Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1800

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4. Präsidentschaftswahl
Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten
Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten
31. Oktober – 6. Dezember 1800
138 Wahlleute

Demokratisch-Republikanische Partei
Thomas Jefferson / Aaron Burr
Wahlleute73  
  
52,9 %
Stimmen41.330  
  
61,4 %
Föderalistische Partei
John Adams / Charles Cotesworth Pinckney
Wahlleute65  
  
47,1 %
Stimmen25.952  
  
38,6 %

Wahlergebnisse nach Bundesstaat
Karte der Wahlergebnisse nach Bundesstaat
  8 Staaten  
Jefferson
  7 Staaten  
Adams

Gewähltes Electoral College
Electoral College:
  • Jefferson 73
  • Adams 65

  • Präsident der Vereinigten Staaten

    Bei der Präsidentschaftswahl 1800 in den Vereinigten Staaten, manchmal auch als die Revolution von 1800 bezeichnet, besiegte Thomas Jefferson mit seinem designierten Vizepräsidenten Aaron Burr den amtierenden Präsidenten John Adams. Es begann eine neue politische Epoche, die durch die Erstarkung der Demokratisch-Republikanischen Partei und die Auflösung der Föderalistischen Partei geprägt war.

    Jeffersons Sieg beendete einen aggressiven Präsidentschaftswahlkampf. Eine der Folgen dieser Verfassungskrise war die Verabschiedung des 12. Zusatzartikels zur Verfassung im Jahr 1804 mit der Bestimmung, dass die Wahlmänner nun getrennt für den Präsidenten und Vizepräsidenten abstimmen. Der Fall Marbury v. Madison vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten war auch direkt eine Folge des Ausgangs dieser Wahl.

    Nationalwahlen

    Wahlkampf

    In vielen Bereichen war der Wahlkampf eine Wiederholung der Präsidentschaftswahl 1796. Dem amtierenden Präsidenten Adams wurde von der Opposition vorgeworfen, sich Großbritannien gegenüber zu freundlich und Frankreich gegenüber zu feindlich zu verhalten. Außerdem lehnten die Republikaner die Alien and Sedition Acts vehement ab. Aber auch seine eigene Partei war unzufrieden mit Adams, weil er ihr zu gemäßigt erschien. Der Parteivorsitzende der Föderalisten, Alexander Hamilton, versuchte im Hintergrund deren Vizepräsidentenkandidaten Charles Cotesworth Pinckney zum Wahlsieg zu verhelfen. Adams geriet auch in Verlegenheit, als ein ihm gegenüber kritischer Brief Hamiltons an die Öffentlichkeit gelangte.

    Der Wahlkampf war erneut durch Bitterkeit und aggressive Parolen bestimmt. Die Föderalisten bezeichneten die Republikaner als Radikale und beschuldigten sie, politische Gegner zu ermorden, Kirchen niederzubrennen und das Land zu zerstören. Andererseits bezichtigten die Republikaner Adams, sich selbst zum König krönen zu wollen und eine dynastische Heirat mit dem Vereinigten Königreich zu planen.

    Wahlen

    Da jeder Bundesstaat den Wahltag selbst festlegen konnte, dauerte die Abstimmung von April bis Oktober. Die Föderalisten und die Republikaner hatten eine Stimmengleichheit von 65 Stimmen, bis der letzte Bundesstaat South Carolina acht republikanische Wahlmänner ernannte und damit Jefferson und Burr zum Sieg verhalf.

    Kandidaten

    Wahlergebnis

    Die Wahl hatte die folgenden Ergebnisse:[1][2]

    KandidatParteiHeimatstaatVolkswahl1Wahlmänner
    AnzahlProzent
    Thomas JeffersonDemokraten-RepublikanerVirginia41.33061,4 %73
    Aaron BurrDemokraten-RepublikanerNew York73
    John AdamsFöderalistMassachusetts25.59238,6 %65
    Charles Cotesworth PinckneyFöderalistSouth Carolina64
    John JayFöderalistNew York1
    Summe67.782100 %276
    Zum Sieg benötigt70

    1Volkswahlzahlen sind nur bedingt anwendbar, da erstens nur sechs der 16 Bundesstaaten überhaupt eine Volkswahl durchführten, zweitens die Regeln vor der Verabschiedung des 12. Zusatzartikels Volkswahlergebnisse verzerren und drittens die Bundesstaaten mit Volkswahl das Wahlrecht gewöhnlich von bestimmtem Landbesitz abhängig machten.

