kommunikatives Gedächtnis bezeichnen die deutschen Kulturwissenschaftler Jan Assmann und Aleida Assmann die mündliche Weitergabe von persönlichen Erfahrungen.

Kommunikatives Gedächtnis und kulturelles Gedächtnis bilden zusammen das kollektive Gedächtnis. Dabei ist das kommunikative Gedächtnis auf die mündliche Überlieferung der vorangegangenen drei Generationen begrenzt, nach Assmann auf rund 80 Jahre. Es stirbt mit seinen Trägern. Assmann spricht in diesem Zusammenhang von „struktureller Amnesie“ nach Ablauf dieser Zeitspanne.[1] Das kommunikative Gedächtnis ist alltagsnah und gruppengebunden. Die mündlichen Erzählungen sind flüchtig und veränderbar, zeichnen sich aber andererseits durch eine starke Lebendigkeit aus.

Gegenüber dem kulturellen zeichnet sich das kommunikative Gedächtnis durch ein geringes Maß an Formalität und Geformtheit aus.

Literatur

  • Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. 7. Auflage. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-56844-2 (erstveröffentlicht 1992; Leseprobe in der Google-Buchsuche).
  • Aleida Assmann, Jan Assmann: Das Gestern im Heute. Medien und soziales Gedächtnis. In: Klaus Merten, Siegfried J. Schmidt, Siegfried Weischenberger (Hrsg.): Die Wirklichkeit der Medien. Eine Einführung in Kommunikationswissenschaften. Westdeutscher Verlag, Opladen 1994, ISBN 3-531-12327-0, S. 114–140.
  • Aleida Assmann: Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kulturellen Gedächtnisses. 3. Auflage. Beck, München 2006, ISBN 3-406-50961-4 (erstveröffentlicht 1999; Leseprobe in der Google-Buchsuche).
  • Aleida Assmann: Wie wahr sind Erinnerungen? In: Harald Welzer (Hrsg.): Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung, Tradierung. Hamburger Edition, Hamburg 2001, ISBN 3-930908-66-2, S. 103–122.

Einzelnachweise

  1. Arnd Krüger: Die sieben Arten in Vergessenheit zu geraten. In: Arnd Krüger, Bernd Wedemeyer-Kolwe (Hrsg.): Vergessen, Verdrängt, Abgelehnt. Zur Geschichte der Ausgrenzung im Sport (= Schriftenreihe des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte Hoya. Band 21). LIT-Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-643-10338-3, S. 4–16; die ursprüngliche Theorie (ohne Sport) beruht auf Paul Connerton: Seven Types of Forgetting. In: Memory Studies. Bd. 1, 2008, S. 59–71.