Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão

Film
Deutscher TitelDie Sehnsucht der Schwestern Gusmão
OriginaltitelA Vida Invisível De Eurídice Gusmão
ProduktionslandBrasilien, Deutschland
OriginalsprachePortugiesisch
Erscheinungsjahr2019
Länge140 Minuten
AltersfreigabeFSK 12[1]
Stab
RegieKarim Aïnouz
DrehbuchMurilo Hauser
ProduktionRodrigo Teixeira,
Michael Weber
MusikBenedikt Schiefer
KameraHélène Louvart
SchnittHeike Parplies
Besetzung
  • Fernanda Montenegro: Eurídice Gusmão
  • Carol Duarte: die junge Eurídice
  • António Fonseca: Manuel
  • Gregório Duvivier: Antenor
  • Júlia Stockler: Guida Gusmão

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão (Originaltitel A Vida Invisível De Eurídice Gusmão, internationaler englischsprachiger Titel The Invisible Life of Eurídice Gusmão) ist ein Filmdrama von Karim Aïnouz, das bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2019 den Hauptpreis der Sektion Un Certain Regard gewann.

Handlung

Die beiden Schwestern Eurídice und Guida Gusmão leben im Rio de Janeiro der 1940er Jahre. Sie sind schön, mutig und eigensinnig. Doch auch wenn in der Stadt kosmopolitisches Flair herrscht, sollen Frauen vor allem liebende Gattinnen und Mütter sein.

Produktion

Der Film basiert auf dem Roman Die vielen Talente der Schwestern Gusmão (Originaltitel A Vida Invisível De Eurídice Gusmão) von Martha Batalha aus dem Jahr 2015.[2] Regie führte Karim Aïnouz, Murilo Hauser adaptierte Batalhas Roman für den Film.[3] Der Film erzählt von patriarchalischen Strukturen und einem, wie der Regisseur es nennt, verhängnisvollen Hyper-Machismus in Brasilien, unter dem die Frauen bis heute leiden würden.[4] Aïnouz hat das Buch nicht eins zu eins verfilmt, aber die darin angelegte Konstellation und erzählerische Breite übernommen, so Christian Horn: „Entsprechend episch erzählt der Regisseur die doppelte Lebensgeschichte der getrennten Schwestern, die beide auf ihre Art mit den gesellschaftlichen Zwängen und den stark patriarchalisch dominierten Gepflogenheiten kämpfen. […] Die Tragik, dass die Leben der beiden Schwestern parallel stattfinden, wo sie sich gegenseitig doch eine wichtige Stütze sein könnten, liegt dabei über jeder Szene.“[2] Der Film erhielt vom Medienboard Berlin-Brandenburg eine Produktionsförderung in Höhe von 150.000 Euro.

In den Titelrollen der Schwestern Eurídice und Guida Gusmão sind Fernanda Montenegro und Júlia Stockler zu sehen, wobei Carol Duarte die Rolle der jungen Eurídice übernahm.

Die Filmmusik komponierte Benedikt Schiefer. Der Soundtrack, der insgesamt 12 Musikstücke umfasst, wurde Mitte November 2019 von Milan Records als Download veröffentlicht.[5]

Der Film wurde am 20. Mai 2019 im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes erstmals gezeigt und feierte am 29. Juni 2019 im Rahmen des Filmfest München seine Deutschlandpremiere. Im September 2019 wurde der Film im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig vorgestellt[6], Ende September, Anfang Oktober 2019 beim Zurich Film Festival[7], Anfang Oktober 2019 beim London Film Festival.[8] Die Amazon Studios sicherten sich die Vertriebsrechte für die USA.[9] Im Januar 2020 erfolgte eine Vorstellung beim Palm Springs International Film Festival.[10] Am 13. März 2020 kam er in die österreichischen Kinos.[11]

In der Begründung der internationalen Jury des Filmfest München, wo die Koproduzenten Viola Fügen und Michael Weber ausgezeichnet wurden, wird die herausragende Kameraarbeit hervorgehoben, aber auch die ansprechenden schauspielerischen Leistungen. Es handele sich um „eine emotionale Geschichte, die weitgehend in der Vergangenheit spielt“, heißt es weiter, „und die es auf eine wunderbare Art und Weise schafft, das Echo der Geschichte im heutigen politischen Klima widerhallen zu lassen, indem sie die Position der Frau in der brasilianischen Gesellschaft beleuchtet“.[4]

Rezeption

Kritiken

Der Film konnte bislang 92 Prozent aller Kritiker bei Rotten Tomatoes überzeugen und erhielt hierbei eine durchschnittliche Bewertung von 7,2 der möglichen 10 Punkte.[12]

