Parlamentswahlen in Italien 1958

1953Parlamentswahlen in Italien 19581963
 %
50
40
30
20
10
0
42,36
22,68
14,23
4,76
4,55
3,54
2,63
2,23
3,01
PMP
PNM
Sonst.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 1953
 %p
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+2,26
+0,08
+1,53
−1,08
+0,03
+0,53
+2,63
−4,62
−1,37
PMP
PNM
Sonst.
Insgesamt 596 Sitze

Die Parlamentswahlen von 1958, die am 25. Mai stattfanden, waren die vierten nach Ende des Faschismus in Italien und nach Einführung des gleichen Frauen- und Männerwahlrechts. Über 32 Millionen Italiener waren aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen.

Zum Hintergrund

Die Mehrheitspartei DC bestand aus sehr unterschiedlichen correnti (dt. Flügeln), die ihre regionalen Hochburgen hatten, und ihre Zentrumsmehrheit (DC, PSDI, PLI, PRI) hatte keine sicheren Mehrheiten. Es gab unterschiedliche Ansichten darüber, welchen Parteien man sich öffnen sollte. Erwogen die rechten correnti eine Tolerierung durch die bzw. eine Regierung mit den rechtsextremen Monarchisten bzw. Faschisten (was von der CIA unterstützt wurde, die aus Angst vor einer angeblichen kommunistischen Machtübernahme sogar eine rechte Militärdiktatur ins Auge fassten), stand der christlichsoziale bzw. sozialliberale Flügel für eine Öffnung hin zur PSI. Amintore Fanfani (DC), der vom 18. Januar bis zum 10. Februar 1954 Ministerpräsident gewesen war, setzte auf centro-sinistra (Mitte-links), wofür er auch die Stimmen der zentristischen correnti bekam, weil man damit zugleich das Aktionsbündnis zwischen Sozialisten und Kommunisten brechen wollte und so die Kommunisten isolieren konnte; der spätere Ministerpräsident Aldo Moro verfolgte damit schon damals das Ziel, auch die Kommunisten (PCI) zu (re-)integrieren.

Nach dem XX. Parteitag der KPdSU (Februar 1956), auf dem Chruschtschow mit dem Stalinismus abrechnete, und nach der Niederschlagung des ungarischen Volksaufstandes verfolgte der PSI unter Pietro Nenni einen gemäßigteren Kurs: War der PSI bisher nicht weniger links als der PCI gewesen und unterschied sich von diesem im Wesentlichen nur darin, dass er sich nicht bedingungslos der KPdSU unterordnete, durchaus aber eine gemeinsame Aktionsfront mit der prosowjetischen Linken anstrebte, bot sich die Krise in der Sowjetunion bzw. im Ostblock dafür an, wie fast alle anderen sozialistischen/sozialdemokratischen Parteien in Westeuropa einen reformistischen und pro-westlichen Kurs zu fahren. Eine Zusammenarbeit mit dem PCI fand nun nicht mehr statt. Auch innerhalb des PCI kam es zu einer Krise, da Kritik am Sowjetkommunismus laut wurde und viele Intellektuelle die Partei verließen. Die Parteiführung reagierte darauf mit der Ankündigung eines demokratischen „italienischen Weges zum Sozialismus“, der als Vorläufer des späteren Eurokommunismus betrachtet werden kann.[1]

Folgen

Experimentierte die DC bis 1962 unter Fernando Tambroni noch mit centro-destra (Mitte-rechts), was sich nach dem geplanten Parteitag des MSI im Juni 1960 in der antifaschistischen und „roten“ Hochburg Genua und den damit verbundenen Demonstrationen (die den Parteitag erfolgreich verhinderten) erledigte, ließ sie sich von da an in einer Mitte-links-Koalition durch die Sozialisten tolerieren.

Ergebnisse

Camera dei deputati

ListenStimmenMandate
Anzahl%
Democrazia Cristiana12.520.20742,4273
Partito Comunista Italiano6.704.45422,7140
Partito Socialista Italiano4.206.72614,284
Movimento Sociale Italiano1.407.7184,824
Partito Socialista Democratico Italiano1.345.4474,622
Partito Liberale Italiano1.047.0813,517
Partito Monarchico Popolare776.9192,614
Partito Nazionale Monarchico659.9972,211
Partito Repubblicano ItalianoPartito Radicale405.7821,46
Movimento Comunità173.2270,61
Südtiroler Volkspartei135.4910,53
Movimento Autonomia Regionale Piemontese70.5890,2
Union Valdôtaine30.5960,11
Andere76.0350,3
Gesamt29.560.269100596
Ungültige Stimmen874.4122,9
Wähler30.434.68193,8
Wahlberechtigte32.434.852
Quelle: Innenministerium

Senato della Repubblica

ListenStimmenMandate
Anzahl%
Democrazia Cristiana10.780.95441,2123
Partito Comunista Italiano5.700.95221,859
Partito Socialista Italiano3.682.94514,135
Partito Socialista Democratico Italiano1.164.2804,55
Movimento Sociale Italiano1.150.0514,48
Partito Liberale Italiano1.012.6103,94
Partito Monarchico Popolare774.2423,05
Partito Nazionale Monarchico565.0452,22
Partito Repubblicano ItalianoPartito Radicale363.4621,4
PNMMSI291.3591,1
PCIPSI185.5570,7
Movimento Comunità142.8970,5
Südtiroler Volkspartei120.0680,52
Movimento Autonomia Regionale Piemontese61.0880,2
PSIPSDI – IS43.1910,2
Unabhängig28.1410,11
Partito Sardo d’Azione25.9230,1
Andere52.5080,2
Gesamt26.150.002100246
Ungültige Stimmen1.275.8414,7
Wähler27.425.84394,0
Wahlberechtigte29.183.501
Quelle: Innenministerium

Einzelnachweise

  1. Friederike Hausmann: Kleine Geschichte Italiens. Von 1943 bis zur Ära nach Berlusconi, Berlin 2006, S. 50–66.

Literatur

  • Hausmann, Friederike: Kleine Geschichte Italiens: Von 1943 bis zur Ära nach Berlusconi, Berlin 2006.
  • Canfora, Luciano: Zeitenwende 1956: Entstalinisierung, Suez-Krise, Ungarn-Aufstand, Köln 2012.

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