    Verfassungskrise

    Entsprechend der damals geltenden Verfassung hatte jeder Wahlmann im Electoral College zwei Stimmen, die nicht für die gleiche Person abgegeben werden durften. Der Kandidat mit der größten Stimmanzahl wurde zum Präsidenten, der Kandidat mit der zweithöchsten Stimmanzahl zum Vizepräsidenten ernannt. Diese Verfassungsregelung zur Stimmabgabe führte bei der Wahl 1796 dazu, dass Präsident und Vizepräsident verschiedenen Parteien angehörten.

    Um dies zu umgehen, hatten die Republikaner geplant, dass genau einer ihrer Wahlmänner für Jefferson, aber nicht für Aaron Burr stimmen sollte. Damit wäre Jefferson im Jahr 1800 Präsident und Aaron Burr Vizepräsident geworden. Dieser Plan scheiterte allerdings, als beide Kandidaten mit 73 Stimmen ein Patt erreichten. Die Verfassung schrieb für diesen Fall eine Nachwahl im Repräsentantenhaus der vergangenen Wahlperiode vor. Während die Föderalisten bei der Wahl 1800 ihre Mehrheit verloren, hatten sie in der für die Präsidentenwahl relevanten Zusammensetzung noch die Mehrheit und wollten die Chance nutzen, die aus ihrer Sicht fatale Wahl Jeffersons doch noch um jeden Preis zu verhindern, wobei sie sich auch nicht auf die Wahl Burrs verständigen konnten, den ein Teil der Föderalisten im Gegenzug für seine unverhoffte Wahl zum Präsidenten in deren politisches Lager ziehen wollte.

    Stichwahl im Repräsentantenhaus

    Stichwahl im Repräsentantenhaus 1801
    Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten
    Siegel des Präsidenten der Vereinigten Staaten
    11. Februar 1801 – 17. Februar 1801

    Demokratisch-Republikanische Partei
    Thomas Jefferson /
    Delegationen10  
      
    62,5 %
    Abgeordnete50  
      
    48,1 %
    Demokratisch-Republikanische Partei
    Aaron Burr /
    Delegationen4  
      
    25,0 %
    Abgeordnete43  
      
    41,3 %
    Nicht abgegeben /
    Delegationen2  
      
    12,5 %
    Abgeordnete11  
      
    10,6 %

    Wahlergebnisse nach Bundesstaat
    Karte der Wahlergebnisse nach Bundesstaat
      10 Staaten  
    Jefferson
      4 Staaten  
    Burr
      2 Staaten  
    Nicht abgegeben

    Abstimmungsergebnis der Staatsdelegationen
    Delegationen:
  • Jefferson 10
  • Burr 4
  • Nicht abgegeben 2

  • Präsident der Vereinigten Staaten
    Vor der Wahl
    John Adams
    Föderalistische Partei

    Die Abgeordneten im Repräsentantenhaus stimmten verfassungsgemäß nach Bundesstaaten ab. Eine absolute Mehrheit der Staaten war nötig, um einen Sieger zu bestimmen. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse wollten die Föderalisten weder für Jefferson noch Burr stimmen. Im Laufe von sechs Tagen kam es entsprechend zu 35 Wahlgängen ohne erforderliche absolute Mehrheit, wobei Jefferson jedes Mal eine relative Mehrheit von acht Staaten erreichte. Schließlich erklärten eine Reihe Föderalisten um James A. Bayard, dass ein friedlicher Machtwechsel nur mit Unterstützung der Föderalisten möglich sein würde. Am 17. Februar 1801, nur 15 Tage vor dem in der Verfassung festgelegten Tag der Amtseinführung, wurde Jefferson dann im 36. Wahlgang zum dritten Präsidenten gewählt. Zehn Bundesstaaten stimmten für Jefferson, vier für Burr und zwei enthielten sich der Stimme.