Christian Horn bemerkt auf programmkino.de, der Website der Gilde deutscher Filmkunsttheater, Karim Aïnouz verlasse sich nicht allein auf die in der Romanvorlage angelegte Gesellschaftserzählung, sondern finde auch einen starken inszenatorischen Zugang zu dem Stoff: „Aller teils tränenreichen Schwermut zum Trotz wirft Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão einen optimistischen Blick auf das Leben, das Lieben und die vielen Hochs und Tiefs, die damit einhergehen. Die Bilder sind farbenfroh, ohne je in Kitsch abzudriften, die schauspielerischen Leistungen durchweg hervorragend.“ Bemerkenswert sei die große Konzentration, mit der jedes Bild aufgebaut ist, so Horn weiter, und die Figuren seien oft gerahmt oder anderweitig eingeengt, ganz so wie es in den großen Melodramen von Douglas Sirk aus den 1950er Jahren und anderen angelegt ist. Aïnouz schaffe es, die melodramatische Überzeichnung und den Blick für kleine Beobachtungen perfekt auszutarieren, wodurch Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão ein Film der großen Gefühle geworden sei.[2]

Die Jury der Evangelischen Filmarbeit empfahl Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão als Film des Monats Dezember 2019. In der Begründung heißt es, der Film weise in seiner visuellen Sinnlichkeit und seiner unverrückbaren Empathie für die Hauptfiguren über sein historisches Setting hinaus ins Zeitgenössische: "Er ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das Selbstbestimmungsrecht der Frau in allen Belangen – Reproduktion, Sexualität, Arbeit, Beziehung."[13]

Auszeichnungen

Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao wurde von Brasilien bei der Oscarverleihung 2020 in der Kategorie Bester Internationaler Film eingereicht, gelangte aber nicht in die engere Auswahl. Im Folgenden weitere Auszeichnungen und Nominierungen.

Belgrade International Film Festival 2020

Filmfest München 2019

  • Auszeichnung als Beste Koproduzenten (Viola Fügen und Michael Weber)[4]

Frankfurter Buchmesse Film Awards 2019

  • Nominierung in der Kategorie Best International Literary Adaption (Martha Batalha und Karim Aïnouz)

Independent Spirit Awards 2020

  • Nominierung als Bester internationaler Film (Karim Aïnouz)[15]

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2019

National Board of Review Awards 2019

  • Aufnahme in die Top 5 der besten fremdsprachigen Filme[16]

Palm Springs International Film Festival 2020

Semana Internacional de Cine de Valladolid 2019

  • Auszeichnung als Beste Schauspielerinnen (Julia Stockler und Carol Duarte)
  • Auszeichnung als Bester Film mit dem FIPRESCI-Preis (Karim Aïnouz)
  • Auszeichnung als Bester Film mit dem Silver Spike (Karim Aïnouz)
  • Auszeichnung mit dem Sociograph Award (Karim Aïnouz)
  • Nominierung als Bester Film für den Golden Spike (Karim Aïnouz)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Freigabebescheinigung für Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 195967/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. a b c https://www.programmkino.de/content/Filmkritiken/die-sehnsucht-der-schwestern-gusmao/
  3. Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao. In: filmdienst.de. Abgerufen am 22. August 2019.
  4. a b c Moritz Holfelder: Abschluss des Münchner Filmfests mit feierlicher Preisverleihung. In: br.de, 6. Juli 2019.
  5. 'Invisible Life' Soundtrack Released. In: filmmusicreporter.com, 16. November 2019.
  6. Marc Mensch: Viel Neues auf der Filmkunstmesse. In: Blickpunkt:Film, 20. August 2019.
  7. „Joker“, „Marriage Story“, „Le Mans '66“ und weitere Highlights für das 15. ZFF bestätigt. In: outnow.ch. Abgerufen am 4. September 2019.
  8. 63rd BFI London Film Festival programme announced. In: bfi.org.uk, 29. August 2019.
  9. https://www.thewrap.com/amazon-acquires-cannes-un-certain-regard-winner-the-invisible-life-of-euridice-gusmao/
  10. Programmheft des Palm Springs International Film Festivals 2020. In: psfilmfest.org. Abgerufen am 3. Januar 2020. (PDF; 331 KB)
  11. Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão. In: uncut.at. Abgerufen am 13. März 2020.
  12. The Invisible Life of Eurídice Gusmão In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 16. Dezember 2019.
  13. https://filmdesmonats.de/aktuell
  14. https://www.cineuropa.org/en/newsdetail/386796
  15. Joey Nolfi: Uncut Gems, Lighthouse lead 2020 Film Independent Spirit Award nominations. In: Entertainment Weekly, 21. November 2019.
  16. Marianne Garvey: National Board of Review names 'The Irishman' best film of 2019. In: cnn.com, 4. Dezember 2019.
  17. Pete Hammond: Palm Springs Film Festival Sets Lineup; 'An Almost Ordinary Summer' & 'Military Wives' Are Opening- And Closing-Night Movies. In: deadline.com, 10. Dezember 2019.