    Stichwahl um die Präsidentschaft 1801
    11.–17. Februar 1801, 1.–35. Wahlgang
    KandidatStimmen%
    Thomas Jefferson850.00
    Aaron Burr637.5
    geteilt212.5
    Gesamt:16100
    Absolute Mehrheit:9>50
    17. Februar 1801, 36. Wahlgang
    KandidatStimmen%
    Thomas Jefferson1062.5
    Aaron Burr425.0
    Nicht abgegeben 212.5
    Gesamt:16100
    Absolute Mehrheit:9>50
    Ergebnis: Thomas Jefferson als Präsident, Aaron Burr als Vizepräsident Gewählt
    Staat1. Wahlgang2.–35. Wahlgang36. Wahlgang
    Thomas JeffersonAaron BurrNicht AbgegebenThomas JeffersonAaron BurrNicht AbgegebenThomas JeffersonAaron BurrNicht AbgegebenGesamt
    Connecticut0700700707
    Delaware0100100011
    Georgia1001001001
    Kentucky2002002002
    Maryland4404404048
    Massachusetts31103110311014
    New Hampshire0400400404
    New Jersey3203203205
    New York64064064010
    North Carolina91064064010
    Pennsylvania94094094013
    Rhode Island0200200202
    South Carolina0501310055
    Tennessee1001001001
    Vermont1101101012
    Virginia16301450145019
    Gesamt8 Staaten
    (55 Stimmen)
    6 Staaten
    (49 Stimmen)
    2 Staaten
    (0 Stimmen)
    8 Staaten
    (51 Stimmen)
    6 Staaten
    (52 Stimmen)
    2 Staaten
    (1 Stimme)
    10 Staaten
    (50 Stimmen)
    4 Staaten
    (43 Stimmen)
    2 Staaten
    (11 Stimmen)
    16 Staaten
    (104 Stimmen)

    Ernennung der Wahlmänner

    In dieser Wahl wurden Wahlmänner wie folgt benannt:

    Bundesstaat(en)Ernennungsmethode
    Kentucky, Maryland, North CarolinaTeilung des Bundesstaats in Wahlkreise mit einem Wahlmann pro Wahlkreis nach Mehrheitswahlrecht
    Rhode Island, VirginiaAlle Wahlmänner von den Wahlberechtigten des Bundesstaats bestimmt
    Tennessee
    • Bundesstaat in Wahlkreise eingeteilt
    • Jedes County im Wahlkreis bestimmt mittels allgemeiner Wahl einen Countyvertreter
    • Countyvertreter bestimmen gemeinsam den Wahlmann für den Wahlkreis
    alle anderenWahlmänner von der Legislative des Bundesstaats ernannt

    Weblinks

    Commons: US-Präsidentschaftswahl 1800 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Literatur

    • John Ferling: Adams vs. Jefferson: The Tumultuous Election of 1800. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-516771-6.
    • Donald Richard Deskins, Hanes Walton, Sherman C. Puckett: Presidential Elections, 1789-2008: County, State, and National Mapping of Election Data. University of Michigan, Ann Arbor 2010, ISBN 978-0-472-11697-3, S. 33–40 (= Kapitel 6: Thomas Jefferson’s Initial Election.).
    • Paul F. Boller: Presidential Campaigns: From George Washington to George W. Bush. 2., verbesserte Auflage. Oxford University Press, New York 2004, ISBN 978-0-19-516716-0, S. 10–18 (= 1800–Republican Takeover: Jefferson’s Revolution).
    • Joanne B. Freeman: Affairs of Honor: National Politics in the New Republic. Yale University Press, New Haven 2001, ISBN 0-300-08877-9, S. 199–261 (= 5. An Honor Dispute of Grand Proportions: The Presidential Election of 1800 doi:10.12987/9780300137798-008).
    • Susan Dunn: Jefferson’s Second Revolution: The Election Crisis of 1800 and the Triumph of Republicanism. Houghton Mifflin, Boston 2004, ISBN 978-0-618-13164-8.
    • James Roger Sharp: The Deadlocked Election of 1800: Jefferson, Burr, and the Union in the Balance. University Press of Kansas, Lawrence 2010, ISBN 978-0-7006-1742-5.

    Einzelnachweise

    1. Our Campaigns - US President - National Vote Race - Nov 02, 1800. In: ourcampaigns.com. 22. Februar 2006, abgerufen am 22. November 2022.
    2. The Electoral College. In: archives.gov. 20. Mai 2019, abgerufen am 22. November 2022 (englisch).

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    Portrait of Aaron Burr (1756-1836)
    US Navy 031029-N-6236G-001 A painting of President John Adams (1735-1826), 2nd president of the United States, by Asher B. Durand (1767-1845)-crop.jpg
    Naval Historical Center, Washington, D.C. -- A painting of President John Adams (1735-1826), 2nd president of the United States, by Asher B. Durand (1767-1845). Every October 30th, the birthday of John Adams, Naval Reserve Center (NRC) Quincy, Mass., conducts a wreath-laying ceremony at First Parish Church. Both Adams and his son President John Quincy Adams are buried at the church. Adams was one of the leading advocates for the creation of a Continental Navy, he drafted the first set of rules and regulations for the new navy. He was able to convince the Congress to pass an “Act Providing a Naval Armament,” which was less than he thought was necessary but at least provided for the equipping of three frigates, the Constitution, the United States, and the Constellation. U.S. Navy photo. (RELEASED)
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    1800 Electoral College
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